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Medien

Eine Klasse geht live auf Sendung

Im Funkhaus Regensburg erfahren Schüler aus erster Hand, wie Radio gemacht wird. Hinter einer Sendung steckt viel Aufwand.
Von Elias H., Mario R., Marc S., Jenny S., Tina K., Lena M., Charlotte S., Sarah N., Anna H. und Victoria E., Klasse Ki10b des Berufsschulzentrums Regensburger Land

Unter Anleitung von charivari-Redaktionsleitung Anja Stubba darf Schüler Marc im Aufnahmeraum selbst ans Mikrofon. Foto: Noemi Fischer
Unter Anleitung von charivari-Redaktionsleitung Anja Stubba darf Schüler Marc im Aufnahmeraum selbst ans Mikrofon. Foto: Noemi Fischer

Regensburg.„Radio ist nach wie vor das schnellste Medium. Vergesst Facebook, vergesst das Internet, wenn ich hier das Mikrofon anmache und ,Hallo‘ sage, ist es gleich live.“ So hebt charivari-Moderator Matthias Koch die Vorzüge des Radios gegenüber anderen Medien hervor, während wir – die Klasse Ki10b der Berufsfachschule Kinderpflege des Schulzentrums Regensburger Land – ihm während der Live-Sendung über die Schulter schauen. Für ihn ist das Routine, für uns Schüler ist es absolutes Neuland.

Und so stehen wir mitten im charivari-Studio, beobachten Matthias Koch gebannt am Mischpult und staunen über die vielen Bildschirme, auf denen er sich scheinbar mühelos zu orientieren weiß. Wir wagen kaum zu atmen oder nur den leisesten Ton von uns zu geben, als er uns signalisiert, dass wir nun live auf Sendung gehen. Bis eben liefen noch die Nachrichten, nun aber leuchtet rotes Licht am Mikrofon!

Live im Studie: Die Schüler beobachten charivari-Moderator Matthias Koch bei der Arbeit. Foto: Noemi Fischer
Live im Studie: Die Schüler beobachten charivari-Moderator Matthias Koch bei der Arbeit. Foto: Noemi Fischer

Matthias Kochs Stimme ertönt in den Autos, in den Küchen und am Arbeitsplatz der Hörer. Hautnah erleben wir, wie erst die Verkehrsunfälle, dann die Blitzer und zu guter Letzt das Wetter gemeldet werden. Kochs Stimme klingt ruhig und souverän. Er scheint kein bisschen nervös, dass ihm gerade in diesem Moment Hunderttausende Menschen in Niederbayern und der Oberpfalz zuhören. Das war aber nicht immer so, wie wir in der hellen Eingangshalle des modernen Funkhaus-Gebäudes von der Chefredakteurin des Radiosenders charivari, Anja Stubba, zu Beginn unseres Besuchs erfahren hatten. Moderatoren sind durchaus nervös, wenn sie ihre Berufskarriere starten, werden aber in der Ausbildung durch Stimmschulung und Coaching auf ihre zukünftigen Aufgaben gut vorbereitet.

Die Macht der Stimme

Ob sich jemand von uns traut, an das Mikro zu gehen, will Anja Stubba in einem Aufnahmeraum wissen. Wir schauen uns zweifelnd an. Schließlich stellt sich unser Mitschüler Marc an das Mikro. Er soll immer wieder „Ich gehe mit Anja zum Eis essen“ sagen und dabei jeweils ein anderes Wort besonders betonen. Wir sind überrascht über die Macht der Stimme. Uns wird bewusst, wie die Betonung von einzelnen Wörtern die Bedeutung eines Satzes völlig verändern kann und wie wichtig dennoch die natürliche Aussprache ist, damit der einzelnen Satz und somit die ganze Sendung nicht künstlich klingt.

Auch erfahren wir, dass unter anderem die Stimme darüber entscheidet, ob sich ein Moderator für einen Radiosender eignet oder nicht und dass – je nach Radiosender – andere Themen relevant sind und eine besondere Musikauswahl getroffen wird. Denn nicht alle verfolgen dasselbe Konzept. Die Altersgruppe, das Geschlecht und die Interessen der Zuhörer sind entscheidend. Neben Radio charivari mit der Zielgruppe der 30- bis 60-Jährigen sind im Funkhaus nämlich weitere Radiosender für weitere Personenkreise untergebracht: Radio Galaxy, mehrere Sender der Absolut-Gruppe und gong fm. Letzterer soll vor allem mit einer aktuellen Musikauswahl aus dem Pop-Bereich das jüngere Publikum von 18 bis 35 Jahren ansprechen. Um zu erfahren, was diese hören wollen, werden regelmäßig Umfragen gemacht.

Live im Studie: Die Schüler beobachten charivari-Moderator Matthias Koch bei der Arbeit. Foto: Noemi Fischer
Live im Studie: Die Schüler beobachten charivari-Moderator Matthias Koch bei der Arbeit. Foto: Noemi Fischer

Ungefähr 100 Personen arbeiten in dem mit viel Glas ausgestatteten Gebäude des Funkhauses. So können wir Studiotechniker und Redakteure durch Glasscheiben in ihrem Großraumbüro vor Bildschirmen beobachten, die aktuelle Nachrichten aus und rund um Regensburg sammeln, mit Betroffenen telefonieren, Sendungen schreiben oder Playlists für diese zusammenstellen. Einige der Mitarbeiter sind gerade auf Achse, um Bürger zu interviewen, Experten zu hören und so die Stimmen zu aktuellen Ereignissen einzufangen.

Auch die Hörer gestalten mit

Die so entstandenen Beiträge müssen im Anschluss einzeln überarbeitet, geschnitten, mit passenden Hintergrundgeräuschen unterlegt, mit einer Moderation versehen und in die Gesamtsendung eingefügt werden. Damit wir rund um die Uhr Radio hören können, arbeiten die Nachrichtenredakteure und die Moderatoren sogar im Mehr-Schicht-System. Und auch wir Hörer gestalten die Sendung direkt mit: Durch Telefonanrufe können auch wir unsere Meinung zu aktuellen Themen im Radio äußern, andere vor Blitzern warnen und von unseren eigenen Erfahrungen und Erlebnissen berichten.

Für das Erstellen einer Radiosendung ist mehr Technik erforderlich, als wir ursprünglich dachten. Nach einem Blick auf den Master-Control-Raum im dritten Stock mit vielen Rechnern und Servern geht es durch das mittig gelegene Treppenhaus zurück in die Eingangshalle. Wir erfahren, dass nur Experten über Codes in das eben gesehene Herzstück des Funkhauses gelangen können. Dies soll verhindern, dass sich Laien an Reparaturen versuchen und einen Systemausfall und damit ein „radio off“ verursachen. Denn was wären wir ohne unser Radio?! Am Ende unseres Besuchs bleibt uns nichts anderes festzustellen als: Wir waren auf Sendung! Wir waren liver als live!

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