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Jobportrait

Im ganzen Schulhaus im Einsatz

Oskar Billmeier ist Hausmeister mit Leidenschaft am Burglengenfelder Johann-Michael-Fischer-Gymnasium.
Von den Schülern der Klasse 8c, Johann-Michael-Fischer Gymnasium Burglengenfeld

Oskar Billmeier und seine Frau organisieren auch den Pausenverkauf.
Oskar Billmeier und seine Frau organisieren auch den Pausenverkauf.

Burglengenfeld.Es ist 06:15 Uhr: Der Pausenhof des Johann-Michael-Fischer Gymnasiums in Burglengenfeld liegt verlassen in der Morgendämmerung. Eine ungewohnte Stille herrscht auf dem weitläufigen Gelände. Wenn man die Schule in diesen frühen Morgenstunden so sieht, ist es kaum vorstellbar, dass sich dort täglich etwa 800 Schüler tummeln. Und dennoch ist um diese Uhrzeit schon einer unterwegs auf dem Schulgelände und erledigt dort seine täglichen Aufgaben.

Oskar Billmeier, der Hausmeister des Gymnasiums, überquert wie jeden Morgen pfeifend den angenehm kühlen Pausenhof, wo schon bald Hunderte Schüler lärmend auf den Haupteingang zueilen werden. Dann wird es vorbei sein mit der Ruhe, die der 63-Jährige so sehr genießt, wenn er in aller Frühe den Bäcker begrüßt und Brezen, Semmeln und Gebäckstücke für den bald stattfindenden Pausenverkauf entgegennimmt.

06:30 Uhr: Im Schulhaus ist es noch dunkel. Nur die Morgendämmerung schickt ein paar schwache Lichtstrahlen durch die großen Fenster der Aula. Schnelle, bestimmte Schritte, die jeden Winkel des Schulhauses kennen, hallen durch die Gänge. Im Technikraum angekommen, überprüft Billmeier unzählige Pumpen und Ventile auf ihre Funktion. Wenn hier ein Fehler vorliegt, muss schnell gehandelt werden. 11 Grad Celsius im gesamten Schulgebäude waren die Folge eines Fehlers in der Heizanlage in den ersten harten Wintertagen des Jahres 2017. Solche Ausfälle gilt es zu vermeiden. Die Kontrollgänge haben somit oberste Priorität.

Dann kann sich der 63-Jährige schon auf seine Lieblingsaufgabe freuen, da in der ersten Pause der Pausenverkauf stattfindet. 9:30 Uhr. Der Gong ertönt im ganzen Schulhaus. Aus den Gängen, von den Treppen strömen Kinder und Jugendliche dicht an dicht gedrängt zum orangefarbenen Häuschen des Pausenverkaufs. Ein Duft von Essiggurken, frischen Nusshörnchen und Donuts weht durch die Aula. Zwischen zwei- und dreihundert Schüler stehen hier täglich Schlange und freuen sich auf das Angebot des Hausmeisterehepaares: Salamisemmeln, Krapfen oder auch einfach eine kleine Caprisonne stehen hier hoch im Kurs. „Die Burglengenfelder Schüler sind wirklich nett“, so Billmeier über seine jungen Kunden.

Doch dem Beruf des Hausmeisters am JMF ging Herr Billmeier nicht immer nach. Nachdem er seine mittlere Reife abgeschlossen hatte, machte er eine Ausbildung zum Polizisten. Diesen Beruf verfolgte er acht Jahre lang. Aber turbulente Tage beim Bundesgrenzschutz und wenig Zeit für die junge Familie waren nicht nach seinem Geschmack. „Das war schon eine harte Zeit!“, so Billmeier über diese Lebensphase. Was für ein Zufall, dass das Burglengenfelder Gymnasium gerade ein Hausmeisterehepaar suchte. Zunächst musste der gelernte Werkzeugmacher jedoch seine Frau von der Arbeitsstelle überzeugen. Denn ohne deren Hilfe liefe beim Pausenverkauf nichts. Das Angebot nahmen beide schließlich gerne an und sind mittlerweile schon ganze 35 Jahre am Gymnasium tätig.

Für Billmeier hätte es nicht besser kommen können. Er liebt es, Verantwortung für solch ein großes Gebäude zu übernehmen. „Ich mache diese Arbeit gerne, weil sie vielseitig ist und man mit jungen Leuten und netten Lehrerinnen und Lehrern zu tun hat“, resümiert er. Besonders angetan haben es Billmeier die Schul- und Sommerfeste, bei denen er allen mit Rat und Tat zur Seite steht. Auch an viele Abiturstreiche denkt er gerne zurück. So etwa an den Abistreich 2017, als das Kollegium auf dem Weg zum Lehrerzimmer einen riesigen Tunnel aus Strohballen passieren musste.

Jedoch bleiben nicht nur positive, sondern auch negative Ereignisse in Erinnerung. Als vor etlichen Jahren ein Feuer im Chemietrakt ausbricht, greifen die Flammen schnell auf den gesamten Neubau über und verursachen Schäden in Millionenhöhe. Die Wiederherstellung des betroffenen Teils der Schule nimmt ein Vierteljahr in Anspruch. Und auch ein paar Einbrüche musste er schon miterleben. Einmal, so Billmeier, hätte er bei einem seiner täglichen Routinegänge sogar fast einen Einbrecher auf frischer Tat ertappt. Nur wenig später sei er am Tatort gewesen.

Doch nicht nur die großen Ereignisse, auch viele kleine, alltägliche Vorfälle halten den 63-Jährigen auf Trab. Lockere Pflastersteine auf dem Pausenhof, die gefährliche Stolperfallen darstellen, oder schwergängige Zylinder und Schlösser, die geölt werden wollen, fordern die ständige Einsatzbereitschaft des Hausmeisters.

Gegen 21:30 Uhr schließlich macht Billmeier seinen letzten Kontrollgang. Sind alle Fenster verschlossen? Wurden alle Türen zugesperrt? Lehrer und Schüler sind längst zu Hause und auch die Kurse der Volkshochschule im Neubau haben geendet. Auch jetzt liegt wieder diese ungewohnte Ruhe, die er bereits in den frühen Morgenstunden so genoss, über dem Areal. Auch jetzt ist Billmeier wieder als Einziger unterwegs auf dem Schulgelände. Die Hitze des Schultages wurde längst verdrängt durch eine angenehme Kühle. Und so endet sein langer Arbeitstag.

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