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Besichtigung

Der Dom ist erhaltenswertes Kulturgut

Eine Fachklasse aus Mühlbach sah sich in der Regensburger Dombauhütte um und den dortigen Mitarbeitern über die Schultern.
Von der Klasse BKK 12B, Berufliches Schulzentrum Neumarkt, Außenstelle Mühlbach

Um die Besichtigung des Domes voll genießen zu können, war schon Mut erforderlich. Mit Höhenangst müssten Azubis in diesem Metier aber nicht zu tun haben. Foto: Helmut Nutz/BSZ Mühlbach
Um die Besichtigung des Domes voll genießen zu können, war schon Mut erforderlich. Mit Höhenangst müssten Azubis in diesem Metier aber nicht zu tun haben. Foto: Helmut Nutz/BSZ Mühlbach

Regensburg.„Herzlich willkommen in der staatlichen Dombauhütte in Regensburg!“, so wurde die Gruppe der angehenden Kaminkehrer-Gesellen von Steinmetzmeister und stellvertretenden Hüttenmeister Matthias Baumüller freundlich in Empfang genommen. Gleich in der Werkstatt der Dombauhütte kann man beim Betreten der Werkstatt erkennen, mit welcher Energie und Präzision sich die 14 Steinmetze und Steinmetzmeister – geleitet vom Hüttenmeister Helmut Stuhlfelder – das ganze Jahr um das Kulturerbe „Dom“ kümmern.

Die historische und kulturelle Erhaltung des Doms für die Nachwelt, so wie es in den Ursprüngen von ihren Baumeistern geplant und entsprechend gebaut wurde, ist ein wesentliches Ziel der Dombauhütte in Regensburg., wie es in seinen Ursprüngen von ihren Baumeistern geplant und entsprechend gebaut wurde. Von Herrn Matthias Baumüller, stellvertretender Hüttenmeister der Dombauhütte Regensburg, haben die zukünftigen Kaminkehrer erfahren, dass der Bau des Doms nicht klassisch wie der Bau eines herkömmlichen Gebäudes erfolgt ist.

Ganz neue Bauweise damals

Steinobjekt Fiole: Der Rohling davon und das Werkzeug bei dessen Bearbeitung waren der große Hingucker. Foto: Helmut Nutz/BSZ Mühlbach
Steinobjekt Fiole: Der Rohling davon und das Werkzeug bei dessen Bearbeitung waren der große Hingucker. Foto: Helmut Nutz/BSZ Mühlbach

Ein herkömmliches Gebäude wird bekannterweise von unten nach oben als gesamtes Bauwerk errichtet. Bei der Errichtung des Doms ist man anders herangegangen: Wie Mathias Baumüller schilderte, wurde der Regensburger Dom von Ost nach West in jeweils kompletter Höhe und mit allen Besonderheiten, wie Verzierungen, Fenster oder Zwischendecken errichtet. Nur mit dem richtigen Stein und Werkzeug funktioniert die Arbeit: Als Baumaterial hat man vorwiegend Sandstein verwendet; später folgte Kalkstein aus den jeweiligen ortsnahen Steinbrüchen.

Im Laufe der Zeit stellte sich der Kalkstein als wesentlich stabiler gegen Umwelt- und sonstige Einflüsse heraus, so dass bis zum heutigen Zeitpunkt die Steinmetze der Dombauhütte den Kalkstein als Baumaterial verwenden.

Mit speziellen Werkzeugen wird der Stein damals wie heute mit der Hand nach alten Handwerkskunst bearbeitet um dem Dom sein ursprüngliches Aussehen bis ins letzte Detail zu belassen. Dies gelingt den Steinmetzen der Dombauhütte gemeinsam mit ihrer Führungscrew um Helmut Stuhlfelder und Matthias Baumüller bis heute in ganz besonderer Art und Weise.

Steinmetzmeister Mathias Baumüller erläuterte das unterschiedliche Werkzeug in der Dombauhütte. Hier wird traditionell gearbeitet. Foto: Helmut Nutz/BSZ Mühlbach
Steinmetzmeister Mathias Baumüller erläuterte das unterschiedliche Werkzeug in der Dombauhütte. Hier wird traditionell gearbeitet. Foto: Helmut Nutz/BSZ Mühlbach

Durch die Anwendung vieler bereits historisch-bekannter Handwerkstechniken und Werkzeugen (unter anderem der Hund, das Steinbeil und der Steinmeißel mit verschiedenen Klingen) bei der Bearbeitung des Steins sowie der Vorbereitung im Gerüstbau bis hin zur Verfugungstechnik wird von den Mitarbeitern der Dombauhütte versucht, dieses alte Handwerk detailgetreu beizubehalten um den Dom der Nachwelt in möglichst historisch detailgetreuer Bauart weiterzugeben.

Da um das Jahr 800 herum bereits ein Dom nach romanischen Baustil errichtet wurde, und der neue Dom nach Meinung der Verantwortlichen der damaligen Zeit an gleicher Ort und Stelle auf heiligem Grund und Boden errichtet werden sollte, musste man sich ein besonderes Vorgehen für den Bau der neuen Doms überlegen.

Der Bau des heutigen Doms erfolgte um das Jahr 1200 und zog sich in seiner Bauzeit über mehrere 100 Jahre hin. Dies erklärt auch, dass der Dom bei genauerem Hinsehen in seinem Baustil nicht wirklich symmetrisch ist. In den jeweiligen Bauabschnitten sind dann auch die Stilrichtungen der jeweiligen Epoche eingeflossen und von den Baumeistern der Zeit umgesetzt worden.

Der romanische Dom wurde nicht komplett abgerissen. So wäre den Geistlichen der Ort für das Abhalten der Messfeier genommen worden. Also entschied man sich den Dom nur bis zur Hälfte abzureißen eine Trennwand einzuziehen und den Liturgieraum für Messfeiern stehen zu lassen. Der verbliebene Turm an der Rückseite des Doms, auch Eselsturm genannt, ist als romanischer Teil noch gut erkennbar. Die freie Fläche nach dem Abriss wurde nun genutzt das neue Bauwerk von Osten nach Westen in der heute existierenden Form zu bauen.

Mal ohne Gerüst: Zumindest bei diesem Turm stimmte, was den Regensburgern nur selten an Anblick des Doms gegönnt ist. Foto: Helmut Nutz/BSZ Mühlbach
Mal ohne Gerüst: Zumindest bei diesem Turm stimmte, was den Regensburgern nur selten an Anblick des Doms gegönnt ist. Foto: Helmut Nutz/BSZ Mühlbach

Ein Höhepunkt der Führung für die angehenden Kaminkehrer war der Aufstieg zur Plattform des Doms zwischen den beiden Domtürmen. Hier erwartet den Betrachter ein unbeschreiblicher Ausblick über Regensburg und deren Umgebung in einer Höhe von 56 Meter.

Durch Untersuchungen von Sachverständigen konnte unter anderem nachgewiesen werden, dass das Holz des Dachstuhls des Regensburger Doms aus dem Jahr 1422 stammt. Wenn man dann auf dem Dachboden des Doms steht und sich diesen immer noch intakten Dachstuhl betrachtet, der freitragend ohne zusätzliche Stützen erstellt wurde, ist man als Laie und Teilnehmer der Führung sehr beeindruckt von der historischen Handwerkskunst der damaligen Handwerker!

Höhentauglichkeit und Schwindelfreiheit vorausgesetzt, konnten die angehenden Kaminkehrer über die eiserne Wendeltreppe des Turmes der Spitze des Doms mit seiner Gesamthöhe von 105 Metern noch einmal 15 Meter näher kommen.

Nicht zum ersten Mal hat eine Klasse aus Mühlbach die Dombauhütte besichtigt. Heuer war das im ZiS-Projekt die BKK 12. Foto: Helmut Nutz/BSZ Mühlbach
Nicht zum ersten Mal hat eine Klasse aus Mühlbach die Dombauhütte besichtigt. Heuer war das im ZiS-Projekt die BKK 12. Foto: Helmut Nutz/BSZ Mühlbach

Eine Besonderheit des Regensburger Doms sind die Fensterverglasungen. Die viele Jahrhunderte alten eingebauten Glasscheiben sind handgemacht und als Mosaik in verschiedenen Farben verbaut. Bei Licht- und Sonneneinfall entsteht im Dom ein unheimlich beeindruckendes Farb- und Lichtspiel an den Wänden des Doms.

Die neue Domorgel, die Jahr 2009 eingeweiht wurde, ist im Moment die größte freihängende Kirchenorgel der Welt! Trotz eines Gewichts von 36 Tonnen ist sie lediglich an vier Stahlseilen mit einem Durchmesser von knapp vier Zentimetern von der Decke an einem Stahlträger befestigt! So hängt die Orgel frei schwebend und ohne direkte Befestigung an der Nordseite des Regensburger Doms. Der Organist wird mit einem seitlich angebrachten Glasaufzug von oben zu seinem Spieltisch gefahren. Eine Meisterleistung auf dem Gebiet des Kirchenorgelbaus!

Beeindruckender Tag

Alles in allem waren der Besuch der staatlichen Dombauhütte und die Führung von Steinmetzmeister Baumüller für die Fachklasse für das Schornsteinfegerhandwerks BKK 12 der Kaminkehrerschule in Mühlbach ein unvergessliches Erlebnis. Dafür gebührte Matthias Baumüller für seinen engagierten, äußerst interessanten und vor allem fachkundigen Vortrag mit unendlich vielen Details rund um den Dom und seine Dombauhütte ein herzlicher Dank. Diesen entboten die Auszubildenden der Klasse BKK 12B der Fachklasse für das Schornsteinfegerhandwerks aus ganzem Herzen.

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