MyMz

Insekten

Demut vor der Vielfalt der Schöpfung

Eine Parsberger Klasse sah sich die Ausstellung eines Donaustaufer Hobby-Forschers an. Sie fasziniert, erschreckt und mahnt.
Von der Klasse 8f der Edith-Stein-Realschule Parsberg

Mehrere Schüler bildeten mit ihren Händen einen Stern, über den die Vogelspinne krabbelte. Rupert Wanninger passte natürlich auf. Foto: Dr. Annemarie Piller, StRin RS
Mehrere Schüler bildeten mit ihren Händen einen Stern, über den die Vogelspinne krabbelte. Rupert Wanninger passte natürlich auf. Foto: Dr. Annemarie Piller, StRin RS

Parsberg.An der Edith-Stein-Realschule Parsberg war eine sehr sehenswerte Insektenausstellung von Herrn Rupert Wanninger aus Donaustauf, ehemaliger Realschullehrer der Realschule Regenstauf, zu sehen. Diese bestand aus rund 4000 präparierten Tieren in 96 Schaukästen. Zu diesen kamen auch einige lebende Exemplare wie Riesenkäfer, Schmetterlingsraupen, Stabheuschrecke, Wandelnde Blätter und eine Vogelspinne hinzu. Unsere Schule stellte dafür den Mehrzweckraum zur Verfügung. Die fünften bis neunten Klassen durften teilnehmen. Wir von der 8 f waren auch dabei.

„Schwarze Witwe“ hat es in sich

Bereits beim Betreten des Raumes befand man sich in einer anderen Welt. Als die Tür geöffnet wurde, verstummte die Gaudi. Die erste Reaktion war Verblüffung, zum Teil auch mit einem sichtbar mulmigen Gefühl. Tatsächlich wurde man gleich beim Eintreten „begrüßt“ von riesigen Vogelspinnen. „Gott sei Dank sind die nicht mehr lebendig“, mag mancher dabei gedacht haben. Aber die größten Exemplare dieser Art sind gar nicht die giftigsten, so wurden wir belehrt. Die kleine „Schwarze Witwe“ wirkt zierlich, ja unscheinbar. Sie ist aber viel giftiger. Übrigens gehören die Spinnen mit ihren acht Beinen gar nicht zu den Insekten.

Die Schüler der 8f schlüpften in die Rolle von Reportern, als sie sich das „Rollende Insektarium“ ansahen. Foto: Dr. Annemarie Piller, StRin RS
Die Schüler der 8f schlüpften in die Rolle von Reportern, als sie sich das „Rollende Insektarium“ ansahen. Foto: Dr. Annemarie Piller, StRin RS

Im Kasten darüber befanden sich die seltsamsten Exemplare an Gottesanbeterinnen. Eine Spezies dieser großen Gattung hat Herr Wanninger sogar als Erster entdeckt – sie heißt nun „Corydalus wanningeri“. Er hat auch noch drei weitere Insektenarten entdeckt, die ebenfalls nach ihm benannt wurden. Das erfahren wir aber erst später und auch, dass es noch viele unbekannte Arten gäbe, doch die sterben aus, bevor ein Mensch sie überhaupt entdeckt hat, weil wir ihnen den Lebensraum wegnehmen durch die Rodung des Regenwaldes. Das geschehe für unser Leben in Luxus und Wohlstand…

Seit 400 Millionen Jahren gibt es Insekten. Von ihnen gibt es über eine Million Arten. Darunter sind 300 000 Käferarten und 140 000 Schmetterlingsarten, davon gibt es wiederum 20 000 Tagfalterarten. Bei ihnen finden sich Superlative des Tierreichs wie etwa der beste Geruchssinn, denn keine andere Tiergruppe hat so „gute Nasen“ (das sind ihre Fühler). Insekten werden weit unterschätzt in ihrer Wichtigkeit. Oft werden sie eher gefürchtet als Ungeziefer, Schmarotzer und Blutsauger. Und schlimmer noch: als Krankheitsüberträger (wie Malaria).

Notlage bald auch bei uns?

