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Drogen

Wege aus dem Teufelskreis

Die Fachambulanz für Suchtprobleme des Caritasverbandes Regensburg hilft Abhängigen. Die Angebote sind sehr vielfältig.
Von Klasse BVKGS der Beruflichen Oberschule Regensburg

Ein Spritzen-Tauschset liegt in der Suchtambulanz der Caritas Regensburg. Foto: Zamirah Voit
Ein Spritzen-Tauschset liegt in der Suchtambulanz der Caritas Regensburg. Foto: Zamirah Voit

Regensburg.Patrick P. erstarrt, als sein Blick im Fenster der Suchtambulanz auf sein Spiegelbild trifft. Denn in seiner Reflexion sieht er schon lange keinen unbeschwerten 20-jährigen Regensburger mehr, sondern einen Mann, der zwischen Heroinkonsum und täglichem Trinken den Fokus verloren hat. Fröstelnd betritt er das hell erleuchtete Foyer. Sein Weg raus aus dem Teufelskreis beginnt. Patrick P. ist allerdings keine reale Person. Er soll uns helfen, uns vorzustellen, wie er verläuft: der Weg aus der Sucht.

Die Caritas-Suchtambulanz in Regensburg liegt in Bahnhofsnähe, gut versteckt in einer Seitengasse neben einem Altenheim, und damit diskret erreichbar. Der Leiter der Fachambulanz, Christian Kreuzer, begrüßt uns, die BOS-Vorklasse für Gesundheit und Soziales der Beruflichen Oberschule Regensburg – herzlich lachend, mit kräftiger Stimme und mit einer Fülle an Informationen über seine Beratungsstelle im Gepäck.

Missbrauch von Substanzen

Patrick P. könnte einer von etwa tausend Klienten sein, die in der Suchtambulanz pro Jahr betreut werden. Wegen Abhängigkeiten, die laut Kreuzer vorwiegend auf Missbrauch von Substanzen zurückzuführen sind. Demnach sind 56 Prozent der Betreuten alkoholabhängig, Opioide (mit Schwerpunkt Heroin) und Cannabis folgen mit jeweils etwa zehn Prozent. Substanzfrei, doch nicht weniger gefährlich: pathologisches Glücksspiel mit 15 Prozent. Auch die pathologische Nutzung von Sozialen Medien nimmt laut Kreuzer zu.

Warum greifen Menschen zu Drogen? „Irgendwas braucht der Mensch“, meint Experte Kreuzer. Er erklärt, Suchtverhalten entstehe, wenn Substanzen als Stressbewältigungsstrategie missbraucht werden. Oder wenn „Sensation Seeker“ aus Neugier versuchten, mit Drogen dem Alltag entkommen. Oft verlaufe der Übergang zur Sucht schleichend. Aus dem genüsslich verzehrten Bierchen werde unter Stress ein erster Rausch. Der Konsum steigere sich langsam und die Auslöser für starken Alkoholkonsum würden immer trivialer. Oft genug folge der Griff zu härteren Drogen.

So könnte es auch bei Patrick P. laufen, wenn ihm der Alkoholrausch eines Tages vielleicht nicht mehr genügt und ihm von „Freunden“ als neuer Kick Heroin angeboten wird. In der Fachambulanz hat er die Chance, den Teufelskreis zu durchbrechen.

Der Eingangsbereiche der Suchtberatungsstelle der Caritas Regensburg Foto: Zamirah Voit
Der Eingangsbereiche der Suchtberatungsstelle der Caritas Regensburg Foto: Zamirah Voit

Doch wo den Kampf beginnen? Christian Kreuzer betont: „Der Wille, etwas zu ändern, muss schon vorhanden sein. Sonst geht der Klient aus der Besprechung und holt sich sein nächstes Bier.“ Sucht sei vielfältig, und die Caritas antworte darauf mit breitem Angebot und professionellem Beraterteam. Dazu gehören auch der hauseigene Streetworker und die Mitarbeiter von „Mindzone“, die direkt auf Szenepartys mit Infoständen präsent sind. Es gibt eigene Berater für E-Gaming-Sucht und suchtkranke Senioren. Mit der Justizvollzugsanstalt besteht eine sehr enge Zusammenarbeit, da oftmals ein Entzug in Verbindung mit einem Strafmaß auferlegt wird.

Fachliche Beratung und Unterstützung im Alltag

  • Ansprechpartner:

    Die Fachambulanz für Suchtprobleme der Caritas Regensburg, Tel. (0941) 630 82 70, ist in der Hemauerstraße 10c in Regensburg zu finden. Die Caritas-Suchthilfe existiert seit mehr als 80 Jahren mit einem flächendeckenden Beratungs- und Behandlungsangebot und behandelt im Jahr rund tausend Patienten. Insgesamt arbeiten elf Mitarbeiter in der Regensburger Fachambulanz. Leiter ist Christian Kreuzer. Eine Außenstelle gibt es in Parsberg.

  • Angebote:

    Die Beratungsstelle hilft Abhängigen bei der Bewältigung ihrer Sucht und bei der Wiedereingliederung in ein geregeltes Sozialleben. Caritas-Mitarbeiter arbeiten auch als Streetworker und kümmern sich zum Beispiel um Obdachlose. Sie informieren aber auch an Infoständen über Folgen des Konsums. Außerdem findet in den Räumen der Suchtberatung ein kostenloser Spritzenaustausch statt – alte, benutzte Spritzen können gegen neue eingetauscht werden.

  • Verschwiegenheit:

    Auch in den Justizvollzugsanstalten (JVA), wo laut Schätzung von Experten rund 40 bis 70 Prozent der Häftlinge von Alkohol- oder Drogensucht betroffen sind, gibt es Mitarbeiter, die Betroffenen, Angehörigen, Arbeitgebern oder auch JVA-Beamten Hilfe anbieten und aufklären. Die Suchtberatungsstelle garantiert grundsätzlich Verschwiegenheit und auf Wunsch auch Anonymität. Infos im Netz unter: www.suchtambulanz-regensburg.de

Will man Beratung, kann man sie telefonisch oder online vereinbaren. Zusätzlich im Angebot sind offene Sprechstunden. Einem auf Wunsch anonymen persönlichen Erstgespräch folgen weitere Gespräche, Selbsttests und gemeinsame Entscheidungen über das weitere Vorgehen. Dem Entzug im Krankenhaus schließt sich wahlweise ein Reha-Aufenthalt in einer Fachklinik an, nach Abschluss der ärztlichen Betreuung die Nachsorge in Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen.

Chancen stehen gut

Einige Zeit nach seinem ersten Besuch in der Beratungsstätte hätte Patrick P. seinen stationären Entzug hinter sich und würde weiter ambulant betreut. Er hätte noch einen langen Weg vor sich, aber gute Chancen, den Teufelskreis der Sucht zu verlassen. Gibt es beim Suchtverhalten Unterschiede zwischen Männern und Frauen? „Ja, was die Art von Suchtmitteln betrifft“, sagt Christian Kreuzer. Männer würden eher zu Alkohol-, Drogen- und Spielsucht neigen, Frauen eher zu Medikamentenmissbrauch und vermehrtem Social-Media-Konsum. Uns Schülern zeigt der Besuch der Fachambulanz: Sucht und Abhängigkeit sind nicht so fernab von uns, wie wir gerne glauben. Der Besuch war ein Anstoß, unser eigenes Verhalten im Alltag kritisch zu überdenken. Beeindruckt hat uns, mit welch großem Engagement und Einsatz die Mitarbeiter der Suchtambulanz ihre Ziele verfolgen, auch wenn sie nachweislich schwer zu erreichen sind.

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