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Zeitung in der Schule
Samstag, 21. Juli 2018 28° 8

Geschichte

„Hier verloren wir auch unsere Seelen“

Dieser Satz begegnet der Fachklasse 11 für das Schornsteinfegerhandwerk Mühlbach beim Besuch der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.
Von Julian Schwirtz und Maria Kolb, BKK 11

Die Schüler der Außenstelle Mühlbach des staatlichen Berufschulzentrums Neumarkt besuchten die KZ-Gedenkstätte Flossenburg.Fotos: Helmut Nutz
Die Schüler der Außenstelle Mühlbach des staatlichen Berufschulzentrums Neumarkt besuchten die KZ-Gedenkstätte Flossenburg.Fotos: Helmut Nutz

Mühlbach.Das Konzentrationslager Flossenbürg war Ziel einer Exkursion der Fachklasse für das Schornsteinfegerhandwerk in der Außenstelle Mühlbach. Diese fand im Rahmen des Projekts „Zeitung in der Schule“ statt. Darüber haben Zwei Schüler der BKK 11, die zum staatlichen beruflichen Schulzentrum Neumarkt, gehört, diesen Bericht verfasst.

Die Nationalsozialisten entschieden sich für den Ort Flossenbürg in der nördlichen Oberpfalz, da es neben einer funktionierenden Bahnverbindung auch einen Granitsteinbruch mit umfangreichen Granitvorkommen gab. Mit diesem von den Insassen des Konzentrationslagers abgebauten Granit wollten die Nationalsozialisten unter der Führung von Hitler in Berlin unter anderem ein überdimensionales Stadion für das Volk mit einem Fassungsvermögen von über 400 000 Zuschauern errichten. Granit war das für die Nazis typische Baumaterial, mit dem sie den Wahn vom tausendjährigen Reichumsetzen und errichten wollten.

Der Rundgang beginnt für uns wie bei jeder anderen Gruppe auch bei der Kommandantur mit einem Torbogen in der Mitte, durch den die Häftlinge das Konzentrationslager erstmals betraten. Schließlich ging es für die Häftlinge auf dem Appellplatz weiter. Hier mussten die Häftlinge eine tägliche menschenverachtende Prozedur über sich ergehen lassen und bei eisiger Kälte stundenlang stehen, bis der Abzählvorgang zu Beginn und gegen Ende des Tages abgeschlossen war. Bei jedem Verstoß gegen die geltenden Lagerregeln wurden sie von den Kapos verprügelt.

Hier beginnt jede Führung: Am früheren Eingangstor des Konzentrationslagers.
Hier beginnt jede Führung: Am früheren Eingangstor des Konzentrationslagers.

Vom Appellplatz aus kann der Besucher noch gut erkennen, wo die Baracken der Häftlinge standen.

Nach dem Appellplatz ging es für die neu angekommenen Häftlinge in das angrenzende Gebäude, wo den Häftlingen alle ihre persönlichen Sachen abgenommen wurden, ihnen die Haare abrasiert wurden und wo ihr Name gegen eine Nummer ausgetauscht wurde.

Im Lager regierte brutale Willkür

Damit wurde den Menschen ihre Identität genommen und sie wurden auf eine Nummer reduziert. Im ehemaligen Lagergefängnis wurden Häftlinge, die sich nach Ansicht der Aufseher falsch verhalten hätten, auf grausame Art gefoltert.

Unter anderem war Dietrich Bonhoeffer, ein Widerstandsaktivist und evangelischer Pfarrer, in Flossenbürg inhaftiert. Kurz vor der Befreiung des KZ Flossenbürg durch die eintreffende amerikanische Armee wurde Dietrich Bonhoeffer am 9. April 1945 von den Nationalsozialisten noch im KZ Flossenbürg mit weiteren inhaftierten Häftlingen erhängt.

Vom Lagergefängnis aus sieht man noch Teile des Granitsteinbruchs, in dem die Häftlinge unter miserablen Zuständen arbeiten mussten. „Dieser verfluchte Steinbruch! Wie viele unzählige Menschenleben hat er gefressen!“, so wird ein russischer Häftling und Überlebender des KZ Flossenbürg zitiert.

Weiter unterhalb, auf dem Gelände der Gedenkstätte Flossenbürg im sogenannten „Tal des Todes“, steht das Krematorium. Hier wurden von den Nationalsozialisten die Leichen der im KZ umgekommenen oder umgebrachten Menschen verbrannt hat.

Ein Großteil der Lagerhäftlinge im Flossenbürg kam aus Osteuropa – vor allem aus Polen und Russland. Ein bestimmter Teil der Häftlinge wurde von den Nationalsozialisten zu sogenannten dann Kapos gemacht. Diese Häftlinge waren dafür verantwortlich, das Leben der Insassen im Lager nach den Vorschriften der Nationalsozialisten zu regeln. Im Gegenzug dafür bekamen sie spezielle Hafterleichterungen.

