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Training am Limit des Machbaren

Athleten loten ihre Grenzen aus. Der scheinbar unendliche Wettkampf ist nur der Lohn einer disziplinierten Vorbereitung.
von Alexander Roloff

Der Hienheimer Ferdinand Reichmann feierte im Vorjahr ein glänzendes Ultratriathlon-Debüt. Heuer pausiert der 35-Jährige auf dieser Distanz. Foto: Reichmann/Archiv
Der Hienheimer Ferdinand Reichmann feierte im Vorjahr ein glänzendes Ultratriathlon-Debüt. Heuer pausiert der 35-Jährige auf dieser Distanz. Foto: Reichmann/Archiv

Kelheim.Es ist der Traum vieler Ausdauerathleten: Ein Mal zu den Finishern eines Langdistanztriathlons gehören! Die extremen Anforderungen scheinen eine ganz besondere Anziehungskraft auf ambitionierte Breitensportler auszuwirken. Konkret fasziniert die Kombination von 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Rennradfahren und 42,195 Kilometer. Die Aneinanderreihung der drei Disziplinen in einem Wettkampf scheint für Außenstehende eine unvorstellbare Herausforderung. Für die „Trias“ ist es lediglich der krönende Abschluss einer langen Vorbereitung.

Allerdings ist der Weg für die Extremsportler von der Entscheidung zur Teilnahme an einem Ultratriathlon bis zum Erreichen des Zielbanners komplizierter als es die ohnehin außerordentlichen Anforderungen der Einzeldisziplinen erahnen lassen. Körperliche Bedingungen und ein gewisses Maß an Erfahrung vorausgesetzt, gilt es den Balanceakt zwischen Berufsleben und Familienwelt mit dem leidenschaftlich betriebenen Sport zu vereinbaren. Bis zu einem Jahr konzentriertes Training investieren die Athleten, um sich am Tag X in das Starterfeld einzureihen.

„Die gesamte Vorbereitung ist ein Drahtseilakt. Im Training geht man durchaus an die Grenzen, sollte sich aber tunlichst nicht darüber hinaus bewegen. Die Regenerationszeiten müssen zwingend eingehalten werden.“

Ferdinand Reichmann

Dabei gibt es keine Garantie, die Ziellinie zu erreichen und die Früchte der harten Arbeit zu ernten. Vor dem ergreifenden Gänsehautgefühl, einen Ultra als „Finisher“ gemeistert zu haben, sind nebst Wettkampf auch die vielen Unwägbarkeiten der langen Vorbereitungszeit möglichst verletzungsfrei und gesund zu meistern.

Die Zahl der Ultratriathleten steigt dennoch. Auch im Landkreis Kelheim stellen sich etliche Begeisterte der immensen Herausforderung. Wie Ferdinand Reichmann, der im Vorjahr sein Debüt beim Ironman in Roth feierte, berichtet, stecken Alex Singer, Michael Hirsch, Georg Elflein, Thomas Oberneder und Hans-Ulrich Kress (alle run & bike Kelheim) in den letzten Zügen der Vorbereitung.

Ferdinand Reichmann beendete sein Debüt über die Langdistanz in 9:38:36 Stunden. Mit dieser hervorragenden Zeit belegte der Hienheimer unter 3000 Startern den 152. Rang und schloss in der Wertung der Feuerwehr-WM auf Platz neun ab. Die Gesamtzeit setzte sich aus 1:00:14 im Schwimmen, 5:07:22 auf dem Rennrad und 3:25:38 im Marathon zusammen. Foto: Reichmann/Archiv
Ferdinand Reichmann beendete sein Debüt über die Langdistanz in 9:38:36 Stunden. Mit dieser hervorragenden Zeit belegte der Hienheimer unter 3000 Startern den 152. Rang und schloss in der Wertung der Feuerwehr-WM auf Platz neun ab. Die Gesamtzeit setzte sich aus 1:00:14 im Schwimmen, 5:07:22 auf dem Rennrad und 3:25:38 im Marathon zusammen. Foto: Reichmann/Archiv

Vom TSV Mainburg stürzen sich Kurt Zimmer und Hans Schmid in das große Abenteuer. Für Frauenpower wollen die Abensbergerin Daniela Gantner und Stefanie Stuhlweißenburg sorgen. Die ausgesuchten Zielwettkämpfe sind der Ironman Klagenfurt (2. Juli), der Ironman Frankfurt (9. Juli) sowie die Challenge Regensburg (13. August) oder der zweitgleich stattfindende Ironman Hamburg.

