MyMz

Vandalen kosten Stadt viel Geld

Vandalismus ist nicht auf die Freinacht beschränkt. Die Polizei hat ganzjährig damit zu tun. Doch die Aufklärung ist schwer.
von Wolfgang Endlein

Schmierereien in dieser Farbe fanden sich nach dem Wochenende an mehreren Wänden und Gegenständen in Neumarkt. Fotos: Endlein/Seitz
Schmierereien in dieser Farbe fanden sich nach dem Wochenende an mehreren Wänden und Gegenständen in Neumarkt. Fotos: Endlein/Seitz

Neumarkt.Ein auf dem Kopf stehend montiertes Ortsschild erinnerte die Menschen in Seligenporten daran, dass die sogenannte „Freinacht“ war. Auch in manch anderen Orten im Landkreis haben sich Unbekannte in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai so manchen Maischerz geleistet. Die meisten blieben harmlos, aber nicht alles war und ist vom Brauchtum oder gar Humor abgedeckt – sondern vielmehr vom Strafgesetzbuch.

Alles andere als harmlos war diese Aktion in Mühlhausen in der Freinacht, über die dieser MZ-Artikel berichtet.

Darauf können sich beispielsweise jener Unbekannter oder jene Unbekannten gefasst machen, die in Neumarkt im Zeitraum von Freitag bis Montag eine Spur lilafarbener Schmierereien an Wänden und Gegenständen hinterließen.

Über die Schmierereien hat die MZ in diesem Artikel berichtet.

Es sind die jüngsten Zeichen von Vandalismus in der Stadt, oder wie es die Polizei exakt bezeichnet „Sachbeschädigung im öffentlichen Raum“. Auch wenn die jüngste sogenannte „Freinacht“ vom 30. April auf den 1. Mai für die Polizei generell relativ ruhig blieb, wie der Leiter der Neumarkter Inspektion, Michael Danninger, erklärt. Zwei Sachbeschädigungen habe es gegeben. Insgesamt ist Vandalismus aber durchaus ein Alltagsthema für die Neumarkter Polizisten. Für 2016 weist die Kriminalstatistik eine Gesamtzahl von 334 Sachbeschädigungen aus. Davon waren 142 Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum und 94 Sachbeschädigungen an Autos (hier wird nicht unterschieden, ob auf privatem oder öffentlichen Grund).

Über die Kriminalitätsstatistik der Inspektion Neumarkt berichtete die MZ in diesem Artikel.

Rund zwei Drittel aller Sachbeschädigungen fallen somit unter das, was man landläufig als Vandalismus bezeichnet. Zusammen mit Diebstählen und Betrug nahmen die Sachbeschädigungen damit einen Großteil der insgesamt 2758 Straftaten im vergangenen Jahr ein. Entsprechend nehmen sie eine wichtige Stellung bei der Arbeit der Inspektion ein. Dem Vandalismus tritt die Polizei Neumarkt mit einem eigenen Sachbearbeiter für Sachbeschädigungen entgegen.

Das macht sich offenbar bezahlt. Die Zahlen bei den Sachbeschädigungen sind wie die Straftaten insgesamt rückläufig. Von 2010 bis 2016 ist die Zahl der Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum von 184 auf 142 Fälle gesunken. Noch deutlicher ist der Rückgang bei den Sachbeschädigungen an Autos: von 188 auf 94. Dass die Polizei ihren Job gut macht, will Danninger nicht in Abrede stellen, er gibt aber auch zu Bedenken, dass die Zahlen stark vom Anzeigeverhalten der Menschen abhingen. Immer dort, wo eine Versicherung mit ins Spiel komme, werde meist eine Anzeige gestellt. Wo dies nicht der Fall sei, bleibe eine Anzeige mitunter aus. Sprich, es gibt eine Dunkelziffer an Fällen.

Der Begriff des Vandalismus geht auf die Spätantike zurück, wie das Infoelement zeigt:

Die Vandalen

  • Stamm:

    Vandalismus leitet sich vom germanischen Volksstamm der Völkerwanderungszeit, den Vandalen, ab, die 455 zwei Wochen lang Rom geplündert haben sollen.

  • Begriff:

    Dass die Vandalen dies fanatisch und rein um der Zerstörung willen getan haben sollen, erachtet die heutige Geschichtswissenschaft als eine spätere Geschichtsverfälschung. Diese lebt aber weiterhin im Begriff Vandalismus fort.

Was auffällt beim Blick in die Statistik, ist die vergleichsweise niedrige Aufklärungsquote von 31 beziehungsweise 18 Prozent. Zum Vergleich: Alle Straftaten im Bereich der Inspektion Neumarkt betrachtet liegt sie bei fast 67 Prozent. Danninger sagt dazu: „Die kann auch nach oben schnellen, wenn erst einmal ein Fall geklärt werden kann“. Denn oft stünden Serientäter – insbesondere bei Graffiti – dahinter. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: Wird kein Fall aufgeklärt, bleiben es viele andere auch.

Wer dennoch erwischt wird, dem kann es teuer zu stehen kommen. Sachbeschädigung wird laut Paragraf 303 des Strafgesetzbuches mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren (es gibt aber auch Spezialfälle, für die das Gesetz noch längere Strafen vorsieht) oder mit Geldstrafe bestraft.

Das sagt die Deutsche Bahn

Vor allem aber haben die Geschädigten Kosten. „Es ist ein permanentes Problem“, sagt Dr. Franz Janka, Pressesprecher der Stadt Neumarkt, über Graffiti. Sie machen aber beileibe nicht alle Vandalismus-Schäden aus. 50 000 Euro müsse die Stadt jährlich wegen Vandalismus insgesamt ausgeben. Auch die Stadtwerke wendeten nach eigener Aussage im vergangenen Jahr einen mittleren vierstelligen Betrag auf, um in einer Säuberungsaktion die Stromverteilerkästen in der Marktstraße zu säubern.

Ein öffentlicher Bereich, der in vielen Städten traditionell Ziel von Vandalismus ist, sind die Bahnhöfe. Der Neumarkter macht da keine Ausnahme, wie die Deutsche Bahn mitteilt. Allersdings hielten sich die Vandalismusschäden in Grenzen. Es gebe keine besonderen Auffälligkeiten. Was vorkomme, seien hin und wieder Graffitischäden, nicht zuletzt in der Unterführung.

Übrigens, zum Vorfall der lilafarbenen Schmierereien hat die Polizei noch keine Hinweise, wie Danninger erklärte. Dass es sich um ein und denselben unbekannten Täter oder Täterin handelt, sei aber naheliegend. Die Polizei hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Lesen Sie mehr:

Weitere Nachrichten aus Neumarkt finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht