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Buntes

Wirbel um längsten Leberkäse der Welt

In Ulm backen Fleischer einen 161,53 Meter langen Fleischkäse – ein fetter Weltrekord. Doch Tierschützer sind empört.

Fleischer bereiten in Ulm einen Riesen-Leberkäse zu. Fotot: Stefan Puchner/epa Foto: Stefan puchner
Fleischer bereiten in Ulm einen Riesen-Leberkäse zu. Fotot: Stefan Puchner/epa Foto: Stefan puchner

Ulm.Peter Hornung bleibt ganz ernst und konzentriert. Er blickt durch seinen elektrooptischen Distanzmesser und notiert sich Werte des Bräters. „Wir müssen das ja dokumentieren“, erklärt er trocken. Hornung nimmt Koordinaten und tippt sie in seinen Taschenrechner ein. Er arbeitet als Vermessungstechniker der Stadt Ulm, für gewöhnlich vermisst er Bauplätze, Grundstücksgrenzen und Pegelstände. Heute misst er einen Leberkäse, den wohl längsten der Welt. Für Hornung macht das kaum einen Unterschied. „Das ist zwar nicht mein Berufsbild“, sagt er. „Aber messen tun wir alles.“

Es ist 10.13 Uhr am Sonntag an der Stadtmauer auf der Donauwiese in Ulm, das Brät backt bereits seit zwei Stunden im Ofen. Die heiße Luft flimmert über der Metallrinne, in der die weißliche Brühwurst im Wasserbad liegt. Es blubbert und dampft. „Er kommt so langsam hoch“, sagt Raimund Hörmann von der Fleischerinnung Ulm-Alb-Donau. Hörmann will sich mit dem kuriosen Weltrekord im Guinness-Buch verewigen. 161,53 Meter lang soll sein Leberkäse werden, so lang wie das Ulmer Münster mit dem höchsten Kirchturm der Welt hoch ist.

Den Rekord geknackt

Der Zeltbauer Marcus Pscheidl hat gemeinsam mit der Uni Ulm einen gigantischen Ofen aus 4,5 Tonnen Blech gebaut. Es riecht nach Gewürzen, und auch ein wenig nach Gas. 66 Gastanks erhitzen das Wasser. Der 165 Meter lange Bräter ist um eine Ecke gebaut, weil die Fläche am Donauufer nicht ausreichte. Der bisherige Leberkäs-Rekord aus dem bayerischen Zwiesel liege bei 100,2 Meter, berichtet Hörmann. Um ihn zu knacken, haben die Ulmer Metzger bereits frühmorgens 1,5 Tonnen Fleischkäse in den Ofen gefüllt. Rind, Schwein, Speck, Salz, Wasser, ohne Geschmacksverstärker, berichtet Hörmann. Nur seine Gewürzmischung will er nicht preisgeben. Hunderte Besucher beobachten das Schauspiel, blicken hungrig auf die Brühwurst, machen Selfies.

Am Ende ist die schlauchförmige Rekordmahlzeit aus Ulm sogar zu lang. 164,84 Meter misst Hornung, so lang wie der Ofen. Damit die Länge dem Ulmer Münster entspricht, schneiden die Fleischer am Ende wieder etwas ab. Um 11.16 Uhr wird dann feierlich das Ergebnis verkündet. „Zwei Männer hatten einen Traum vom Fleisch“, beginnt die Radiomoderatorin auf der Bühne ihre Ansprache. Hörmann und Pscheidl hüpfen auf die Bühne, umarmen sich, die Coverband stimmt „We Are The Champions“ an. Dann wollen sie 13 000 Portionen verkaufen, 2,50 Euro pro Semmel, der Erlös soll ans Münster gehen. 4000 Semmeln stehen bereit, 100 Kilo Senf, 100 Kilo Ketchup. „Das ist ehrgeizig, hat eine hohe Symbolkraft. Das ist Handwerkskunst“, lobt der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch (CDU), der den Käs anschneiden und gleich probieren darf.

Sehen Sie hier ein Video vom Weltrekordversuch:

Vegetarierbund ist sauer

„Die Schweine müssen den Kopf hinhalten, damit der Mensch die technischen Möglichkeiten ausreizen kann“, beschwert sich der Spediteur Markus Barth. Er steht wenige Hundert Meter weiter in der Innenstadt, neben einem sogenannten Grunzmobil, das über Massentierhaltung aufklärt. Barth gehört zum Vegetarierbund Laupheim-Schwendi. Der hat zu einer Gegenveranstaltung aufgerufen, mit Live-Musik und Buffet, es gibt veganen Döner, vegane Bratwurst und, ja richtig, veganen Leberkäse, aus Soja und Seitan, das meist aus Weizen hergestellt wird. Junge Leute in Schweinskostümen verteilen grüne Ballons mit der Aufschrift: „Tiere sind meine Freunde und meine Freunde ess ich nicht.“

Die Veganer-Demo ist den Fleischern am Donauufer eher wurst. „Wir waren früher Jäger und Sammler, wir ernähren uns halt von Fleisch“, findet Hörmann. Er esse als Metzger selbst jeden Morgen zwei Karotten, erzählt er in versöhnlichem Ton, nur um hinzuzufügen, dass ihm mittags aber gern mal ein Schnitzel schmeckt. Am Ende bleibt nur unklar, wie viele Tiere wirklich dran glauben mussten für den längsten Leberkäse der Welt. 65 Schweine, hat sich Tierschützer Barth zusammengerechnet. Hörmann hingegen berichtet von 10 Schweinen und einem Rind. „Die können vielleicht nicht rechnen“, meint Hörmann. „Oder sie haben keine Ahnung von Fleisch.“

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