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Aus altem Papier wird die neue MZ

Die Klasse M8d aus Neumarkt wollte wissen, was der Rohstoff für eine moderne Tageszeitung ist: Die Firma Palm zeigte es ihr.
Von der Klasse M8d, Ihrem Lehrer Christian Härtl und MZ-Redakteur Lothar Röhrl

Julia, Marlena und Laura (von links) befördern gleich je ein Tagblatt/MZ-Exemplar in einen der blauen Container, die ihre Schule für das Sammeln von Altpapier bereithält.
Julia, Marlena und Laura (von links) befördern gleich je ein Tagblatt/MZ-Exemplar in einen der blauen Container, die ihre Schule für das Sammeln von Altpapier bereithält. Foto: Lothar Röhrl

Neumarkt.Für jedes Handy werden „seltene Erden“ gebraucht. Deren Gewinnung sorgt für viel Raubbau an der Natur und somit Umweltzerstörung. Wie nachhaltig ist dagegen Zeitungsdruckpapier! Zu 100 Prozent besteht etwa jede Ausgabe des Neumarkter Tagblatts/Mittelbayerische Zeitung aus Altpapier. Ein Spezialist bei der Herstellung ist die Firma Palm mit Sitz im schwäbischen Aalen. Der Mittelbayerische Verlag ist einer ihrer Kunden. Die Klasse M8d der Mittelschule an der Weinbergerstraße genoss die Ehre, mehr über die Herstellung von Zeitungsdruckpapier zu erfahren.

Dazu bekam sie Besuch von Volker Kraus, dem Verkaufsleiter der Palm GmbH & Co. KG. Dabei ging es nicht zuletzt auch darum, wie sehr Wiederverwendung bei der Schonung natürlicher Ressourcen wie Wald heutzutage eine Rolle spielt. Gerade beim Zeitungsdruckpapier zeigt es sich, welch eine große Qualität Recycling-Produkte mittlerweile haben können. Ausgesuchtes und sortenreines Altpapier kann mittlerweile fünf- bis siebenmal für die Produktion von neuem Zeitungsdruckpapier verwendet werden.

Volker Kraus berichtete der Klasse, dass seine Firma für diesen Fortschritt viel Forschung betrieben habe. Nicht zuletzt werde das bei Palm durch viele Schulungen der Mitarbeiter abgesichert. „Ressourcenschonende Produktion“ ist der Oberbegriff. Richtig gut zu merken ist diese Übersetzung durch das Motto des Vortrages in der Klasse „Zeitung von morgen aus dem Papier von gestern“. Wer seine blaue Papiertonne kräftig mit alten Zeitungen füttert, der sorgt letztendlich für die Papierrollen, mit denen jede Ausgabe der Mittelbayerischen Zeitung gedruckt wird.

Wiederverwertung ist Trumpf

Die M8d nahm am „Klasse informiert“-Projekt teil. Hier ist die eine Hälfte zu sehen, die sich mit der anderen beim Schulbesuch abwechselte.
Die M8d nahm am „Klasse informiert“-Projekt teil. Hier ist die eine Hälfte zu sehen, die sich mit der anderen beim Schulbesuch abwechselte. Foto: Lothar Röhrl

Spannend ist der Weg, den eine alte Zeitung bis zum Druck als neue Zeitung nimmt. Volker Kraus schilderte der Klasse, dass das Altpapier in großen Behältern in Wasser aufgelöst werde. Dieses Wasser hat vorher schon einen Prozess der Wiederverwertung hinter sich gebracht. Denn in dem fabrikeigenen Klärwerk war dieses Wasser gereinigt worden. In den großen Behältern wird das aufgelöste Papier zu einem Faserbrei. Dieser wird verdünnt durch Siebe geleitet, in denen dann Stoffe wie Heftklammern herausgefiltert werden. In der nächsten Stufe der Reinigung werden die Farben, die beim Druck Verwendung gefunden hatten, herausgewaschen.

Schließlich ist ein Papierbrei entstanden, der in sehr starker Verdünnung auf das Sieb der Papiermaschine gebracht wird, wobei das feuchte Faservlies entsteht. Durch Herauspressen des Wassers und Trocknung entsteht das neue Zeitungsdruckpapier. Dabei handelt es sich um eine mega-große Papierrolle mit mehreren Metern Durchmesser und über acht Meter Breite. Diese „Tambour“ genannte Papierrolle wird in kleinere Rollen geschnitten. Die Mittelbayerische Zeitung bezieht von Palm Rollen, von denen jede jeweils eineinhalb Meter im Durchmesser und 1,89 m in der Breite misst. Jede würde nach dem Abwickeln eine Papierbahn von gut 32 Kilometer Länge ergeben. Mit 2,5 Tonnen ist sie ordentlich schwer.