Verletzung stoppt Andreas Zwerger

Für Andreas Zwerger von run & bike Kelheim ist das Unterfangen Langdistanztriathlon für dieses Jahr allerdings beendet: Der ambitionierte Athlet wurde von einem Ermüdungsbruch im Oberschenkel an der Teilnahme beim Ironman in Roth gehindert. „Das ist sehr bitter, da für ihn angesichts der bisherigen Vorbereitung eine sehr gute Leistung zu erwarten gewesen wäre“, berichtet Vereinskamerad Ferdinand Reichmann.

Der 35-jährige Bankkaufmann aus Hienheim bewältigte im Vorjahr die Challenge Roth. Die steigende Begeisterung an dieser extremen Sportart lasse sich laut Reichmann nur schwer erklären. Definitiv habe jeder Sportler seine eigene Motivation. „Pauschalisieren lässt sich aufgrund der unterschiedlichen individuellen Voraussetzungen nichts. Die zu erbringende Leistung ist nicht gering“, so Reichmann.

Routinier Ingo Ulmer von run & bike Kelheim zauberte 2012 bei der Challenge Roth mit 9:09:08 Stunden eine fabelhafte persönliche Bestzeit und Platz 52 hin. Drei Jahre später endete sein Versuch, die Neun-Stunden-Marke zu knacken, nach einer Hitzeschlacht in 9:27:43 Stunden auf Platz 82. Seine Vereinskollegen Tom Stadler und Alex Singer meisterten 2015 ebenfalls die Challenge Roth. Foto: Ulmer/Archiv
Routinier Ingo Ulmer von run & bike Kelheim zauberte 2012 bei der Challenge Roth mit 9:09:08 Stunden eine fabelhafte persönliche Bestzeit und Platz 52 hin. Drei Jahre später endete sein Versuch, die Neun-Stunden-Marke zu knacken, nach einer Hitzeschlacht in 9:27:43 Stunden auf Platz 82. Seine Vereinskollegen Tom Stadler und Alex Singer meisterten 2015 ebenfalls die Challenge Roth. Foto: Ulmer/Archiv

Werbung würden die deutschen Vorzeigeathleten Jan Frodeno und Sebastian Kienle – die Ironman-Hawaii-Sieger der letzten drei Jahre – für die Langdistanz betreiben. Für Reichmann selbst sei die Hinwendung zum Ultratriathlon nach der Bewältigung von Jedermann-Wettbewerben, Kurz-, olympische Distanz und der Halbdistanz eine logische Konsequenz gewesen.

Die Kräfte wollen gut eingeteilt sein

„Der Wettkampf in Roth lief für mich optimal und war das Sahnehäubchen auf eine optimale Vorbereitung ohne jegliche krankheitsbedingte Ausfälle“, blickt Reichmann zurück. In diesem Jahr stand für ihn keine Langdistanz zur Debatte. „Das muss jeder Sportler für sich abwägen. Mir war klar, dass ich mich der Langdistanz nicht in zwei Folgejahren stellen werde.“

Das gesamte Projekt verlange den Sportlern dauerhaft ein großes Maß an Disziplin ab, um alle bedingenden Faktoren in Einklang zu bringen. Als Knackpunkt kristallisiert sich eine ausgewogene Trainingsgestaltung heraus. „Die gesamte Vorbereitung ist eben ein Drahtseilakt“, so Reichmann. Minimum zwölf Stunden pro Woche bis hin zu 20 Stunden trainierte Reichmann. Zudem gehörten kürzere Wettkämpfe zur Standortbestimmung zur Pflicht. „Im Training geht man an die Grenzen, sollte sich aber tunlichst nicht darüber hinaus bewegen.“

