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Von guten und bösen Dieselfahrzeugen

Von Fahrverboten für Dieselautos ist man in Neumarkt weit entfernt. Die Diskussion darüber ist aber auch hier zu spüren.
von Wolfgang Endlein

Im Landkreis Neumarkt kommen aus den Auspuffen von rund 32 000 Dieselautos Abgase. Foto: Rumpenhorst
Im Landkreis Neumarkt kommen aus den Auspuffen von rund 32 000 Dieselautos Abgase. Foto: Rumpenhorst

Neumarkt.„Es gibt böse und es gibt gute Diesel“, sagt Max Partl vom gleichnamigen Neumarkter Autohaus. In der aktuellen Diskussion um Dieselmotoren werde nicht genügend differenziert, findet Partl. „Es werden alle über einen Kamm geschert.“

Ob differenziert oder nicht, fest steht, dass Deutschland über Dieselfahrzeuge diskutiert. Erst am Donnerstag traf sich Ministerpräsident Horst Seehofer mit Bürgermeistern, um über die Luftbelastung durch Dieselfahrzeuge zu sprechen. Das Ziel der Staatsregierung: Fahrverbote für Dieselfahrzeuge, wie sie es in Stuttgart ab 2018 für Fahrzeuge unterhalb der Schadstoffnorm Euro 6 geben soll, abzuwenden.

Neumarkt ist nicht Stuttgart oder München, das mit neuen die Grenzwerte sprengenden Werten bei Stickoxid und Feinstaub aufwartete und nun auch gerichtlich ermahnt wurde, etwas dagegen zu tun. Aber auch in Neumarkt stoßen Dieselfahrzeuge Schadstoffe aus. Laut Kraftfahrt-Bundesamt waren zu Jahresbeginn rund 32 000 im Landkreis zugelassen, rund 27 000 ohne Euro-6-Norm. Wie genau die Abgaswerte in Neumarkt sind, lässt sich aber nicht ganz genau sagen – es gibt hier keine eigene Messstation.

Über die Luftqualität in Neumarkt berichtete unser Medienhaus bereits umfangreich. Den dazugehörigen Artikel finden Sie hier.

Zur Abschätzung der Belastung in Neumarkt können laut Landesamt für Umweltschutz (LfU) Stationen mit vergleichbarer Standortcharakteristik herangezogen werden. So sind laut LfU für die Belastung im direkten Umfeld stark befahrener Straßen in innerstädtisch schlecht durchlüfteten Bereichen Messstationen in Ingolstadt, Kelheim, Bayreuth und Ansbach zum Vergleich geeignet.

Für Asthmatiker problematisch

Schaut man sich deren Daten seit Jahresbeginn an, zeigt sich, dass an keinem Tag Überschreitungen des Grenzwertes für Stickstoffdioxid vorliegen. Der Stoff sei vor allem für Asthmatiker problematisch, hat das Umweltbundesamt festgestellt. Alles ist dennoch nicht im grünen Bereich, wie der Blick auf die Feinstaubbelastung zeigt. Alle Stationen haben bislang im Bereich von elf bis 15 Tagen den Grenzwert überschritten. EU-weite Grenzwerte sehen ein Maximum von 35 Tagen pro Jahr vor.

Was sich hinter Stickstoffoxiden verbirgt, erklärt dieses Video des Umweltbundesamtes:

Fahrverbote in Neumarkt sind nichtsdestotrotz wohl so weit entfernt, wie die Einwohnerzahl der Großen Kreisstadt von jener der Landeshauptstadt. Dennoch sind die Auswirkungen der Diskussionen um Dieselfahrzeuge und Fahrverbote auch in Neumarkt zu spüren.

In München diskutiert man über ein Fahrverbot (mehr dazu in diesem Artikel) und hat damit eine Diskussion auch in Regensburg angestoßen, wie dieser MZ-Artikel berichtet.

„Wir spüren das Thema“, sagt Max Partl, nicht zuletzt mit einem Blick auf Nürnberg, wo sich aber die Stadtspitze in der Vergangenheit gegen Fahrverbote ausgesprochen hat. Partl spricht offen über die Herausforderungen der aktuellen Diesel-Diskussion. Viele seiner Autohändlerkollegen in der Region halten sich hingegen lieber bedeckt oder sagen gar nichts. Das Thema Diesel war schon zu häufig in den Medien. Damit in einem Atemzug genannt zu werden, erscheint offenbar nicht förderlich.

Das Problem mit dem Kamm

Hat der Diesel also ein Image-Problem? „Natürlich“, sagt Partl, der das aber unberechtigt findet: in Bezug auf sein Autohaus und auf den Dieselantrieb insgesamt. Einige schwarze Schafe unter den Automobilherstellern hätten mit ihren Manipulationen dafür gesorgt, „dass alle über einen Kamm geschoren werden“. Aus Partls Sicht ist der Diesel moderner Prägung nicht an sich das Problem.

Mehr zum Diesel-Gipfel mit Ministerpräsident Horst Seehofer lesen Sie in diesem Artikel.

Vorbehalte gegen Dieselfahrzeuge nehmen aber offenbar trotzdem zu unter den Kunden. „Die Verunsicherung ist da“, berichtet Partl. Es sei ein größerer Beratungsaufwand notwendig. Wenn er überhaupt notwendig ist und die potenziellen Kunden nicht vorerst zu Hause bleiben. Nicht zuletzt seit der ADAC dazu geraten hat, den Kauf eines Dieselautos auf den Herbst zu verschieben, wenn die Fahrzeuge mit dem neuen Standard Euro 6d auf den Markt kommen.

Auf dem Gebrauchtwagenmarkt hat eine Marktstudie der Deutschen Automobil Treuhand eine solche Entwicklung bereits festgestellt. Demnach zögert jeder Vierte seinen Kauf hinaus. Die DAT sieht den Gebrauchtwagenmarkt aber weiterhin als stabil an, wie auch Max Partl von seinem Autohaus („Gebrauchtwagen sind bei uns ein großes Thema.“) nichts Gegenteiliges berichten kann. Laut DAT ist im Markt noch kein dramatischer Wertverlust zu beobachten.

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