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Zeitung in der Schule
Sonntag, 19. August 2018 32° 3

Energie

Die kleinsten Maisvernichter

Schüler aus Roding wandelten einen Tag lang auf den Spuren der Bakterien in der Biogasanlage Schmack in Schwandorf.
Von Chantal Maier, Sicilia Ferale, Kevin Bibik, Jonas Knott, Simon Schweiger, Christine Topler aus der Klasse 8d der Mittelschule Roding

  • Ein Blick über die gesamte Biogasanlage am Standort Schwandorf zeigt die gewaltige Ausdehnung. Foto: Nora Balogh
  • Die Gärreste werden von den Landwirten abgeholt. Foto: Simona Petrova

Schwandorf.Die Schmack Biogasanlage in Schwandorf ist ein riesengroßes Gelände, auf dem ein sehr reger landwirtschaftlicher Verkehr herrscht. Auf dem Gelände sind große Fahrsilos, eine etwas kleinere Biogasanlage und eine große Anlage, da diese in zwei Bereiche aufgeteilt ist, um mehrere Geschäftszweige anzusteuern.

Die Schwandorfer Biogasanlage ist eine der zehn größten Deutschlands. Sie wurde die 2005 gebaut und 2006 in Betrieb genommen. Der Standort Schwandorf besteht aus zwei Anlagen, einer kleineren und einer sehr großen. Die kleinere Anlage benötigt etwa 15 000 Tonnen und die große 200 000 Tonnen Silage im Jahr.

Die Klasse hat sich mit ihren 17 Schülern auf eine große Waage gestellt, die an der Einfahrt zur Biogasanlage für die Erntefahrzeuge steht. Alle zusammen wiegen in etwa ein Zwanzigstel eines voll beladenen Rohstoff-Transportfahrzeuges, rechnet Geschäftsführer Manfred Ritz vor, der durch die Anlage führt.

Die Klasse wiegt 1320 Kilo

Die Klasse bringt in etwa 1320 Kilo auf die Waage, ein voll beladener Erntewagen wiegt zwischen 20 und 40 Tonnen. Eine Tonne Silage hat den Wert von rund 40 Euro. Die Erntezeit dauert das Sommerhalbjahr, vom Frühjahr bis zum Herbst. Die verwendete Silage besteht aus Mais, Gras und GPS (Ganzpflanzen-Silage). Die GPS wird vor der Reife der Frucht mit dem Maishäcksler zerkleinert, eingefahren in die riesigen Fahrsilos, mit Folie abgedeckt und mit Sandsäcken beschwert.

Im Frühjahr wird zunächst Gras geliefert, dann folgt im Sommer der zweite Grasschnitt und das Häckseln von GPS, im Herbst wird der dritte Grasschnitt eingefahren und Mais gehäckselt. Der Bauer, der dieses Futter anbaut, bekommt 75 Prozent von dem Rohstoff, den er liefert, an Substrat (Dünger) wieder zurück. Dieser Gärrest hat den riesen Vorteil gegenüber der Gülle, dass dieser nicht so stinkt, beziehungsweise nahezu geruchlos ist.

Die kleinere Anlage produziert Strom und Wärme, die Größere produziert ausschließlich Bio-Erdgas. So werden aus beiden Anlagen ca. 15 000 Menschen mit Strom und Wärme versorgt. Mit dem Bio-Erdgas, das die größere Anlage produziert, können ca. 3000 Haushalte versorgt werden. Die große Biogasanlage hat insgesamt 18,1 Millionen Euro gekostet und die kleinere 3,2 Millionen Euro. Die beiden Anlagen zusammen besitzen insgesamt fünf Fermenter. Der Fermenter ist das Gerät, in dem die Bakterien wohnen und die Silage zersetzen.

Die Silage muss immer mit einem Rührwerk im Fermenter umgerührt werden, weil die Bakterien zu faul sind, um darin herum zu schwimmen. Diese Bakterien sind also, weil sie so winzig sind, die kleinsten Maisvernichter der Welt.

Abwechslung für die Bakterien

Die verschiedenen Silage-Arten braucht man, damit die Bakterien nicht immer dasselbe fressen müssen. Zusätzlich dazu bekommen sie ab und zu Spurenelemente und ein spezielles Salz, das ihnen besonders gut schmeckt. Das kann man sich genau so vorstellen, wenn man immer nur dasselbe zum Essen bekommen würde. Irgendwann kann man es nicht mehr essen.

In den riesigen Behältern wird durch die Bakterien Erdgas, Strom und Wärme gewonnen. Im Jahr werden 90 Millionen Kilowattstunden (KW) Erdgas gewonnen. Ein KW kann man mit 1,36 PS vergleichen. In dem Container, in dem der Generator ist, mit dem der Strom gewonnen wird, ist es sehr laut.

Von dem Dach der Substratbehälter aus, kann man in die Behälter hineinsehen und von dort oben hat man die Gelegenheit das komplette Gelände der Schmack Biogas GmbH zu überblicken. Die beiden Anlagen sind sehr groß und ein Fahrsilo der großen Anlage ist ca. 135 Meter lang, die Wände sind fünf Meter hoch und die Gesamtfläche der vier Silos beträgt 15 000 Quadratmeter. Eine Biogasanlage kann man mit einem großen Bauernhof vergleichen, nur mit Bakterien als Tieren.

Die Schüler führten auch noch ein Interview mit Manfred Ritz, Geschäftsführer der Biogasanlage:

Manfred Ritz, Sie sind Geschäftsführer hier: Wie viele Leute kann die Biogasanlage im Jahr versorgen?

12 000 bis 15 000 Leute kann die Biogasanlage am Standort Schwandorf mit ihrer Energie pro Jahr versorgen.

Wann wurde die Biogasanlage in Schwandorf gegründet?

2005 wurde mit dem Bau angefangen und 2006 wurde die Anlage in Betrieb genommen. Mittlerweile haben wir eine Erntefläche von 1 100 Hektar. Ein Hektar hat 10 000 Quadratmeter.

Welche Rohstoffe liefern die Bauern an?

Die Bauern liefern Mais, Gras, GPS. GPS ist die Abkürzung für Getreideganzpflanzensilage.

Wann sind die Mitarbeiter der Biogasanlage vor Ort?

Von 7 bis 17 Uhr in der Regelarbeitszeit, während der Ernte bis 22 Uhr. Sie arbeiten im Schichtdienst während des Tages. Nachts läuft die Anlage vollautomatisch ohne Personal.

Gab es schon einmal Jahre, in denen es Probleme mit der Ernte gab?

2013 bis 2015 waren sehr trockene Jahre, in denen die Erträge in der Landwirtschaft geringer ausgefallen sind.

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