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Vier Gemeinden mit einem Ziel

Das kommunale Bündnis Chamb-Regen lässt Chamerau, Arnschwang, Weiding und Runding näher zusammenrücken und gemeinsam handeln.
Von Stefan Weber

Die Mitglieder aller vier Gemeinderäte sowie Mitarbeiter der Verwaltung trafen sich zur feierlichen Unterzeichnung der Zweck-Vereinbarung, die in dieser Form im Landkreis einmalig ist. Fotos: S. Weber
Die Mitglieder aller vier Gemeinderäte sowie Mitarbeiter der Verwaltung trafen sich zur feierlichen Unterzeichnung der Zweck-Vereinbarung, die in dieser Form im Landkreis einmalig ist. Fotos: S. Weber

Chamerau.Es ist schon etwas Besonderes, wenn sich die Bürgermeister und die Mitglieder von vier Gemeinderäten treffen. So geschehen am Donnerstagabend im Bürgerhaus in Chamerau. Anlass war die feierliche Unterzeichnung des kommunalen Bündnisses Chamb-Regen, an dem die Gemeinden Arnschwang, Chamerau, Runding und Weiding beteiligt sind.

„Miteinander sind wir stark“, sagte Chameraus Bürgermeister Stefan Baumgartner als Hausherr zur Begrüßung. Rund zwei Jahre haben die Vorarbeiten zu dieser interkommunalen Zusammenarbeit gedauert, die in ihrer Form „so in ganz Bayern fast nicht zu finden ist“, wie es Sven Schmuderer, der Moderator des Abends und Berater des Bündnisses, ausdrückte.

90 000 Euro als Förderung

Die Bürgermeister Stefan Baumgartner, Franz Piendl, Michael Multerer und Daniel Paul (vordere Reihe v.l.) unterzeichneten die Vereinbarung. Teresa Meyer vom Amt für Ländliche Entwicklung, Landrat Franz Löffler, Ludwig Scheurerer von der Regierung und Berater Sven Schmuderer (v.l.) freuten sich mit.
Die Bürgermeister Stefan Baumgartner, Franz Piendl, Michael Multerer und Daniel Paul (vordere Reihe v.l.) unterzeichneten die Vereinbarung. Teresa Meyer vom Amt für Ländliche Entwicklung, Landrat Franz Löffler, Ludwig Scheurerer von der Regierung und Berater Sven Schmuderer (v.l.) freuten sich mit.

Schmuderer blickte zurück auf die Entstehungsgeschichte des Bündnisses, mit dem die vier Gemeinden nun etwa gemeinsam Fahrzeuge für ihre Bauhöfe anschaffen und auch einen Bauhof-Mitarbeiter gemeinsam beschäftigen. Bei einem Seminar in Regen hatten die Bürgermeister erstmals die Idee dazu gefasst, und der Rundinger Sven Schmuderer, der als Mitarbeiter am Landratsamt in Cham damals ein Zusatzstudium gemacht hat.

Seine Abschluss-Arbeit beschäftigte sich eingehend mit dem Thema der Zusammenarbeit von Kommunen, und so wurde er zum Berater und Koordinator für dieses Bündnis. Es biete nicht nur die Möglichkeit für die Gemeinden, Geld zu sparen, sondern eröffnete auch den Zugang zu Fördermitteln. So hatte Ludwig Scheuerer, bei der Regierung der Oberpfalz zuständig für kommunale Bündnisse, auch gleich die erste Hälfte der Fördermittel mit einem Gesamtvolumen von 90 000 Euro für das Chamb-Regen-Projekt dabei.

„Es ist wichtig, dass die Identität jeder einzelnen Gemeinde gewahrt bleibt.“

Franz Löffler, Landrat

Gemeinsam mit dem Landratsamt Cham hatte Scheuerer auch die rechtlichen Grundlagen dafür ausgearbeitet. Einen der wichtigsten Punkte dabei brachte Landrat Franz Löffler auf den Punkt: „Es ist wichtig, dass die Identität jeder einzelnen Gemeinde gewahrt bleibt.“ Synergie-Effekte gemeinsam nutzen ja, aber das hohe Gut der kommunalen Selbstverwaltung dabei nicht aus den Augen verlieren. Personal gemeinsam nutzen, nur noch ein teures Arbeitsgerät für vier Gemeinden kaufen, ein Leerstands-Management, das vier Gemeinden mit einbezieht, oder die Ferien-Betreuung nicht jeder für sich, sondern alle vier Gemeinden gemeinsam auf die Beine stellen, das seien Dinge, die er sich sehr gut vorstellen könne. Ein System, wie es bei den gemeinsam agierenden Tourismus-Verbänden heute schon sehr gut funktioniere. Die Übereinkunft werde in Form einer Zweck-Vereinbarung getroffen, und nicht als Zweck-Verband, da dieser aufwendiger und teurer zu führen sei.

Gemeinsam mehr erreichen

Teresa Meyer vom Amt für Ländliche Entwicklung unterstrich ihrerseits, wie wichtig die Eigenständigkeit jeder einzelnen Gemeinde sei. „Das Ziel hier ist eine zukunftsorientierte Region, die Ziele gemeinsam umsetzt, die alleine nicht durchführbar wären.“ Wichtig seien gemeinsame Interessen, sich auf Schwerpunkte zu konzentrieren, Veränderungen zuzulassen, Fördergelder entsprechend der Maßnahmen zu suchen und sich regelmäßig zu fragen, wo das Bündnis steht.

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Sven Schmuderer gab deshalb auch einen Ausblick darauf, was die kommenden fünf Jahre bringen könnten. Dieses Jahr werde mit der Kooperation im Bereich Bauhof begonnen. Kommendes Jahr soll zum einen das Erreichte verfestigt werden, aber auch die Teilnahme an innovativen Projekten wäre möglich. 2019 jedenfalls soll die Zusammenarbeit ausgeweitet werden – in der Verwaltung würden sich etwa Standesamt- oder Archivwesen anbieten. 2020 soll wieder der Vertiefung dienen, während 2121 die Kooperation weiter ausgeweitet werden soll.

Bislang belaufen sich die Kosten für das Bündnis auf rund 140 000 Euro. Darin enthalten ist die Anschaffung eines Mehrzweck-Fahrzeuges (67 000 Euro), der Lohn für gemeinsames Personal für zwei Jahre (62 000 Euro) und die Kosten für Planung und Koordination (11 000 Euro). Nach der Förderung verbleibt ein Eigenanteil von rund 50 000 Euro, was pro Gemeinde etwa 12 500 Euro entspricht.

Geld, das gut angelegt ist, wie Michael Multerer als Sprecher des Bündnisses zum Abschluss betonte. „Es ging heute nicht um ein Papier oder die Förderung“, sagte er; „Es steht ein Wille dahinter, sich für die Zukunft zu rüsten.“

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