Konkurrierende Serien

  • Ironman

  • Auf Hawaii findet in Kailua-Kona an der Westküste jährlich im Oktober mit dem Ironman Hawaii die Weltmeisterschaft im Triathlon über die Langdistanz (3,86 km Schwimmen, 180 km Rad fahren, 42,195 km Laufen). Der Ironman in Hawaii wird als die Mutter aller Langdistanz-Triathlons bezeichnet und gilt als großes Ziel der meisten Triathleten. Der Wettbewerb zählt aufgrund seiner klimatischen Anforderungen in der Lavawüste zu den weltweit anspruchsvollsten Ausdauerwettkämpfen. Über weite Strecken führt der Langdistanz-Triathlon durch die schattenlose Lava-Wüste. Die Teilnehmer setzen sich Temperaturen von zum Teil erheblich über 30 Grad Celsius und hoher Luftfeuchtigkeit aus. Der erste Abschnitt führt schwimmend über 3,86 km (2,4 Meilen) auf das offene Meer und zurück. Es folgt die Radstrecke durch die Lavafelder in nördlicher Richtung mit dem Wendepunkt in Hawi. Nach 180,2 km (112 Meilen) wird das Rad in Kailua Kona gegen die Laufschuhe getauscht. Der Marathon führt bis zum Natural-Energy-Lab, einer Forschungsstation zur Nutzung von Meeresenergie, und endet mit dem Zieleinlauf auf dem Ali’i Drive in Kona.

  • Für den Ironman in Hawaii können sich Profis und Amateure qualifizieren. Zu den größten Qualifikationswettbewerben zählt der Ironman Frankfurt.

  • Challenge

  • Die Challenge ist eine weltweite Triathlon-Wettkampfserie unter Lizenz der Challenge Family GmbH. Die Wettkämpfe der Challenge-Serie werden über die Lang-, (3,86km, 180,2km, 42,2km)-, Mitteldistanz (1,9km, 90km, 21,1km) oder olympische Distanz (1,5km, 40km, 10km) absolviert. Als erster Wettkampf der Serie wurde 2002 die Challenge Roth ausgetragen. In den vierzehn Jahren zuvor wurde Roth als Qualifikationsrennen für den Ironman Hawaii unter dem Namen Ironman Europe veranstaltet. Von 2003 bis 2015 war die Challenge Roth – mit Ausnahme der Jahre 2011 und 2012 – alljährlich Austragungsort der Deutschen Triathlon-Meisterschaften auf der Langdistanz. Am 13. August 2017 finden die deutschen Meisterschaften über die Langdistanz in Regensburg statt. Das Starterfeld soll auf 1.000 Anmeldungen begrenzt sein: 600 Einzelstarter, 300 Challenge-For-Two-Teams sowie 100 Staffeln.

Um sich diesen Grenzläufen ideal anzunähern, sollte laut Reichmann jeder Triathlet einen Trainer in Anspruch nehmen. Für das Coaching vieler Athleten im Kelheimer Raum zeichne sich Bernhard Schröppel verantwortlichen. „Das Feedback eines Trainers ist enorm hilfreich, den Trainingseifer einzubremsen und die Leistung zu optimieren.“ Die Pläne sind entsprechend individuell und zielgerichtet angepasst. Speziell die Regenerationszeiten sind zu beachten.

„Der Körper nimmt die Impulse erst richtig zu den Ruhezeiten an und steigert dadurch seine Leistungsfähigkeit“. Zusätzliche Einheiten oder zu hohe Geschwindigkeiten sind mit steigender Form verlockend, können aber verheerende Folgen haben.

Sind die zahlreichen Risiken erfolgreich gemeistert, sollte am Wettkampftag bereits der Gang in den Startbereich zum Genuss unter Gänsehautatmosphäre werden. Mit dem Startschuss fügen Kondition, Technik, Willenskraft und Begeisterungsfähigkeit die trainierten Komponenten (im Idealfall) optimal zusammen.

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