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Früchteparadies

Beerenmeile erobert die Schülerherzen

Unter sehr angenehmen Bedingungen lernten Viertklässler so einiges über den Anbau und die Pflege von Beerenobst.
Von der Klasse 4a der Grundschule Zeitlarn

Die Klasse 4a auf dem großen Holztraktor: Die Beerenmeile bietet auch ein tolles Abenteuergelände zum Spielen. Foto: Birgit Bolland
Die Klasse 4a auf dem großen Holztraktor: Die Beerenmeile bietet auch ein tolles Abenteuergelände zum Spielen. Foto: Birgit Bolland

Lappersdorf.Die Sonne scheint, es ist (noch) angenehm warm um halb neun am Morgen. Außer uns ist niemand zu sehen auf der Beerenmeile kurz vor Hainsacker. Wir blicken uns um. Sträucher stehen fein säuberlich in Reih und Glied, Vögel zwitschern, zwei fleißige Damen bereiten das „Beerencafé“ vor. Von einer netten Assistentin werden wir gebeten, unter dem großen Sonnenschutz Platz zu nehmen, bis die Chefin kommt.

Allerdings… Platz zu nehmen inmitten eines Abenteuergeländes mit Riesentraktor, Spielplatz, Sandkiste, Strohlabyrinth und Streicheltieren ist selbst für „reifere“ Viertklässler zu viel verlangt und so sausen und toben wir erst einmal über das Gelände, bis die Chefin, Julia Kraml, eintrifft. Gesittet begeben wir uns nun unter den Sonnenschutz, um unsere eigentliche Aufgabe anzugehen, die Recherche über den Beerenanbau.

Familienunternehmen mit Herz

Julia Kraml, die eigentlich Lehrerin ist, berichtet uns voller Stolz von den Anfängen des Unternehmens vor elf Jahren. Ihr Mann Stephan Kraml, Agraringenieur aus Leidenschaft, hatte nach einem Praktikum in einem anderen bayerischen Beerenbetrieb beschlossen, so etwas auch für den Raum Regensburg zu erschaffen. Ihr selbst gefiel das Arbeiten in der Natur, mit den Pflanzen und Menschen schließlich auch so gut, dass sie ihren Lehrerjob an den Nagel hängte. Zu zweit kümmern sie sich nun um ca. 20 Hektar Anbaufläche an insgesamt vier Standorten (Lappersdorf/Hainsacker, Bad Abbach, Tegernheim, Oberhinkofen (Papstwiese)) und beschäftigen in der Hauptsaison weit über 25 Mitarbeiter.

Wer am Feld vorbeifährt, sieht eigentlich nur Pflanzen und denkt sich womöglich: „Cooler Job, ich stell ein paar Sträucher hin und der Rest macht sich von allein…“. Doch das ist ein großer Irrtum! Julia Kraml erklärt uns, dass ihre Hilfskräfte sehr früh am Morgen oder sehr spät am Abend arbeiten, zu Zeiten also, wo der Kunde das gar nicht mitbekommt. So müssen zum Beispiel Unmengen an Beeren gepflückt werden, bevor die vier Beerenmeilen ihre Tore öffnen. Schließlich hat nicht jeder Kunde Zeit, selbst zu pflücken.

Himbeersträucher in Dammbauweise Foto: Birgit Bolland
Himbeersträucher in Dammbauweise Foto: Birgit Bolland

Die Pflanzen müssen gepflegt, ausgeschnitten und im allergrößten Notfall auch einmal mit Schutzmitteln gegen Schädlinge und Krankheiten behandelt werden, wenn es noch kühl ist und vor allem keine Nutzinsekten unterwegs sind. Ein Biobetrieb sind die Kramls zwar nicht, dennoch sind ihnen die Insekten sehr wichtig. Darum lassen sie breite Wiesenstreifen zwischen ihren Beerenhecken stehen und kleiden nicht alles mit Stroh aus. „Auch im Winter wird viel gearbeitet“, so die Chefin, „hier haben wir Zeit für neue Ideen, können planen, Gebäude und Spielgeräte reparieren und konstruieren, Rezepte für die kommende Saison ausprobieren und unser Sortiment erweitern.“ Denn das muss man, wenn man konkurrenzfähig bleiben will.

„Dammbauweise“ hat Vorteile

So gibt es an zwei Standorten ein Cafe mit Verkaufsladen, und ganz neu Gutscheinkarten und die Möglichkeit seinen Geburtstag dort zu feiern. Mit viel Liebe wird alles selbst ausprobiert, gekocht und für den Kunden abgefüllt. „Erlebnis, Genuss und Spiel für Groß und Klein, das ist unser Motto“, meint die Firmenchefin stolz.

Naschen erwünscht Foto: Angelina Frank
Naschen erwünscht Foto: Angelina Frank

Nach einer Stärkung mit den allerfrischesten Beeren geht es dann auf einen kleinen Rundgang und einen Schnellkurs in Sachen „Anbau“. Im Moment haben vor allem Himbeeren und Heidelbeeren Saison. Doch auch die zuckersüße Erdbeersorte „Malwina“, die Früchte bis zur Größe eines Tennisballes hervorbringen kann, ist schon reif. Wir erfahren, dass alle Sträucher auf sogenannten „Dämmen“ gepflanzt werden, was mehrere Vorteile hat: Man muss sich nicht so weit runterbücken; die Beeren bleiben sauberer; die schwarze Folie, die die Dämme bedeckt, speichert Wärme und Feuchtigkeit. Die gesamte Anbaufläche ist von einem sogenannten „Tröpfchenbewässerungssystem“ durchzogen, das die Pflanzen jeden Tag mit einer optimalen Menge Wasser versorgt. Beschattungsnetze (gegen Sonne und Hitze) und Schutzfolien (gegen Kälte und Hagel) werden je nach Notwendigkeit ausgebracht.

Beeren vom Strauch naschen

Ein „Erntekalender“ für die ganze Saison (April bis September) hilft, die Unmenge an verschiedenen Sorten von Erdbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren, Johannisbeeren und Brombeeren, aber auch Gurken, Tomaten und Paprika im Auge zu behalten. „Nachhaltigkeit, frischeste Ware, selbst ausgesuchte Früchte, ein Anbau nur nach dem Kriterium ,welche Sorte schmeckt am besten?‘ – was gibt es Besseres für den Kunden?“, schließt Julia Kraml unseren Rundgang ab.

Süße Beerchen Foto: Sarah Gruber
Süße Beerchen Foto: Sarah Gruber

Auf dem Rückweg dürfen wir Himbeeren vom Strauch naschen, bekommen noch einmal einen riesigen Beerenteller hingestellt und köstliche hausgemachte Erdbeerlimo als Durstlöscher. Am Ende sind wir uns alle einig: Hier sollte man öfter mal eine kurze Auszeit nehmen und es sich gut gehen lassen. Geöffnet ist jeden Tag von 10 bis 19 Uhr im Beerencafé!

P.S.: Wer sich fragt, warum komische „T“-förmige Masten zwischen den Feldern herumstehen: Das sind Raststationen für Greifvögel, die auf der Beerenmeile dafür sorgen, dass die Wühlmäuse nicht überhand nehmen!

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