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Zeitung in der Schule
Mittwoch, 18. Juli 2018 29° 6

Museum

Künstlern über die Schulter schauen

Grundschüler aus Hainsacker werden bei einem Besuch in der Ostdeutschen Galerie in Regensburg selbst kreativ.
Von der Klasse 4a der Grundschule Hainsacker

Museumspädagogin Karla Volpert und die Klasse 4a aus Hainsacker vor einem mehrteiligen Porträt Foto: Maria Magdalena Haschke
Museumspädagogin Karla Volpert und die Klasse 4a aus Hainsacker vor einem mehrteiligen Porträt Foto: Maria Magdalena Haschke

Regensburg.„Den Künstlern über die Schulter schauen“, so lautete das Motto unserer Führung, zu der uns die Museumspädagogin Karla Volpert in der Ostdeutschen Galerie in Regensburg empfing. Sie erklärte uns, dass wir uns nun verschiedene Bilder zu dieser Thematik in der Ausstellung anschauen würden, die uns einen Einblick in die Entstehung der Kunstwerke aus der Sicht der Künstler geben sollen.

Als Erstes führte uns Karla Volpert zu dem zwölfteiligen Porträt des Fotografen Timm Rautert. Dieser hatte seinen Malerkollegen Neo Rauch bei seiner Arbeit im Atelier fotografiert. Auf den Fotografien sah man den Maler bei der Entstehung eines Bildes. Interessant war, dass Rautert die Fotografien nicht in der zeitlichen Abfolge hängen ließ, sondern die Reihenfolge so wählte, dass man die Fotografien genau anschauen musste, um zu erkennen, wie der Maler beim Malen seines Bildes vorgegangen war. Karla Volpert erzählte uns, dass der Fotograf Timm Rautert 2008, als erster Fotograf, den Lovis-Corinth-Preis für sein Lebenswerk erhielt.

„Tischlein deck dich“

Beim nächsten Kunstwerk staunten wir nicht schlecht, da hatte doch jemand einfach einen nicht abgedeckten Tisch mitsamt schmutzigem Tischtuch, benutztem Geschirr und Essensresten an die Wand gehängt.

Auch schmutziges Geschirr kann Kunst sein. Foto: Maria Magdalena Haschke
Auch schmutziges Geschirr kann Kunst sein. Foto: Maria Magdalena Haschke

Dieses Kunstwerk heißt „Das Palindromische Bankett“ und wurde von dem Künstler Daniel Sporri 2002 in der Ostdeutschen Galerie nach einem Festessen angefertigt. Die Museumspädagogin berichtete uns dazu, dass es auf diesem Bankett ein recht merkwürdiges Essen gegeben haben soll, dass heißt das Essen schmeckte anders, als es aussah oder den Essensgewohnheiten entsprach.

Nach dem Essen wurden alle Gegenstände, die sich auf dem Tischtuch befanden von Spoerri aufgeklebt, so dass es jetzt so aussieht, als sei der Tisch nach dem Essen gerade erst verlassen worden. Daniel Spoerri wurde 2016 für dieses Kunstwerk mit dem Lovis-Corinth-Preis ausgezeichnet.

Spannung pur

Das dritte Kunstwerk, das wir betrachteten, fanden wir besonders spannend. Das Bild hieß „Amazone auf Schimmel“ und war 1966 von Arthur Degner mit Ölfarbe auf Leinwand gemalt worden. Das Bild zeigt eine unbekleidete Amazone auf ihrem Schimmel. Sie hält in der rechten Hand ihres ausgestreckten Armes einen Bogen, den sie anscheinend abgeschossen hat. Ihr Blick folgt ihrem Pfeil, während der Schimmel sich gerade aufbäumt und es ist fraglich, ob sich die Frau in ihrer Position halten kann. Hinter dem Schimmel ist ein zu Boden stürzender Mann zu erkennen. Degner erstellte sein Bild im expressionistischen Stil, das heißt, er verwendet sehr kräftige Farben und vereinfacht die Formen stark. Der Boden und das Gesicht der Frau im Gemälde sind rot, das könnte für starke Gefühle wie Wut, Mut oder Leidenschaft stehen. Das Blau, das als weitere Hintergrundfarbe eingesetzte wurde, bildet möglicherweise den Himmel oder Wasser ab. Die Figuren setzen sich aufgrund ihrer hellen Farbe mit deutlichem Kontrast vom Hintergrund ab. Alles in diesem Bild befindet sich in Bewegung und erzeugt so eine große Dynamik, die sich auch auf den Betrachter auswirkt.

Bevor wir uns zum nächsten Kunstwerk aufmachten, holte die Museumspädagogin einen Korb heraus und zeigte uns Materialien, die man zum Malen eines Ölbildes benötigt.

Maxim Kopf porträtiert Mary Duras

Auf seinem Gemälde porträtiert der Maler Maxim Kopf 1928 seine Ehefrau, die Bildhauerin Mary Duras. Das Porträt zeigt Mary Duras bei ihrer Arbeit, wie sie mit Hammer und Meißel eine Figur aus dem Stein haut. Kopf wählt bei seiner natürlich anmutende Darstellung gedeckte Farben, die sich im Bereich von Grau und Braun wiederfinden lassen. Reizvoll ist, dass direkt neben diesem Bild eine von Mary Duras 1937 hergestellte Bronzemaske ausgestellt wird. Die Maske stellt die Schauspielerin Tilla Durieux in ihrer Rolle als Lady Macbeth dar.

Die Zeichnungen der Kinder sind schön bunt und vielfältig geworden. Foto: Maria Magdalena Haschke
Die Zeichnungen der Kinder sind schön bunt und vielfältig geworden. Foto: Maria Magdalena Haschke

Der letzte Künstler, dem wir bei unserer Führung „über die Schulter schauen durften“, war der Maler Conrad Felixmüller, der 1923 das Ölbild „Ich male meinen Sohn Luca“ malte. In dem Gemälde hat Felixmüller sich selbst gemalt, wie er vor einer Staffelei stehend, seinen fünfjährigen Sohn Luca malt. Kleidung und Hintergrund werden von dunklem Blau und Rot dominiert, während Gesichter und Hände der Personen mit helleren Farben dargestellt sind. Vor allem Lucas Gesicht, Hände und sein Hals treten durch leuchtende, expressionistische Farben hervor und lassen die starken Gefühle, die der Maler für seinen Sohn hat, erkennen. Expressionistische Farben bedeuten, dass die Farbgebung hier nicht realistisch dargestellt ist, sondern eher der Gefühlswelt des Malers entspringt.

Kunterbunte Gefühlswelten

Eifrig gingen die Buben und Mädchen ans Werk. Foto: Maria Magdalena Haschke
Eifrig gingen die Buben und Mädchen ans Werk. Foto: Maria Magdalena Haschke

Im Anschluss an unsere Führung durften wir selber Künstler sein und gingen mit Karla Volpert ins Atelier. Hier sollten wir mit starken Farben unsere Gefühle ausdrücken und ein Selbstporträt malen. Unter Anleitung skizzierten wir zuerst mit Bleistift unseren Kopf in der Form eines Eies, das mit der Spitze nach unten zeigt. Die Augen sollten genau in der Mitte des Kopfes eingezeichnet werden, auch der Mund und die Ohren mussten ihren Platz finden. Dann kam der schönste Teil des Workshops, wir konnten ganz nach Stimmung die Farben für unser Porträt wählen und unser Bild kunterbunt anmalen.

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