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Zeitung in der Schule
Mittwoch, 26. September 2018 15° 1

Gesundheit

Hilfe für Suchtkranke in der Not

Drogensucht macht krank, verzweifelt und manchmal auch kriminell. Die Caritas-Beratungsstelle weiß Rat.
Von der Klasse 10b der Berufsfachschule für Büroberufe

Die Berufsfachschüler bei ihrem Besuch in der Suchtberatungsstelle der Caritas Foto: Jasmina Zomm
Die Berufsfachschüler bei ihrem Besuch in der Suchtberatungsstelle der Caritas Foto: Jasmina Zomm

Regensburg.„Die größte Hürde ist es, überhaupt zu sagen, ich bin so weit, ich brauche fachliche Unterstützung“, erzählte uns Christian Kreuzer, Leiter der Caritas Suchtberatungsstelle in Regensburg. Er erklärte der Klasse 10b aus der Berufsfachschule für Büroberufe, dass dies der erste Schritt für Betroffene sei, sich die Sucht einzugestehen und einen Entzug zu beginnen.

Der Raum, in dem wir dem Vortrag lauschten, wird normalerweise für Treffen der Betroffenen benutzt. Er ist relativ schlicht gehalten und macht einen professionellen Eindruck. Weiße Wände, an den Seiten ein paar Tische mit Flyern, Stühle und ein Flipchart stehen in der Ecke. Vermutlich noch vom letzten Gruppentreffen.

Allein 53 Prozent aller suchtkranken Menschen in Regensburg, die sich Hilfe bei der Beratungsstelle der Caritas suchen, sind alkoholabhängig. Bei der Entwöhnung treten Entzugserscheinungen auf, welche sich oft durch Schweißausbrüche, Unruhe und Schlaflosigkeit äußern. Auch Zittern ist eine häufige Erscheinung. „Wir hatten einen Patienten, der musste sich mit der Krawatte eine Stütze für seinen Arm bauen, um überhaupt den Kaffee trinken zu können, ohne ihn zu verschütten“, erzählt Christian Kreuzer.

Aktion „Spritzentausch“

Rund zwölf Prozent der abhängigen Menschen in Regensburg, die zur Beratungsstelle kommen, konsumieren Opioide wie Heroin. Damit die Betroffenen nicht über gemeinsamen Spritzengebrauch mit Krankheiten infiziert werden, hat die Caritas die Aktion „Spritzentausch“ ins Leben gerufen. „Dabei verteilen wir Päckchen mit sauberen Spritzen, zwei sterilisierten Löffeln, zwei Alkoholtupfern, Ascorbinsäure und sterilem, isotonem Wasser“, erklärt Christian Kreuzer und zeigt uns dabei, wie eine solche Tüte aussieht. „Ich sehe die Sucht als nicht heilbar an, man kann sie nur zum Stillstand bringen, da sie eher einer Allergie gleicht, nach der man sein Leben richten und gestalten muss“, so Kreuzer.

Christian Kreuzer, Leiter der Caritas Suchtberatungsstelle in Regensburg, während seines Vortrags  Foto: Jasmina Zomm
Christian Kreuzer, Leiter der Caritas Suchtberatungsstelle in Regensburg, während seines Vortrags Foto: Jasmina Zomm

Die Mitarbeiter geben den Patienten in den Therapiestunden Anregungen mit auf den Weg, um in ein gesundheitsbewusstes Leben zu starten. Es werden unterschiedliche Therapiemöglichkeiten angeboten, die sich nach der individuellen Situation richten. Einige Patienten werden an Krankenhäuser weitervermittelt, andere bekommen eine ambulante Behandlung und Therapie bei der Caritas. Bei Bedarf werden sie auch bei der Wohnungs- und Arbeitssuche unterstützt. Durch die hohen Preise der Drogen rutschen die Konsumenten oft in die Kriminalität. Sie geraten häufig in eine Schuldenspirale und überfallen aus Verzweiflung Tankstellen, Spielotheken oder Geschäfte. „Ihre Probleme vermehren sich dadurch noch mehr“, sagt Christian Kreuzer.

Viele verdrängen ihre Sucht und nehmen sie nicht als eine solche wahr. Oft kommt von den Angehörigen der Wunsch, sich doch bitte Hilfe zu suchen. Die Familie fühlt sich hilflos und ist mit der Situation teilweise überfordert. Deswegen wird sie von der Caritas mit in die Betreuung eingebunden und kann selbst an Treffen teilnehmen. Aber nicht nur die Suchtberater im Gebäude der Hemauer Straße helfen den Betroffenen. Auch Streetworker sind in der Stadt unterwegs. Sie knüpfen Kontakte und bauen Vertrauen auf. „Dies tun sie beispielsweise, indem sie regelmäßig ein Frühstück für die Patienten anbieten. Die Lebensmittel dafür werden von Hotels aus Regensburg gespendet.“

Vorbild und Motivation

„Warum ist es gut für die Patienten, in einer Selbsthilfegruppe zu sein?“, haben wir uns gefragt und bekamen die Antwort: Es werden Gruppen gebildet, in denen Menschen dabei sind, die ihre Sucht bereits besiegt haben. Sie sollen als Motivation, Vorbild aber auch als Abschreckung für diejenigen dienen, die noch nicht so weit sind, sich ihre Sucht einzugestehen. „Sie haben alle ähnlichen Probleme und fühlen sich von den Gruppenmitgliedern verstanden und respektiert“, erzählt Christian Kreuzer.

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