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Zeitung in der Schule
Samstag, 18. August 2018 31° 1

Projekt

„Der Tag, als ich zum Dichter wurde“

Dieses Fazit zog die 9b des Neumarkter WGG, als der Literat Nevfel Cumart aus dem Klassenzimmer eine Schreibwerkstatt machte.
Von Gina Baumann und Lena Schumann, 9b des WGG

Mal ganz andere Gedanken hatten die Neuntklässler im Kopf, als ihr Schulzimmer zur Literaturschmiede wurde.Foto: Brandon Hernandez
Mal ganz andere Gedanken hatten die Neuntklässler im Kopf, als ihr Schulzimmer zur Literaturschmiede wurde.Foto: Brandon Hernandez

Neumarkt. „Eigentlich finde ich Gedichte total langweilig, aber nach dem Tag mit Nevfel Cumart fand ich sie doch ganz cool“, gestand ein Schüler der Klasse 9b des Willibald-Gluck-Gymnasiums nach der Schreibwerkstatt mit dem Dichter mit türkischen Wurzeln. Im dreistündigen Workshop stellte sich der Deutsch-Türke zunächst vor und witzelte über die Probleme, die Deutsche mit der Aussprache von türkischen Namen haben. „Am liebsten würde ich Ali Öztürk heißen.“, so der Dichter.

Lachend und voller Elan machten sich die Jugendlichen nach der Vorstellungsrunde an ihre eigenen Gedichte. So gingen die Schüler der von Nevfel Cumart gestellten Aufgabe nach, ein Akrostichon zu dem Begriff „Mein Zuhause“ zu dichten. Dazu eine Anmerkung der Redaktion: Bei einem Akrostichon wird zu jedem der untereinandergeschriebenen Buchstaben – in diesem Fall von „Mein Zuhause“ – ein eigenes Wort geschrieben. Diese Wörter hintereinander im Zusammenhang gelesen ergeben den Vers eines Gedichtes.

Wie ist das mit Goethe?

Dazu beantwortete Herr Cumart einige Fragen der Schülerinnen und Schüler. „Mit 17 Jahren habe ich angefangen, Gedichte zu schreiben“, erinnerte er sich. „Vergleichen Sie sich auch manchmal mit Goethe?“, wollte eine Schülerin neugierig wissen. Er würde gerne verglichen werden, sagte er schmunzelnd bei seiner Antwort. Auch sonst gab er sich sehr bescheiden. Und er meinte, dass er nur aus Spaß dichtet.

„Kommunikation statt Frontalunterricht“ ist Cumarts Motto. Im lockeren Gespräch fanden die Jugendlichen heraus, dass Cumart bereits 18 Gedichtbände geschrieben und dafür auch einige Literaturpreise erhalten hat.

Ebenfalls regte er die Schülerinnen und Schüler an, selber Gedichte über Gefühle zu schreiben. „Gedichte fühlen sich wie Gips an“, sinnierte er als Beispiel und dichtete weiter: „Freude ist hellgelb!“. Er machte den Schülerinnen und Schülern Mut und offenbarte: „Man muss dafür auch nicht gut in dem Fach Deutsch sein“. Er selber habe früher auch miese Schulnoten gehabt und habe trotzdem studiert. Nun schreibe er erfolgreiche Gedichte.

Die Biografie des Literaten

Nevfel Cumart, geboren 1964 in Lingenfeld (Rheinland-Pfalz), zählt zu den produktivsten Lyrikern der jüngeren Generation in Deutschland. Er wuchs in Stade (Niedersachsen) auf und studierte ab 1986 Turkologie, Arabistik, Iranistik und Islamwissenschaft in Bamberg. Seit 1993 lebt er freiberuflich als Schriftsteller, Referent, Übersetzer und Journalist in Bamberg.

Neben Lyrikbänden in Deutsch, Englisch und Türkisch veröffentlichte Cumart auch eine Sammlung mit Erzählungen, außerdem zahlreiche Prosabeiträge, Aufsätze und literarische Essays in diversen Anthologien und Fachpublikationen. Ausgewählte Gedichte von ihm wurden ins Polnische, Russische und Griechische übersetzt.
Für sein literarisches Werk erhielt Cumart diverse Literaturpreise wie den Kulturpreis Bayern (2008).

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