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Handel

So kommt die Ware ins Discounterregal

In der Netto-Zentrale in Ponholz erfahren Schüler, welche Logistik nötig ist, um die Märkte mit frischer Ware zu versorgen.
Von der Klasse 8a der Willi-Ulfig-Mittelschule, Regensburg

Von Obst und Gemüse bis Tiefkühlkost reicht die Bandbreite der Waren im Zentrallager, wie Severin Geisenfelder den Schülern erläutert. Foto: Jessica Stilp
Von Obst und Gemüse bis Tiefkühlkost reicht die Bandbreite der Waren im Zentrallager, wie Severin Geisenfelder den Schülern erläutert. Foto: Jessica Stilp

Ponholz. „Dann geh doch zu Netto!“ – Diesen bekannten Werbeslogan des Discounters Netto nehmen die Schüler der Klasse 8a der Willi-Ulfig-Mittelschule aus Regensburg Ende Februar wörtlich. Sie wollen der Frage nachgehen, wie die Lebensmittel vom Bauern zu Netto ins Regal gelangen. Der beste Ort, um das zu erfahren, ist die Netto-Zentrale in Ponholz.

Am Haupteingang empfängt Jessica Stilp, Junior Manager Digitales bei Netto in Ponholz, die Klasse. Was sofort auffällt: In diesem Gebäude lagern keine Waren. „Diese befinden sich in der großen Halle nebenan“, erklärt Jessica Stilp. