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Zeitung in der Schule
Freitag, 21. September 2018 28° 3

Geschichte

Auf den Spuren der alten Römer

Burgweintinger Grundschüler lernen heute da, wo vor fast 2000 Jahren noch die Römer lebten und arbeiteten.
Von der Klasse 4d der Grundschule Burgweinting

Die Zeitreise in die Vergangenheit war für die Klasse eine spannende Abwechslung zum Schulalltag. Foto: Ingeborg Hecht
Die Zeitreise in die Vergangenheit war für die Klasse eine spannende Abwechslung zum Schulalltag. Foto: Ingeborg Hecht

Regensburg.Für unsere Klasse stand eine besondere Unterrichtsstunde mit dem Thema „Graben in der Vergangenheit“ auf dem Plan. So verließen wir unser Klassenzimmer und begaben uns auf eine Wiese in der Nähe unserer Schule. Sie war von einer Hecke umzäunt und so groß wie ein Fußballfeld. Dort trafen wir uns mir Silvia Codreanu-Windauer. Sie ist Referatsleiterin beim Bayerischen Amt für Denkmalpflege und hat schon viele Ausgrabungen als Archäologin geleitet.

Zuerst einmal erfuhren wir, dass an der Stelle, an der heute der Ort Burgweinting ist, schon seit der Jungsteinzeit Menschen lebten. Sie wurden hier sesshaft, hatten Vieh und bauten Getreide auf den fruchtbaren Böden an. In der darauf folgenden Bronze- und Eisenzeit wurden viele Werkzeuge und auch Waffen aus diesen Metallen hergestellt. Die ersten Berufe entstanden.

Plötzlich rief Simon: „Hier liegt ein alter Schlüssel!“ „Und hier am Brunnen ist ein Schlüsselloch“, meinte Franziska ganz aufgeregt. Und tatsächlich! Der Schlüssel passte perfekt, und gespannt drehte ihn Andreas herum. Ein kurzes Zischen war zu hören und – plötzlich saß die ganze Klasse auf einer Wiese mitten in einem Bauernhof. Alle blickten sich verwundert um. Wo waren wir bloß gelandet? Da trat ein Mann in unsere Mitte. Er war gekleidet wie ein Römer und stellte sich als Marcus Maximus vor. Gespannt hörten wir zu, als er zu erzählen begann.

Marcus Maximus erzählt

„Geboren wurde ich vor über 50 Jahren in Rom. Mein größter Wunsch war es, Legionär zu werden. Der ging auch in Erfüllung. Schwer bepackt mit meiner Rüstung und vielen weiteren nützlichen Gegenständen machte ich mich mit einer Gruppe anderer Legionäre auf den fast 1000 Kilometer langen Marsch über die Alpen bis zu einem großen Fluss. Nun hieß es für uns, ein Lager zu bauen mit einer hohen Mauer aus dicken Quadersteinen. Die kamen per Schiff aus der Nähe von Kelheim die Donau, so hieß der Fluss, hinunter. Das Lager hatte vier gewaltige Eingangstore, in jede Himmelsrichtung eines. Wir Legionäre wohnten in einfachen Baracken, immer acht Leute teilten sich ein Zimmer. Luxus genoss nur unser Kommandant, der lebte in einem prächtigen Haus in der Mitte des Lagers. Im Jahr 179 nach Christus waren wir mit den Bauarbeiten fertig.

Platz für 6000 Soldaten

Castra Regina, Kastell am Regen, so hieß es, bot Platz für 6000 Soldaten. Das Leben hier brachte wenig Abwechslung und so war ich froh, dass ich nach 25 Jahren Dienstzeit entlassen wurde. Da ich mich immer vorbildlich benommen hatte, bekam ich dieses Stück Land, auf dem wir uns hier befinden. Zum Glück fand ich auch eine hübsche, tüchtige Frau und wir haben inzwischen fünf Kinder. Auch meine Schwiegereltern leben mit auf dem Hof. Der ist umgeben von einer Mauer von insgesamt 402 Metern Länge. Unser Wohnhaus ist ziemlich groß, zwei der Zimmer haben sogar eine Fußbodenheizung. An der Westseite des Hauses haben wir einen gemütlichen Laubengang. Auch unser Keller kann sich sehen lassen. Hier ist eine große Sandgrube, in der wir die Amphoren mit Wein oder Olivenöl sicher abstellen können. Die Wände des Hauses sind gekalkt, das ist ein perfekter Schutz gegen Ungeziefer. Weiter gibt es Werkstätten, Scheunen, Schuppen, Ställe und ein Haus für den Verwalter. Trinkwasser liefert uns der Brunnen.

Der ganze Stolz meiner Frau ist ihr Garten. Hier zieht sie Karotten, Kohl, Sellerie und Bohnen. Besonders kümmert sie sich um ihr riesiges Kräuterbeet mit Rosmarin, Koriander, Thymian, Oregano, Basilikum und Knoblauch. Sie hat auch einen grünen Daumen für Zucchini, Gurken und Kürbisse. Auf den Bäumen und Sträuchern wachsen Äpfel, Birnen, Pflaumen, Haselnüsse und Walnüsse. Ich selbst kümmere mich vor allem um das Getreide auf den Feldern. Die Legionäre in Castra Regina sind meine Hauptabnehmer und ich kann so gutes Geld verdienen. Das Stroh dient im Stall als Unterlage für Schweine, Rinder und Pferde. Meiner Familie und mir geht es hier sehr gut und wir wurden noch nie überfallen. Leider passierte das unseren Nachbarn in Harting. Man erzählte, dass sie skalpiert und mit eingeschlagenen Schädeln in ihrem Brunnen gefunden wurden. Nun muss ich aber weiter und eine Lieferung mit Getreide nach Castra Regina bringen.“ Er sprach es und war verschwunden. Verschwunden waren auch die Gebäude und der Garten und wir saßen wie vorher auf der Wiese. Silvia Codreanu-Windauer erzählte uns noch, dass „villa rustica“ der lateinische Ausdruck für Bauernhof ist. Auch ihr hatte der unerwartete Ausflug in die Römerzeit sichtlich Spaß gemacht.

Reste der Steinmauern

Wie aber hat man erfahren, dass an dieser Stelle tatsächlich einmal ein römischer Bauernhof war? Bis vor rund 20 Jahren wurde hier Getreide angebaut. Als man die Fläche vom Flugzeug aus fotografierte, entdeckte man, dass an manchen Stellen das Getreide nicht richtig wuchs. Genau da befinden sich die Reste der Steinmauern im Boden. Man grub diese Reste aber nicht aus, sondern bebaute die Flächen mit verschiedenen Pflanzen und konnte so die Grundrisse der Gebäude sichtbar machen. Leider ist davon nichts mehr übrig. Auch die Hinweistafeln wurden zerstört. Vielleicht ist es dennoch möglich, diese Hinweise auf die vielschichtige Vergangenheit Burgweintings wieder sichtbar zu machen. Unser Heimatort ist eine geschichtliche Fundgrube – mit dieser Erkenntnis gingen wir wieder ins Klassenzimmer zurück.

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