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Das Heer der unkonzentrierten Schüler wächst ständig

Konzentration ist ohne Motivation nicht möglich / Kräfte, Sinne und Gedanken müssen auf eine Aufgabe gebündelt werden

Konzentrationsschwierigkeiten machen den Schulalltag für Schüler und Lehrer zur Qual. Hohe Ablenkbarkeit, motorische Unruhe, rasche Ermüdung, geringe Ausdauer und Belastbarkeit bei schwankenden Leistungen sind die Kennzeichen der zappeligen Kids. Die Ursachen sind von komplexer Art, kommen sowohl von innen als auch von außen.

Dienstag, 15 Uhr. Johannes sitzt in seinem Arbeitszimmer vor dem Computer. Vor ihm liegt ein Plan, anhand dessen er an seinem PC komplizierte Dinge erledigt. Keine Anstrengung ist ihm zu viel, von Ablenkung keine Spur. Konzentriert erledigt er seit einer Stunde die verschiedenen Arbeitsschritte, ist in seiner Arbeitswut kaum zu bremsen.

Sich nur einer Sache widmen

Dienstag, 17.30 Uhr. Wieder finden wir Johannes in seinem Arbeitszimmer. Dieses Mal soll er Hausaufgaben in Englisch, Chemie und Geschichte erledigen, alles nicht unbedingt seine Lieblingsfächer. Missmutig sitzt er über den Büchern, spitzt mal einen Bleistift, geht zum Kühlschrank, schaltet mal kurz den Fernseher ein, blättert in einer Jugendzeitschrift, kehrt wieder an seinen Schreibtisch zurück, schaut aus dem Fenster. Denkt einmal an dies, einmal an jenes. Von Konzentration keine Spur.

Wie ist dieses total verschiedene Verhalten bei ein und derselben Person zu erklären? Warum arbeitet Johannes mit so großer Konzentration mit dem PC, und warum total unkonzentriert bei den Hausaufgaben? Die Erklärung: Konzentration hat immer etwas mit Motivation und Interesse zu tun. Während er Hausaufgaben als total lästig und langweilig empfindet und sich deshalb mit Ersatzhandlungen wie Bleistiftspitzen, Fernsehschauen, Essen oder Lesen ablenkt, ist er mit seinem Computerarbeit voll bei der Sache, weil es ihm ein inneres Anliegen ist.

Bei der Konzentration spielt die Motivation eine ungemein große Rolle, da dem Jugendlichen die eigene Welt wesentlich mehr interessiert als die ihm aufgezwungene Schulwelt, in der er hauptsächlich Dinge erledigen muss, die er innerlich ablehnt, auf die er „keinen Bock“ hat.

Konzentration und Motivation gehören wie ein Ehepaar oder Freunde zusammen. Ohne Motivation gibt es auch keine Konzentration. Wenn man die gleichen Schüler einmal beobachtet hat, wie sie mit absoluter Konzentration Tennis spielen, mit dem Computer arbeiten, etwas zusammenbauen oder ein Musikinstrument spielen und sie an anderer Stelle in der Schule beobachtet, wie sie absolut konzentrationslos zu Werke gehen, sieht man die These bestätigt, dass Konzentration immer etwas mit Motivation und innerer Anteilnahme zu tun hat. Während man einerseits fast mit Neidgefühlen registriert, wie sich Schüler bei gewissen Tätigkeiten konzentrieren und sammeln können, könnte man sich in der Schule „grün und blau“ über sie ärgern, weil sie dort so unkonzentriert, unbeteiligt und unmotiviert ihren Lernpart abspulen. Allgemein gilt der Grundsatz, dass wenn man innerlich motiviert ist, ein angepeiltes Ziel zu erreichen, die Anstrengungen, die Einstellung, das Denken und das damit verbundene Handeln aktiviert werden. Ist man nicht motiviert, ist man ohne Konzentration bei der Sache, erzielt man auch keine vernünftigen Ergebnisse. Ist man demotiviert ist man auch sehr schnell frustriert und enttäuscht.

Was bedeutet eigentlich Konzentration? Konzentration kommt aus dem Lateinischen, nämlich von „concentrare“ und bedeutet übersetzt: Sich auf einen Mittelpunkt, auf ein Zentrum beziehen, sich in einem Punkt vereinigen. Also die ganze Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Sache hinwenden. Allen anderen Dingen und Angelegenheiten werden zur gleichen Zeit keine Bedeutung beigemessen. Man beschäftigt sich mit nur einer einzigen Aufgabe. Das Gegenteil davon wäre „Ablenkung“, denn dann widmet man sich neben einer Hauptaufgabe noch verschiedenen anderen Dingen. In dem Sprichwort „Man kann nur einem einzigen Herren dienen“ kommt schon deutlich zum Ausdruck, dass es unmöglich ist, gleichzeitig mehrere Aufgaben zu erledigen, denn sonst ist der Konflikt vorprogrammiert. Oder man nimmt in Kauf, dass man sehr viel Zeit aufbringen muss oder die Arbeitsqualität darunter leidet. Wenn man seine Kräfte, Sinne und Gedanken nicht gebündelt einer Aufgabe widmet, muss man automatisch mit Nachteilen rechnen. Wer bei einem Tennismatch versucht, sich auf den Ball zu konzentrieren, aber auch immer im Auge behalten will, was die Zuschauer so treiben, wird bestimmt als Verlierer vom Platz gehen.

Mehr Konzentrationsschwäche

Die Konzentrationsschwäche hat sich in den letzten Jahrzehnten ständig erhöht und sowohl Eltern als auch besonders Lehrer können davon ein Lied singen und die unendliche Geschichte des unkonzentrierten Kindes in allen Varianten erzählen. Das Heer der Unkonzentrierten, Zerfahrenen, Zerstreuten, Unaufmerksamen, Nervösen und Vergesslichen scheint von Jahr zu Jahr zuzunehmen.

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