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Zeitung in der Schule
Sonntag, 22. Juli 2018 24° 2

Bundeswehr

In Windeseile von null auf hundert

Schüler informierten sich bei der Luftwaffe über die Aufgaben der Bundeswehr. Wichtig ist die Sicherung des Luftraums
Von der Klasse M9a der Pestalozzi Mittelschule Regensburg

Die Schüler besuchten auch die Werft und durften sich dort einen Eurofighter aus der Nähe ansehen. Foto: Jessica Laudemann
Die Schüler besuchten auch die Werft und durften sich dort einen Eurofighter aus der Nähe ansehen. Foto: Jessica Laudemann

Neuburg.„Unsere wichtigste Aufgabe ist die QRA“, so Leutnant Egner vom Taktischen Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg an der Donau in der Wilhelm-Frankl-Kaserne. QRA steht für „Quick Reaction Alert“. Heutzutage wird der Begriff „QRA“ ausschließlich für die Alarmbereitschaft von Flugzeugen zur Sicherung des Luftraums verwendet. Mittels dieser Flugzeuge nehmen die Piloten Kontakt zu den unbekannten Flugzeugen im deutschen Luftraum auf. Unbekannt heißt, dass sie sich entweder nicht über Funk melden, oder aber vom Kurs abgewichen sind. Oft ist es allerdings so, dass der Pilot einfach seine Frequenz nicht auf das jeweilige Land umgestellt hat.

Im Einsatzfall nähert sich der „Eurofighter“ bis auf 30 bis 40 Meter dem fremden Flugzeug, nimmt sogar Blickkontakt mit dem anderen Piloten auf, um auf Nummer sicher zu gehen.

Der Eurofighter ist ein Flugzeug der vierten Generation. Vorher gab es schon die Phantom, den Starfighter und die F-86 K. Mit der F-86 K begann die Unterstellung unter Nato-Kommando (North Atlantic Treaty Organization: Nordatlantisches Verteidigungsbündnis).

Der Pilot fliegt alleine

Ein lautes Brummen legt sich über die Worte des Leutnants. Fluggeräusche des Eurofighters in zehn Kilometer Entfernung. Wieso eigentlich der Name „Eurofighter“? Beim Eurofighter handelt es sich um ein Gemeinschaftsunternehmen Deutschlands, Spaniens, Großbritanniens und Italiens. Ein Eurofighter kostet zwischen 80 und 100 Millionen Euro. Er kann bis zu 6500 Kilogramm Waffen laden. In diesem Flugzeug fliegt der Pilot alleine dank des „HOTAS-Prinzips“, alle Knöpfe und Hebel sind vom Piloten am Schuhhebel und am Steuerknüppel zu betätigen.

Dann geht’s in die Werft. Die Werft ist die Wartungshalle, die hell erleuchtet ist und einen eigenen besonderen Duft hat. Drei Eurofighter stehen dort zur Reparatur. Irgendwie sind sie nicht so groß, wie wir sie uns vorgestellt haben. Ein aufgeklapptes Cockpit lässt den Blick auf den Schleudersitz des Piloten frei. Sind Eurofighter anderer Nato-Länder vor Ort, werden sie auch hier repariert. Das ist der Gast-Service, den deutsche Eurofighter auch im Ausland genießen. In dieser Werft entsteht auch unser einziges Gruppenfoto vor einem Eurofighter. Es herrscht nämlich Fotografierverbot.

Anspruchsvolle Ausbildung

Zwei Fluggerätmechaniker stehen uns Rede und Antwort: „Die Dokumentation jeder Reparatur ist wichtig, um auch Fehler zuordnen zu können.“ Die Ausbildung sei sehr anspruchsvoll, da ja auch viel Verantwortung daran hänge. Auslandseinsätze gehören auch zum Berufsbild, erzählen die Mechaniker. Sophie lässt sich davon nicht beeindrucken, sie will nach wie vor Fluggerätmechanikerin werden. Der Frauenanteil an diesem Stützpunkt mit etwa 1000 Mitarbeitern beträgt knapp unter zehn Prozent.

Dreimal täglich starten drei Eurofighter. Zu jedem Start und jeder Landung muss die Feuerwehr des Stützpunktes ausrücken, da Starts und Landungen besonders gefährlich sind. Hier arbeiten über 90 Feuerwehrleute in zwei Schichten. Neben den üblichen Schläuchen zum Löschen mit Wasser sind auch Chemikalien an Bord und jede Menge Hightech. In diesen Cockpits dürfen wir auch mal Probe sitzen, bei den Eurofightern war das verboten. Von 400 Bewerbern zum Feuerwehrmann, zur Feuerwehrfrau werden zehn genommen. Auch hier gilt: Nur die Besten kommen zum Zug! Einige von uns verabschieden sich hier schon von diesem Berufswunsch.

Lautstarker Start

Nun endlich zum Rollfeld! In den „Sheltern“, grasbewachsene Garagen der Eurofighter, röhren schon die Triebwerke. Das Rollfeld ist 2,5 Kilometer lang. Vor dem Start werden die Eurofighter von den Fluggerätmechanikern durchgecheckt. Dann noch mal bei der „last chance“ (letzte Gelegenheit). Nun heißt es warten. Ein Flugzeug muss abdrehen, es hat die „last chance“ nicht gemeistert. Jetzt rollen drei andere vor. Nacheinander starten sie mit einer Lautstärke von 120 bis 130 Dezibel. Auf Anweisung von Leutnant Egner müssen wir uns die Ohren zuhalten.

Was sich am Anfang in der Kaserne als Brummen darstellte, hat hier schon eine andere Dimension. Die Eurofighter zischen an uns vorbei, das Geräusch ist noch zu hören, auch als die Flugzeuge schon nicht mehr zu sehen sind.

Schon gut, dass es sich nur um Übungsflüge handelt und nicht um einen echten Einsatz.

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