Natürlich weiß man auch, dass sie nützlich sind. Etwa wenn man an die Bienen denkt, die uns Honig liefern und dabei die Blüten bestäuben. Zu wenig bekannt ist aber, dass nicht nur sie, sondern viele andere Insektenarten für unser eigenes Überleben sogar ganz wichtig sind. Erwähnt wurde als Beispiel die künstliche Bestäubung von Obstbäumen in China durch unzählige menschliche Arbeitskräfte, da es dort mittlerweile kaum noch genügend Bienen und andere Blütenbestäuber gibt. Diese Notlage ist auch bei uns in Deutschland schon spürbar.

Herr Wanninger sammelte die Insekten seit über 40 Jahren. Er war ungefähr 40 Mal in den Regenwäldern des Amazonas; dabei sind seine Spezialgebiete Kolumbien und Venezuela. Wir waren bei unserer Besichtigung der Ausstellung sehr interessiert und hatten viele Fragen. Es gab genügend Zeit zum Studieren, Schauen und Staunen.

Plötzlich hören wir einen Hinweis: „Bitte Ruhe, lebende Tiere!“ Sogleich begannen einige Ängstliche zu kreischen und sie wollten flüchten. Doch Herr Wanninger will mit seiner Ausstellung Angst und Ekel abbauen. Daher lud er uns gar zu dem hier ein: „Wer ein Tier in die Hand nehmen möchte, kann es tun. Alle sind ungefährlich: die Stabheuschrecken, die Wandelnden Blätter und Gespensterheuschrecken.“ Sie befanden sich in Terrarien unter Tüchern.

Künstler der Tarnung

Ein „Wandelndes Blatt“ auf einer Hand Foto: Dr. Annemarie Piller, StRin RS
Ein „Wandelndes Blatt“ auf einer Hand Foto: Dr. Annemarie Piller, StRin RS

Wenn auch zögernd, kommen die Wagemutigsten unter uns nach vorne. Da sieht man plötzlich das erste Wandelnde Blatt: Selbst bei angestrengter Suche im Terrarium war sie vorher nicht in dem Grün der Brombeerblätter aufgefallen: das sind wirklich Meister der Tarnung. Nun, in der Hand und auf dem Arm, bewegte sie sich langsam hoch Richtung Gesicht. Ein anderer Mitschüler hatte eine Dornenschrecke. Sie scheint aus Bruchstücken dorniger Zweige und trockener Blätter zusammengesetzt zu sein. Aber so unheimlich sie aussehen, so harmlos sind sie.

Das mussten auch die Ängstlichsten zugeben. Sie kamen voll Stolz her und zeigten, wie das Tier an ihnen hochkrabbelt. Eine andere Art von Tarnung zeigte die Gespensterheuschrecke. Sie sieht aus wie ein Skorpion, dann aber auch wie ein dürres Blatt am Zweig. Wenn man hinbläst (also Wind nachahmt), wackelt sie. Die Schüler konnten nachvollziehen, wie es wäre, wenn sich bei Wind alles am Baum bewege, aber nur eines stillstünde. Ein Fressfeind würde dies sofort als Beute erkennen. Die Gespensterheuschrecke sieht also nicht nur aus wie ein Blatt, sie „benimmt“ sich wie eines.

Auf einmal wurde es ganz still

Doch nun wurde es noch einmal richtig spannend: Mit der eindringlichen Mahnung, ganz leise zu sein, öffnete Herr Wanninger das letzte Terrarium und entnahm vorsichtig – eine lebende Vogelspinne! Er fragte ganz sachlich, ob jemand von uns auch dieses Tier in die Hand nehmen wolle? Unglaublich: Melanie traute sich doch tatsächlich! Alles ging gut; die Spinne krabbelte schnell wieder von Melanies Hand.

In einer anderen Klasse trauten sich auch einige Jungs und hielten ihre Hände gemeinsam hin, um die Spinne darauf kriechen zu lassen, was super klappte und natürlich ein Sonderfoto wert war.

Diese Ausstellung ist in ihrer Art konkurrenzlos. Ihr Besitzer weiß zu jedem Exemplar eine eigene Story. Uns blieb ein Hauch von Exotik und eine Ahnung von der Größe und Schönheit der Schöpfung, aber auch davon, was deren vielfache Zerstörung für einen unersetzbaren Verlust bedeutet.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht