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Soziales

Mobbing kann Menschen krank machen

Eine Schülerin berichtet über Ausgrenzung und schlimme Beleidigungen. Ihren Abschluss hat sie dennoch geschafft.
Von der Klasse B an der Schule für Kranke in Regensburg

Auch Cyber-Mobbing ist sehr verletzend für die Opfer. Foto: Oliver Berg/dpa.
Auch Cyber-Mobbing ist sehr verletzend für die Opfer. Foto: Oliver Berg/dpa.

Regensburg.Wenn Schüler auf schwächere Mitschüler losgehen, Lehrer wegschauen und Eltern verzweifeln, was hilft dann noch? Eine Schülerin erzählt, wie sie persönlich Mobbing und schlimme Beleidigungen erlebt hat.

Alles begann bei ihr in der ersten Klasse einer Grundschule im Landkreis Neumarkt. Auch wenn man es, wie sie sagt, nicht vermuten würde: Auch Kinder in diesem jungen Alter dächten schon in vorgegebenen Standards – die von den Erwachsenen oder aus dem Internet übernommen würden – und würden jeden ausschließen, der diesen Erwartungen nicht entspricht. So erlebte es zumindest die Betroffene: „So war es auch bei mir“, sagt sie.

Kritische Blicke

Als sie in die Klasse gekommen sei, sei sie teils mit kritischen Blicken angeschaut worden und habe sich von Anfang an nicht sehr wohl gefühlt. Nach einer Weile kamen dumme Kommentare wie: „Warum bist du so fett.“ Oder: „Nimm doch einfach ab.“ Anfangs ignorierte sie diese Bemerkungen und hoffte, dass dieses Verhalten wieder aufhören würde. Doch sie täuschte sich und verlor langsam die Freude daran, in die Schule zu gehen. Sie fing an, krank zu spielen, nur, damit sie diese Kommentare nicht mehr anhören musste: „Denn sie machten mich traurig.“ Sie verstand nicht, warum die Kinder so waren. So ging es immer weiter und die Motivation, in die Schule zu gehen, sank immer mehr ab. Bald fing es auch damit an, dass es Streit unter den Mädchen gab und die Jungs anfingen, zu schubsen. „Mit der Zeit wurde mir bewusst, dass sie mich mobbten, weil ich nicht den Standards entsprach, denn ich war für sie einfach zu mollig und schlecht in der Schule.“

Schulwechsel half nicht

Als der Wechsel in die Mittelschule bevorstand, machte sie sich Hoffnungen, dass es jetzt besser werden könnte und sie auf der neuen Schule sogar Freunde finden würde. Aber wieder wurde sie enttäuscht, denn es wechselten auch mehrere frühere Mitschüler mit ihr auf die neue Schule und so fingen die Beleidigungen erneut an – sogar noch schlimmer. Mit der Zeit kamen Schimpfwörter wie „Miststück“ oder „fette Kuh“ dazu und einige Mitschüler wurden sogar handgreiflich und schmissen sie zu Boden oder stießen sie weg.

„Die Lehrer interessierte das Problem anscheinend nicht wirklich“, erzählt sie. Unterstützt sei sie fast nie geworden, weder von den Lehrern noch von anderen Mitschülern. Und auch den eigenen Eltern wollte sie nicht vom Mobbing in der Schule erzählen, weil diese schon selbst genügend Probleme hatten. Deswegen sei es ihr immer schlechter gegangen: „Ich fühlte mich sehr alleine.“

Was gegen Mobbing helfen kann

  • Workshops:

    Für Schüler, Lehrer und Eltern ist es wichtig, sich über das Thema zu informieren. Regelmäßige Workshops zum Thema Mobbing können bereits bestehende Schwierigkeiten aufgreifen und bei der Prävention behilflich sein.

  • Vertrauenslehrer:

    Betroffenen Schülern sollte klar sein, an wen sie sich wenden können. Geschulte Ansprechpartner können vorbeugen, helfen und vermitteln. Sie können auch dafür sorgen, dass Lehrer auf Mobbing aufmerksam werden und etwas unternehmen.

  • Fortbildungen:

    Viele Lehrer schauen nicht genau hin und ignorieren Mobbing. Fortbildungen können sensibilisieren und Lehrern beibringen, wie sie mit solchen Situationen umgehen sollen. Regeln gegen Mobbing müssen konsequent umgesetzt werden, um mögliche Übeltäter schon im Vorfeld abzuschrecken. Die Regeln müssen die Ernsthaftigkeit der Problematik bewusst machen.

  • Medien:

    Smartphones bieten eine Plattform für „Cyberbullying“. Eltern sollten die Aktivitäten ihrer Kinder in den sozialen Medien kontrollieren.

In die Schule gehen wollte sie damals am liebsten gar nicht mehr. Sie hatte deshalb viele Fehltage. Gegen Ende wurde ihr aber immer mehr bewusst, dass sie den Unterricht brauchte, um einen Abschluss zu bekommen. „Aber einige Jungs machten mich manchmal so fertig, dass ich einfach nicht mehr existieren wollte.“

Letztendlich schaffte sie aber ihren Abschluss – mit sehr viel Druck von ihren Eltern und auch mit viel Stress. „Glücklich wurde ich in der Schule nie.“

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