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Aktion

Musik ist eine Freude für Jung und Alt

Schüler sangen vor Senioren im Heim Volkslieder und Popsongs. Mit den Reaktionen hätten sie nicht gerechnet.
Von Bernadette, Magdalena, Sophia, Marina, Madlen und weiteren Schülern der Klasse B, Schule für Kranke

Mit Gitarre und Notenblättern machten sich die Schüler auf den Weg ins Altenheim. Foto: Louisa Knobloch
Mit Gitarre und Notenblättern machten sich die Schüler auf den Weg ins Altenheim. Foto: Louisa Knobloch

Regensburg.Als wir „Drunt in da Greaner Au“ und „Marmor, Stein und Eisen bricht“ anstimmen, fangen die Senioren des Johannes-Stifts an, mitzuwippen und mitzusingen. Und bei „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ weinen einige Zuhörer sogar vor Rührung. Mit dieser Reaktion hatten wir nicht gerechnet.

Wir waren schon sehr nervös, als wir an diesem Donnerstag im Februar den Berg hoch zum Altenheim gegenüber des Bezirksklinikums gegangen sind. Wir, das sind fünf Patienten der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Schüler der Schule für Kranke mit Problemen wie Depressionen, Essstörung und anderen psychischen Erkrankungen. Auf die Idee, im Altenheim vorzusingen, sind wir eigentlich dadurch gekommen, dass wir in unserer Schule mit unserem Lehrer, Oskar Groß, schon öfter gesungen haben, wobei er uns mit der Gitarre begleitet hat.

Die Aufregung fällt plötzlich von uns ab

Da wir auch Lust hatten, anderen vorzusingen, rief unser Lehrer im nicht weit entfernten Johannes-Stift an und fragte, ob Interesse an einem kleinen Vorsingen für die Senioren bestehe. Im Altenheim angekommen, sitzen wir auf bequemen Couchen und Sesseln in der großen, mit Glas überdachten Empfangshalle und schauen den älteren Leuten bei Gymnastikübungen zu. Gespannt warten wir auf die Reaktion der Senioren, auf das „Okay“ zum Aufstellen für unseren Auftritt.

Nach einer für uns ewig scheinenden Zeit begrüßt uns eine Mitarbeiterin und führt uns in den gemütlichen Aufenthaltsraum. Als alle Zuschauer da sind und wir unsere Aufstellung eingenommen haben, werden wir nochmals herzlich vom Pflegepersonal, insbesondere von Monika Hoidis, begrüßt und beginnen dann zu singen. Während unser Lehrer die ersten Töne mit der Gitarre anschlägt, fällt alle Aufregung von uns ab und wir genießen einfach das Gefühl, den Leuten mit unseren Liedern wie „Hallelujah“ und „Mein kleiner grüner Kaktus“ eine Freude zu machen. Auch machen wir während des Vorsingens einige Späße in der Gruppe, was den Senioren anscheinend gut gefällt. Am Ende klatschen die älteren Leute und das Pflegepersonal lobt und dankt uns recht herzlich.

Senioren sind dankbar für Abwechslung

Eine Seniorin meint: „Beim ersten Auftritt habe ich geweint, es ergreift mich, es geht an einem nicht vorbei. Beeindruckend fand ich die Wahl der Lieder, so gemischt und eben alte Lieder, die kennen wir alle.“ Sie fügt an: „Es war schön zu sehen, wie die jungen Leute heute miteinander singen.“ Eine andere ältere Dame, die sich verbal nur wenig äußern kann, sagt leise, es habe ihr „sehr gut“ gefallen und dabei strahlt ihr Gesicht und ihre Augen leuchten. Eine weitere Zuhörerin findet: „Das Vorsingen hat mir sehr gefallen. Ich bin dankbar für jede Abwechslung.“ Auch unser persönlicher Eindruck war, dass es den Bewohnern des Altenheims sehr gut getan hat, eine willkommene Abwechslung in ihren Alltag zu bekommen. Auch wenn wir anfangs noch recht nervös waren, freuten wir uns im Nachhinein ziemlich über das gelungene Vorsingen. Es war ein unbeschreibliches Glücksgefühl, dass man mit Dingen, die von uns und unserer Gesellschaft als Kleinigkeiten angesehen werden, älteren Menschen eine solche Freude bereiten kann.

Das zauberte uns ein anhaltendes Grinsen auf die Lippen, was den Tag ein kleines Stückchen besser machte. Wir sind nun sehr motiviert, weitere Lieder einzustudieren und anderen Menschen vorzutragen. Der Auftritt hat unser Selbstwertgefühl um einiges gesteigert und uns gezeigt hat, dass auch wir gebraucht werden, selbst wenn wir uns oft auf Grund unserer Krankheiten wertlos und ungeliebt fühlen.

Außerdem hat es sehr unser Herz erwärmt, als uns eine ältere Dame liebevoll zugewunken hat, als wir die große Empfangshalle verließen und zur Klinik zurückgingen.

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