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Viele Firmen suchen noch Azubis

Am Freitag starteten die neuen Auszubildenden ins Berufsleben. Doch viele Stellen blieben rund um Neumarkt offen.
Von Johannes Heil

Zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres besuchte Bayerns Arbeitsministerin Emilia Müller die Firmengruppe Max Bögl. Foto: Heil
Zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres besuchte Bayerns Arbeitsministerin Emilia Müller die Firmengruppe Max Bögl. Foto: Heil

Neumarkt.Am Freitag begann für viele junge Menschen in Neumarkt und Umgebung ein komplett neuer Lebensabschnitt: Denn mit dem Start in den September startete gleichzeitig auch das neue Ausbildungsjahr, für viele gleichbedeutend mit dem Wechsel von der Schulbank an Werkbank oder Schreibtisch.

Bayerns Arbeitsministerin Emilia Müller (CSU) stattete zu diesem Anlass der Firmengruppe Max Bögl in Sengenthal einen Besuch ab und begrüßte gemeinsam mit Vorstand Michael Bögl 75 neue Auszubildende. Insgesamt starten 102 neue Azubis bei Bögl ins Berufsleben.

Viele freie Stellen

Müller lobte zunächst das Engagement der Firmengruppe, die mit 25 verschiedenen Ausbildungsberufen breit aufgestellt sei. Doch die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist längst nicht überall so rosig. Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit für den Bezirk Neumarkt sprechen hier eine eindeutige Sprache: Es gibt mehr offene Berufsausbildungsstellen als Bewerbungen dafür. In Zahlen ausgedrückt: Laut dem Bericht für den Monat August gab es im Agenturbezirk Neumarkt 1408 freie Ausbildungsstellen – aber nur 1058 Bewerbungen. „Es sind bayernweit noch immer viele Plätze frei“, sagte Müller im Gespräch mit unserem Medienhaus. „Wir hoffen, dass sich hier noch junge Leute engagieren.“ Denn ein Ausbildungsplatz sei ein Sprungbrett in ein gutes Leben.

Silke Auer, Leiterin der Geschäftsstelle Neumarkt der IHK für Oberpfalz/Kelheim bestätigt, was die Zahlen andeuten: „Es wird zunehmend schwierig für Betriebe, die Ausbildungsplätze besetzt zu bekommen.“ Vor allem im technischen Bereich seien die Bewerberzahlen nicht gut. „Im kaufmännischen Sektor gibt es noch eher Nachwuchs.“ Was hingegen technische oder handwerkliche Berufe anbelangt, hätten junge Menschen nicht selten Berührungsängste.

Hier finden Sie weitere Informationen:

Zahlen

  • Ausbildungsmarkt:

    Die Arbeitgeber des Agenturbezirks Neumarkt haben 1408 Berufsausbildungsstellen gemeldet. Das sind 101 Angebote oder 7,7 Prozent mehr als im August 2016.

  • Bewerbungen:

    Darauf haben sich insgesamt 1058 junge Menschen beworben. Das sind zehn Personen oder 0,9 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

  • IHK:

    Die IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim registriert über 4000 neue Ausbildungsverträge. Rund 450 Stellen blieben laut einem Bericht bei den Mitgliedsunternehmen zu Beginn des Ausbildungsjahres dennoch offen.

  • Branchen:

    Der Bewerbermangel trifft vor allem die Bereiche Lager/Logistik, Dienstleistungen, Handel, Hotel und Gastronomie.

Dass im Handwerk noch viele Ausbildungsplätze vakant sind, das bekräftigt auch Sebastian Meckl, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Neumarkt. „Der Bedarf der Betriebe kann definitiv nicht gedeckt werden“, sagt Meckl. Der Mangel an Bewerbern ziehe sich querbeet durch alle Branchen. Besonders Lebensmittelbetriebe wie Bäcker oder Metzger litten unter zu wenigen Bewerbungen. „Hier sind für viele die Arbeitszeiten oft nicht sehr attraktiv.“ Aber auch auf dem Bau gebe es „einen riesengroßen Bedarf“. In diesen Bereichen seien Kurzentschlossene auch immer noch sehr willkommen.

Hier sehen Sie die Arbeitslosenzahlen im Agenturbezirk Regensburg:

Sowohl Meckl als auch Auer sehen größere Firmen deutlich im Vorteil gegenüber kleineren Betrieben. „Große Unternehmen sind oft bereits eine eigene, auch überregional bekannte Marke“, sagt Meckl. Das führe auch automatisch zu einer größeren Anzahl an Bewerbungen. Auer ergänzt: „Abseits der Ausbildung können große Firmen einen Mehrwert anbieten.“ Tage der offenen Tür oder auch Gadgets wie ein Firmenhandy – das können kleine Unternehmen nur in den seltensten Fällen liefern.

Lesen Sie auch: Die Sommerflaute merkt sich am Arbeitsmarkt bemerkbar – die Zahl der Arbeitslosen ist in Neumarkt und im gesamten Bezirk leicht gestiegen.

Duale Ausbildung fördern

Doch wie lässt sich die Situation verbessern? Meckl fordert, dass die duale Ausbildung und auch das Handwerk stärker gefördert werden sollten. „Es ist zwar richtig, viel Geld für die Unis auszugeben. Doch man darf auch die berufliche Bildung nicht vergessen.“ Auer gibt zu: „Eine Patentlösung gibt es meiner Meinung nach nicht.“ Ansätze könnten veränderte Arbeitszeitmodelle und eine Erhöhung der Frauenquote in technischen Berufen sein. Auch durch die Zuwanderung könnten sich neue Chancen ergeben. „Dies erachte ich aber eher als eine mittel- oder langfristige Möglichkeit.“

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