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Freizeit

Einblicke in die Schwandorfer Unterwelt

Geschichte hautnah erlebten Schüler aus Nittenau bei ihrem Besuch in den Felsenkellern. Vor allem ein Keller überraschte sie.
Von der Klasse M7 der Mittelschule Nittenau

Die Schüler erfuhren bei ihrem Ausflug in die Schwandorfer Felsenkeller alles aus 500 Jahren Stadtgeschichte. Foto: Klaus Beiderbeck
Die Schüler erfuhren bei ihrem Ausflug in die Schwandorfer Felsenkeller alles aus 500 Jahren Stadtgeschichte. Foto: Klaus Beiderbeck

Schwandorf.Schüler der Klasse M7 der Mittelschule Nittenau sind auf Erkundungstour gegangen. Ziel war die „Unterwelt Schwandorfs“, die ihnen von Christa Pigerl, der Gästeführerin des Amtes für Kultur, Marketing und Tourismus, präsentiert wurde. Viele der Schüler haben zwar die Felsenkeller gekannt, doch Genaueres wussten sie bisher nicht darüber. Umso mehr überrascht waren sie über das, was sie an diesem Vormittag erfahren konnten.

Hans-Werner Robold, der Felsenkellerbeauftragte und Leiter des Amtes für Kultur, Marketing und Tourismus in Schwandorf, hatte zur Besichtigung der aus fast 130 Felsenkellerabteilungen bestehenden Unterwelt der Großen Kreisstadt eingeladen. Nach dem Besteigen der Kellergewölbe im Bereich des Weinbergs hörten die Schüler zahlreiche Daten über die Entstehung und Geschichte der Felsenkeller.

Um 1500 wurden die ersten Felsenkeller in den Sandstein des Schwandorfer Bergs getrieben. Sie dienten wegen ihrer annähernd konstanten Temperaturen von etwa acht Grad Celsius den Schwandorfer Brauern als ideale Gär- und Lagerkeller für untergärig hergestelltes Bier. Die Schüler können heute nur noch erahnen, welch unverstellbare Arbeit und Mühe es den Menschen damals gemacht haben muss, diese Kellergewölbe auszugraben.

Brauwesen als Einnahmequelle

Etwa 100 Jahre später, um 1600, konnte Schwandorf dank der Umstellung auf die untere Gärung und damit dem Bau der Felsenkeller bereits Bier nach Regensburg und Nabburg „exportieren“. Das Brauwesen gehörte zu den wichtigsten Einnahmequellen der Stadt und ihrer Bewohner. So betrieben 1812 allein 80 Bürger das Kommunbraugewerbe. Dies wiederum hieß, dass bereits über 80 Felsenkellerräume existierten.

Um 1857/58 gründeten drei Kommunbrauer in Schwandorf Privatbrauereien. Die Felsenkeller erfuhren in der damaligen Zeit ihre letzte große Bauphase. Wegen der erhöhten Bierproduktion der größeren Brauereien wurden einige Bereiche der Felsenkeller zu ausgedehnten Systemen erweitert. Ab 1920 kam es zum allmählichen Niedergang des Kommunbrauwesens in Bayern. Die Felsenkeller wurden danach häufig als Lagerräume genutzt.

1931/32 trieben die Kellerdiebe in den Schwandorfer Felsenkellern ihr Unwesen. Zahlreiche Kolonialwaren-Lager lockten die Diebe an. In ihren nächtlichen Diebeszügen durchbrachen sie Abmauerungen und natürliche Felswände und verbanden so sieben Kellersysteme mit insgesamt über 60 Räumen und Gängen.

Blick in den „Elefantenkeller“

Das Kellerende ähnelt dem Kopf eines Elefanten – die Erweiterungsarbeiten am Kellerende links und rechts wurden sofort eingestellt, als man erfuhr, dass es nach draußen nur noch zwei Meter waren. Foto: Klaus Beiderbeck
Das Kellerende ähnelt dem Kopf eines Elefanten – die Erweiterungsarbeiten am Kellerende links und rechts wurden sofort eingestellt, als man erfuhr, dass es nach draußen nur noch zwei Meter waren. Foto: Klaus Beiderbeck

Besonderes Interesse fand der „Elefantenkeller“ bei den Schülern. „Sieht man auf das Kellerende, so glaubt man, dass dort ein Elefantenkopf zu sehen ist!“, sagte die 13-jährige Sophie. Und tatsächlich – das Kellerende sah aus wie der Kopf eines Elefanten. Die Besitzer wollten am Kellerende, links und rechts, den Keller erweitern. Nachdem aber bekannt wurde, dass es nach draußen nur noch zwei Meter waren, stellte man die Ausbauarbeiten sofort ein – so ist der „Elefantenkeller“ entstanden.

Ende des Zweiten Weltkriegs dienten die Felsenkeller Bürgern als Schutz vor Luftangriffen. 1945 retteten sie, teils umgerüstet zu Luftschutzbunkern, Tausenden Menschen das Leben, als Schwandorf durch einen Bombenangriff zu über 70 Prozent zerstört wurde.

Christa Pigerl hat es geschafft, den Schülern 500 Jahre Schwandorfer Bier- und Kellergeschichte in einem eineinhalbstündigen Rundgang abwechslungsreich darzubieten. Zwei Stunden Heimatgeschichte durfte die Klasse so in den Felsenkellern erleben.

Und als Pigerl zum Abschluss noch fragte, ob die Schüler wüssten, woher das Wort „Schafkopf“ stammt, meinten diese „vom Kopf eines Schafes“. Doch Pigerl klärte auf: „Der Name Schafkopf erinnert zwar sehr an das Schaf, stammt aber von dem Ort, an dem es gespielt wurde“ – nämlich auf den Deckeln („Köpfen“) von Fässern („Schaffen“)“ – und „Schaffen“ gab es genug in Schwandorf, wie die Klasse bei ihrem Besuch erfahren hat. Es ist also anzunehmen, dass auch die Schwandorfer im Mittelalter auf den „Köpfen“ des „Schaffes“ Karten gespielt haben – wieder etwas Neues gelernt.

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