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Geschichte

Lehrreicher Ausflug ins Mittelalter

Grundschüler der Kreuzschule haben das Reichstagsmuseum in Regensburg besichtigt – und testeten den Kaiserthron.
Von der Klasse 4c der Kreuzschule in Regensburg

Die Klasse 4c vor dem Eingangsportal des Alten Rathauses Foto: Irouschek
Die Klasse 4c vor dem Eingangsportal des Alten Rathauses Foto: Irouschek

Regensburg.„Das ist bestimmt das Reichssaalgebäude!“, rufen die Schüler der Klasse 4c der Regensburger Kreuzschule, als sie vor dem Alten Rathaus stehen. Dieses besteht aus drei Teilen, die zu unterschiedlichen Zeiten erbaut wurden. Das dunkelgelbe Gebäude mit dem auffälligen Erker hebt sich deutlich vom Mittelteil des Rathauses ab, er ist schon über 1000 Jahre alt. Bei dem großen Tor ist der Einlass.

Aber zuerst bewundern die Schüler die beiden Steinfiguren Schutz und Trutz, die über dem Holztor eingemeißelt sind. Die eine Figur hält einen Stein, die andere eine Streitaxt in der Hand. Sie zeigen, dass Regensburg schon immer eine wehrhafte Stadt war.

In der düsteren Eingangshalle wartet schon eine freundliche Mitarbeiterin des Reichstagsmuseums, die die Klasse durch das Gebäude führt. Zuerst geht es in das Kurfürstenzimmer.

Raum für Beratungen

In der Mitte steht ein großer, runder Holztisch mit einer grünen Tischdecke. Um ihn herum sind sieben alte Stühle mit einer ledernen Sitzfläche versammelt. Der Raum selbst ist mit dunklem Holz vertäfelt. Die Museumsführerin erklärt, dass sich in diesen Raum die sieben Kurfürsten oft zur Beratung zurückzogen. An der Wand hängt ein großes Bild. Es sollte die Kurfürsten daran erinnern, wie man ein Land regiert. Im Hintergrund ist die Stadt Regensburg zu sehen, davor sind fünf Frauen abgebildet. Sie symbolisieren die Liebe, die Gerechtigkeit und die Klugheit, sowie Wohlstand und Frieden. Auf der anderen Seite fällt den Schülern eine große, bemalte Pendeluhr auf, die jeden Tag aufgezogen werden muss. „Die hat ja nur einen Zeiger!“, fällt den Schülern sofort auf. Sie erfahren, dass im Mittelalter alle Uhren nur einen Stundenzeiger hatten.

Dann geht es endlich in den berühmten Reichssaal. Die Schüler schreiten durch ein großes verziertes Portal. Im Mittelalter durften nur der Kaiser und die Kurfürsten durch dieses Tor gehen. Alle anderen mussten eine Nebentür benutzen. In dem riesigen, länglichen Saal stehen in vielen Reihen Holzbänke. An der Stirnseite befindet sich, vier Treppenstufen hoch, ein höherer Stuhl unter einem Baldachin. Die Schüler stürmen in den Saal und suchen sich gleich Plätze.

Kostbare Wandteppiche

Die Führerin erklärt den Schülern, dass dieser Saal im 14. Jahrhundert zuerst als Tanzsaal verwendet wurde. Erst später, ab 1663, fand dort der Immerwährende Reichstag statt. Im ganzen Raum hingen kostbare Wandteppiche. Hier tagte der Kaiser mit seinen Kurfürsten und wichtigen Vertretern des Reiches. Die Sitzordnung war genau festgelegt. An der höchsten Stelle, dem Thron unter einem Baldachin mit dem zweiköpfigen Adler drauf, saß der Kaiser.

Eine Schülerin testet den ehemaligen Kaiserthron. Foto: Christine Sgolik
Eine Schülerin testet den ehemaligen Kaiserthron. Foto: Christine Sgolik

Nun darf auf dem Kaiserthron die Klassensprecherin der 4c, Sophia, Platz nehmen. Links und rechts davon stehen auf zwei Stufen rote Bänke. Hier saßen die sieben Kurfürsten. An den Längsseiten des Saals standen grüne Bänke auf einer Stufe: Hier waren die Bischöfe und Herzöge. In den Reihen vor dem Kaiser saßen die kirchlichen und weltlichen Reichsfürsten. Nachdem es ja auch Klöster mit Nonnen gab, waren im Reichstag nicht nur Äbte, sondern auch Äbtissinnen, die die Nonnenklöster führten. Dahinter durften die Vertreter der freien Reichsstädte Platz nehmen. Der Kaiser weilte oft in Regensburg. Wichtige Entscheidungen wurden durch das Erkerfenster im Reichssaal dem Volk bekannt gegeben. Einmal soll der Kaiser sogar aus diesem Erkerfenster Geld für das Volk geworfen haben. Daher kommt der Spruch: „Das Geld aus dem Fenster werfen.“

Insgesamt war es ein lehrreicher Ausflug ins Mittelalter, der den Schülern viel Spaß gemacht hat.

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