Kurzer Antransport schont auch

Eine Palm-Rolle wird in der MZ-Druckerei vorbereitet.
Eine Palm-Rolle wird in der MZ-Druckerei vorbereitet. Foto: Stefan Hanke

Palm produziert im bayerischen Eltmann bei Bamberg. Damit ist der Transport kurz und ressourcenschonend. Pro Jahr werden mit Lastwagen etwa 15 000 Tonnen an Rollen nach Regensburg gefahren. Ein Lkw kann 24 Tonnen transportieren. Schon zwei, drei Tage später ist jede Rolle Zeitungsdruckpapier verarbeitet. In sechs von sieben Nächten (außer an Samstagen) werden im MZ-Druckzentrum die Rollen bedruckt. Für eine Ausgabe mit rund 130 000 Exemplaren, aufgeteilt auf die verschiedenen Außenausgaben wie das Neumarkter Tagblatt, werden pro Nachtproduktion zehn bis zwölf Papierrollen benötigt. Daneben werden viele weitere Produkte gedruckt.

Das ist kein Müll, sondern ein wertvoller Rohstoff.“

Volker Kraus, Verkaufsleiter bei der Papierfabrik Palm, über den Sinn des Sammelns von Altpapier in einer blauen Tonne

Interessant für die Neumarkter Schüler war noch, dass es der Papierfabrik Palm GmbH & Co. KG im Jahr 1984 als erstem deutschen Hersteller von Zeitungspapier gelungen war, Druckpapier bester Qualität aus einhundert Prozent Altpapier herzustellen.

Dieses musste zum einen dem Leser gefallen, zum anderen hat die Drucktechnik bestimmte Anforderungen. Die beiden wichtigsten Kriterien brachte Volker Kraus den Schülern am Beispiel einer aktuellen Zeitungsausgabe des Neumarkter Tagblatts nahe.

So möchte der Zeitungsleser, dass sich das Papier gut anfühlt. Es sollte nicht zu dünn oder zu dick sein. Und vor allem müsse es reißfest sein. Dieses Kriterium will auch der Drucker. Denn Papier soll beim Drucken nicht reißen. Das würde kostspielige Zwangspausen verursachen. Schließlich sollen in jeder Nacht zwischen Sonntag und Samstag 130 000 druckfrische Zeitungen das MZ-Druckhaus verlassen.

Die Blaue-Tonne-Beauftragte

Palm baut derzeit in Aalen eine neue Papierfabrik. Sie wird 500 Millionen Euro kosten und stellt.Wellpapperohpapiere für Verpackungen von Ware her, wie sie im Internet bestellt wird.
Palm baut derzeit in Aalen eine neue Papierfabrik. Sie wird 500 Millionen Euro kosten und stellt.Wellpapperohpapiere für Verpackungen von Ware her, wie sie im Internet bestellt wird. Foto: Eva Gaupp

Wie es um die Bereitschaft zum Sammeln von Altpapier in der M8d bestellt ist, wollte MZ-Redakteur Lothar Röhrl beim Besuch der Klasse wissen. Drei Schülerinnen antworteten. Mit Julia traf der Redakteur sogar zufällig auf diejenige, die daheim die „Beauftragte“ für das Befüllen der Blauen Tonne ist. „Ich schaue ständig nach, was an Abfällen da ist. De Tonne wird immer ziemlich voll“, gab Julia an.

„Wir wechseln uns beim Befüllen immer ab“, stellte Marlena dazu fest. In ihrer Familie gebe es zwar auch eine Tageszeitung. Sie selbst schaue nur ab und zu mal rein. Neben Zeitungspapier wandert auch Pappe in die blaue Tonne. „Bevor wir aber einen Karton reinwerfen, wird der schon ordentlich zerkleinert“, betonte Marlena. Für Laura, die gerne am Smartphon Nachrichten aus dem Internet bezieht, war eine Info neu: Nur ein Bruchteil der Nachrichten in einer Ausgabe der Tageszeitung ist im Netz zu finden.

Die Firma Palm baut

  • Aktuell

    baut das Unternehmen für 500 Millionen Euro eine neue Papiermaschine, als Ersatz für drei ältere Papiermaschinen. Diese stellt Wellpappenrohpapiere für die Herstellung von Wellpappekartons her, wie sie als Verpackungen für Ware benötigt werden, die über das Internet bestellt wird. (lr)

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