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Wähler fühlten Kandidaten auf den Zahn

Sprache, Gesellschaft, Zukunftsthemen: Die Anwärter für ein Bundestagsmandat sagten in unserem Medienhaus, wofür sie stehen.
von Heike Haala, MZ

Vor knapp einhundert Gästen diskutierten die Regensburger Direktkandidaten auf dem Podium in unserem Verlagsgebäude. Foto: Lex
Vor knapp einhundert Gästen diskutierten die Regensburger Direktkandidaten auf dem Podium in unserem Verlagsgebäude. Foto: Lex

Regensburg.Für welche Themen stehen die Kandidaten für ein Mandat im Bundestag aus der Regensburger Region? Wie begegnen sie Phänomenen wie Politikverdrossenheit und Populismus? Und wie sieht eine lebenswerte Gesellschaft in ihren Augen aus? Diesen Fragen stellten sich am Montagabend Peter Aumer (CSU), Dr. Tobias Hammerl (SPD), Irmgard Freihoffer (Linke), Ulrich Lechte (FDP), Stefan Schmidt (Grüne) und Tobias Gotthardt (Freie Wähler) in unserem Medienhaus. Newsdeskleiter Dr. Christian Kucznierz leitete die Diskussion mit den Bundestags-Kandidaten auf Einladung des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB).

Die Besucher der Debatte sollten sich auf diese Weise ein Bild davon machen, für was die Parteien stehen, sagte Karin Schlecht, Diözesanvorsitzende beim KDFB, vor der Debatte. Die gliederte sich in drei Themenblöcke. Das waren die Sprache und die Wortwahl in der Politik, die Gestaltung einer lebenswerten Gesellschaft sowie die Zukunftsthemen der Parteien. Zwischen den Themenblöcken unterhielten „Die Weibsbilder“ Romy Börner, Su Frisch und Carolin Juretschka die Gäste. Sie wurden am Klavier von Thomas Basy begleitet.

Eine Bildergalerie von der Podiumsdiskussion finden Sie hier:

Regensburger Bundestagskandidaten stellen sich vor

Die Macht der Worte

Schnell entspann sich eine Debatte um die Auswirkungen des immer lauter werdenden Populismus auf die Gesellschaft und die Politik. Aumer sprach sich für eine klare und verständliche Rede aus, mit der Politiker die Wähler erreichen könnten, ohne dabei in Populismus zu verfallen. Gotthardt sagte, dass gerade vernünftige Stimmen in solchen Zeiten wieder auffallen und das Gehör des Wählers finden könnten. „Auch etabliere Parteien sind nicht frei von Populismus“, warnte dagegen Freihoffer. Hammerl brachte eine gute und pointierte Sprache ins Spiel, die helfen könnte, die Wähler zu erreichen. Dem entgegnete Schmidt, dass eine pointierte Sprache und Populismus nahe beieinander lägen. Es gehe darum, den Wählern Antworten zu geben. „Die Menschen müssen wissen, worum es geht“, pflichtete Lechte bei.

Im Folgenden sprachen die Politiker über das Thema Leitkultur. Für Aumer sind das Dinge, die die Gesellschaft zusammenhalten. Etwa Vereinsmitglieder bei der Feuerwehr, die sich gemeinsam für die Beschaffung eines neuen Feuerwehrautos einsetzen. Die anderen Kandidaten dagegen konnten mit diesem Begriff nicht viel anfangen. Gotthardt sagte, dass sowieso niemand erklären könne, was mit „Leitkultur“ gemeint sei. Schmidt sprach in diesem Zusammenhang von einem „nebulösen Begriff“, den er mit Populismus gleichsetzte und der von den eigentlichen Problemen ablenke. Freihoffer und Hammerl wehrten sich gegen die Fixierung der Leitkultur. Lechte ergänzte: „Es ist schön, hier zu leben.“ Es brauche mehr Mut in der Gesellschaft, um diese Chancen besser zu nutzen.

Wie nahe die einzelnen Parteien beieinanderliegen wurde auch während des letzten Teils der Debatte deutlich. Die Kandidaten sollten jeweils drei große Zukunftsthemen nennen, die ihnen besonders am Herzen liegen. Aumer, Gotthardt und Hammerl sprachen bei dieser Gelegenheit die Rente als drängendes Problem an. Hammerl und Aumer waren sich auch noch bei zwei weiteren Themen einig. Beide plädierten für ein „starkes Europa“. Zudem sprachen sie das Thema Mobilität an. Schmidt und Freihoffer dagegen wollen den Fokus auf den ökologischen Umbau und den Klimaschutz richten. Schmidt und Lechte legten Wert auf das Thema Weltoffenheit, die in Deutschland unbedingt erhalten bleiben müsse. Schmidt will deswegen klären, woher die Extreme kommen.

Hammerl und die CSU

Nach der Debatte stellten die Gäste ihre Fragen. Sie wollten etwa von den Politikern wissen, welche Antworten sie auf den demographischen Wandel in der Tasche haben oder wie sie Jugendliche an die Wahlurne bringen wollen. Besucher Richard Daum fühlte während dieser Fragerunde dem SPD-Kandidaten Hammerl auf den Zahn. Er hatte einen Artikel aus unserer Zeitung dabei, den wir nach dem Politischen Aschermittwoch der Regensburger SPD veröffentlichten. Dieser Artikel handelt von der verbalen Abrechnung des Hauptredners Hammerl mit der CSU. Daum warf Hammerl vor, die CSU als Misthaufen beschimpft zu haben. Er solle sich für diese Fäkalsprache schämen. Wegen dieser Aussagen bezweifelte Daum, dass Hammerl sittlich und moralisch zum Abgeordneten tauge. Hammerl stritt ab, die CSU als Misthaufen bezeichnet zu haben. Er habe beim politischen Aschermittwoch gesagt: „Auf dem kommunalpolitischen CSU-Misthaufen wuchern viele absonderliche Blüten und Gewächse.“ Wenn etwas anderes in der Zeitung geschrieben worden sei, wäre er falsch zitiert worden. In unserer Berichterstattung über den besagten Aschermittwoch war das Zitat allerdings korrekt wiedergegeben worden. Hammerl steht zu seiner Aussage. Nachdem ein User den Auftritt Hammerls auf dessen Facebookseite kritisierte, antwortete der SPD-Kandidat noch: „Der Politische Aschermittwoch ist eine Inszenierung. Er dient der Selbstvergewisserung der eigenen Partei und der Abgrenzung von den politischen Mitbewerbern. Und deshalb gilt an diesem Tag: Immer fest druff!“

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