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Gabeln galten als affig - die Geschichte des Bestecks

Von Katharina Heimeier, dpa

Löffel aus dem alten Rom: der hintere ist aus Ton, der vordere aus Knochen.

.Schmatz, schlürf: Heute gilt es als unhöflich, wenn man beim Essen Geräusche macht. Aber früher fanden die Menschen das normal. Sie schmatzten, rülpsten und furzten beim Essen.

Und auch sonst ging es am Tisch ganz anders zu als heute. Für jeden einen eigenen Teller? Denkste! In ärmeren Familien gab man den Topf mit Suppe oft einfach weiter und jeder schlürfte daraus. Und Besteck? Manchmal hatte man einfache Holzlöffel. Aber oft schaufelte man sich das Essen einfach mit den Fingern in den Mund. Gabeln etwa galten lange Zeit als affig und albern.

Das änderte sich erst so vor einigen hundert Jahren langsam. Da fingen die vornehmen Leute an, Gabeln zu benutzen. «Es gab dann kleine Gabeln, mit denen man sich Früchte zum Nachtisch aufspießen und in den Mund stecken konnte», sagt Vera Thiel. Sie ist 54 Jahre alt und arbeitet im Deutschen Klingenmuseum in Solingen. Sie kennt sich gut mit der Geschichte von Gabel, Messer und Löffel aus. Und sie weiß: Besteck gibt es zwar schon sehr lange - aber nicht unbedingt zum Essen.

Messer zum Beispiel gehören zu den ältesten Werkzeugen des Menschen. Schon in der Steinzeit vor vielen, vielen tausend Jahren machten sich die Menschen aus Stein scharfe, messerartige Geräte. Klar, denn sie mussten ihre Beute ja irgendwie jagen und zerlegen. Löffel gibt es auch schon sehr lange. In der Antike, also vor ungefähr 2000 Jahren bei den Griechen und Römern, wurden sie zum Beispiel aus Ton geformt oder aus harten Knochen von Tieren geschnitzt. «Löffel aus Knochen waren sehr haltbar», sagt die Expertin. Aber: Man benutzte Messer und Löffel damals eher in der Küche, um das Essen vorzubereiten. Bei Tisch wurde mit den Fingern gegessen.

Die vornehmen Römer zum Beispiel lagen beim Essen auf niedrigen Bänken und ließen sich die Speisen mundgerecht reichen. Was für ein Service! Damals gab es übrigens auch schon Taschenmesser zum Einklappen. «Man war viel unterwegs und brauchte deshalb Geräte zum Einklappen», sagt Vera Thiel. Das war auch Hunderte von Jahren später so. Im Mittelalter etwa brachten die Gäste ihr Besteck in Herbergen oder Gasthäuser selbst mit. Weil die Gasthäuser gar nicht genug davon hatten und auch weil die Sauberkeit dort zu wünschen übrig ließ. Deshalb hatten die Leute auf Reisen eigene Messer und Löffel dabei. Und weil das Besteck wenig Platz wegnehmen sollte, konnte man es oft zusammenklappen oder auseinander schrauben.

Das Klapp-Besteck wurde oft in kleinen Etuis aus Leder transportiert, die man an Bändern oder Ketten am Körper hängen hatte. Viele Bauern und Bürger trugen ihre Messer und Löffel auch einfach am Gürtel. Sogar bei Einladungen an fürstlichen Höfen brachten die Gäste um das Jahr 1500 noch eigenes Besteck mit. Heute kann man sich das kaum noch vorstellen. Da liegen in edlen Restaurants zum Teil drei Gabeln, Messer und Löffel neben dem Teller - für jeden Gang ein Set.

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