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Wahlkampf: Warten auf Polit-Stars

Im August gab es kaum Infostände in der Regensburger Altstadt. Die Kandidaten beteuern: Die heiße Phase kommt noch.
Von Julia Ried, MZ

Die Parteien haben fleißig plakatiert. Doch in der Altstadt ließen sich die Regensburger Kandidaten im August kaum blicken. Fotos: Tino Lex/dpa
Die Parteien haben fleißig plakatiert. Doch in der Altstadt ließen sich die Regensburger Kandidaten im August kaum blicken. Fotos: Tino Lex/dpa

Regensburg.In drei Wochen ist Bundestagswahl. Doch in der Innenstadt ist davon kaum etwas zu sehen. Die 20-jährige Sandra Kiendl, die dreimal in der Woche auf dem Neupfarrplatz Eis verkauft, sagt: „Ich hab hier vom Wahlkampf gar nichts mitgekriegt. So kann man wahrscheinlich keine Leute motivieren, zur Wahl zu gehen.“ Benedikt Eibl (24), der mit einem Freund über den Platz schlendert, erzählt, er hätte bisher in der Stadt nur zwei Infostände gesehen. „Mir kommt es vor, als es wäre es ihnen recht wurscht“, sagt er über die Wahlwerbung der Parteien.

Gerade die Vertreter der beiden großen Parteien ließen sich im August kaum im Stadtkern blicken. SPD-Direktkandidat Dr. Tobias Hammerl, der auf Facebook per Video mit potenziellen Wählern chattet, wies auf der Seite nur auf einen Altstadt-Infostand im August hin: Er war Ende des Monats am Arnulfsplatz präsent. CSU-Direktkandidat Peter Aumer machte kürzlich mit der „Badetour“ der Jungen Union vor dem RT-Bad Station und mit dem Ring Christlich-Demokratischer Studenten auf dem Neupfarrplatz.

Auf keinen Fall machten sie weniger Wahlkampf als früher üblich, beteuern Hammerl und Aumer wie die Kandidaten der anderen Parteien, eher mehr: Weil sie stärker auf Online-Wahlkampf setzten und es mehr Formate gebe. Viele Initiativen und Vereine laden die Politiker ein; Podiumsdiskussionen liegen ebenso im Trend.

Diskussionen sind im Trend

Aumer unterhält sich bei „Aumer im Dialog“ vor allem mit Bundes- und Landespolitikern, bisher nur im Landkreis. Auch seine Haustürwahlkampf-Teams sind verstärkt dort unterwegs. „Das heißt nicht, dass sich der Infostand erledigt hätte“, versichert er. Auf die Straße gehe es eher im Endspurt. „Je näher der Wahltermin rückt, desto mehr Infostände wird es geben“, sagt er. Mehrere Altstadt-Termine stünden schon. Sein prominentester Gast kommt am 18. September, dann soll Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Domplatz sprechen.

Auch Hammerl von der SPD verspricht: „Wir werden in den letzten drei Wochen noch stärker in der Innenstadt präsent sein.“ Schon seit Ende Juni habe er samstags an Ständen multifunktionelle Flaschenöffner verteilt – abwechselnd im Landkreis und in der Stadt. Auch will er in den Wochen vor der Wahl an Haustüren potenzieller Wähler klingeln. Dem Zufall überlässt er dabei wenig. „Wir haben eine Datengrundlage, die uns sagt, wo es ein höheres Potenzial von SPD-Wählern gibt, die eher wenig zur Wahl gehen.“ Die gelte es, zu mobilisieren. Dabei soll ihm Kanzlerkandidat Martin Schulz helfen, der am 8. September auf der Dult erwartet wird.

Grünen-Kandidat Stefan Schmidt dagegen sagt: Noch seien die Regensburger Grünen als Straßenwahlkämpfer so aktiv wie bisher. „Ob man das in Zukunft noch so macht, weiß ich nicht. Die Informationsmöglichkeiten sind andere geworden.“ Richard Spieß von der Linken setzt zwar weiter auf Infostände, sagt aber: „Die von Touristen überlaufene Altstadt ist wirklich nicht das Beste für Gespräche.“ FDP-Direktkandidat Ulrich Lechte, der auch im August regelmäßig auf Plätzen in der Innenstadt um Stimmen warb, ist sich sicher: „Aufgrund der Tatsache, dass man vonseiten der Union versucht, den Wahlkampf so klein wie möglich zu halten, und Schulz sich an Merkel abrackert, entsteht der Eindruck, dass es kaum Wahlkampf gibt.“ Er kündigt an: „Richtig heiß wird es in der vorletzten Wahlwoche.“

Immer mehr „Spätentscheider“

Dr. Philip Baugut, Kommunikationswissenschaftler an der Ludwig-Maximilians-Universität München, erklärt: „Wenn immer mehr Wähler sogenannte Spätentscheider sind, ist es sinnvoll, die Ressourcen auf den Wahlkampf-Endspurt zu konzentrieren. Dabei geht es zunehmend um maßgeschneiderte Botschaften an Stammwähler und potenzielle Wechselwähler.“ Über Facebook und an der Haustür werde versucht, bestimmte Gruppen gezielt anzusprechen. Er sagt: „Der klassische Stand in der Fußgängerzone fällt nicht weg, weil die Kandidaten damit für ein breites Wählerspektrum sichtbar sind.“

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