Die Kapos gingen ziemlich brutal mit den Häftlingen um. Die Baracken der Häftlinge waren größtenteils komplett überfüllt. Die Eingesperrten bekamen nur wenig zu essen. Wenn die Häftlinge mit ihren Kräften am Ende und damit nicht mehr arbeitsfähig waren, brachte man sie in sogenannte Sterbebarracken. Dort ließ man sie, ohne sich um die Häftlinge zu kümmern, elend sterben. Viele der Insassen des Konzentrationslagers Flossenbürg wurden auch direkt auf dem Hinrichtungsplatz erschossen.

Unbeschwertheit verfliegt bald

Natürlich hatten alle von uns Schülern schon etwas über die Konzentrationslager gehört und jeder wusste, auch wenn er noch nicht da war, welche Gräueltaten die Nazis dort an unschuldigen Menschen verübt hatten. Doch der Besuch eines solchen Lagers verleiht all dem eine ganz andere Tiefe und Wirklichkeitsnähe. Als die Auszubildenden des Schornsteinfegerhandwerks von der Außenstelle Mühlbach des BSZ Neumarkt auf den Parkplatz fahren, sind sie noch unbeschwert und voller Erwartungen an den Tag außerhalb der Schule. Doch schon bei der Ankunft vor dem Tor wird die Stimmung bedrückter. Jeder weiß, was ihn erwartet, doch trotzdem kann sich niemand das Ausmaß der hier verrichteten Taten wirklich vorstellen. Professionell werden wir über die gesamte Anlage geführt: Angefangen im sogenannten „Duschraum“ über die Gefängniszellen bis hin zum Krematorium und dem „Tal des Todes“.

Auch Fragen wurden gestellt. Auf deren Antworten hat die Klasse recht betroffen reagiert. Der Bezug zur heutigen Zeit konnte ebenfalls sehr anschaulich hergestellt werden. So wird zum Beispiel der Verlust der Gefangenen, die all ihre privaten Besitztümer an die SS verloren, mit dem Verlust des Handys heutzutage gleichgestellt. Dies verdeutlichte den Schülern die Tragweite des Verbots für Häftlinge, weder Briefpapier noch Bilder der Liebsten behalten zu dürfen.

Im Bus zurück nach Mühlbach und auch beim Abendessen hing die ernüchternde Stimmung noch lange nach, und das Thema lässt uns den Rest des Tages nicht mehr so recht los. Insgesamt war es ein bedrückender, aber auch informativer und höchst interessanter Tag, den keiner von uns so schnell wieder vergessen wird.

Zwei Aussprüche blieben den Schülern in Erinnerung. Der eine lautete „Hier haben wir nicht nur unsere Kleidung verloren, sondern auch unsere Seelen.“ Und: Jack Terry, ein Lagerhäftling, beschrieb, was die Überlebenden wohl nicht nur des Konzentrationslagers Flossenbürg danach gefühlt haben: „Obwohl ich Flossenbürg so schnell wie möglich verließ, hat Flossenbürg mich nie verlassen. Für uns, die ehemaligen Häftlinge, wurden die wiederkehrenden Erinnerungen an die Ereignisse der Vergangenheit zum Fundament unseres Lebens“.

Den Text haben Julian Schwirtz und Maria Kolb verfasst. Beide sind Auszubildende im Schornsteinfegerhandwerk. Sie lernen in der Berufsschule-Außenstelle Mühlbach.

Ziele beim Rundgang: Erschießungsplatz

Diese Gedenktafel steht dort, wo der Erschießungsplatz war.
Diese Gedenktafel steht dort, wo der Erschießungsplatz war.

in Teil der Gebäude ist bis in die heutige Zeit erhalten und kann von den Besuchern besichtigt werden wie die Kommandantur, das Krematorium oder den Erschießungsplatz.

Immer mehr politische Gefangene

So sah die Kleidung der KZ-Insassen aus.
So sah die Kleidung der KZ-Insassen aus.

Anfangs waren nur Kriminelle und „Asoziale“ inhaftiert. Später kamen immer mehr Menschen dazu, die wegen ihres Glaubens oder ihrer politischen Gesinnung verfolgt und eingesperrt wurden.

Das Gedenken der Toten

Hier wird der prominenten Opfer gedacht, deren Identität bekannt ist.
Hier wird der prominenten Opfer gedacht, deren Identität bekannt ist.

In einem Bereich der Gedenkstätte sind Porträts von im Flossenbürger „Tal des Todes“ ermordeten Menschen zu sehen. Einer von ihnen war der lutherische Theologe Dietrich Bonhoeffer.

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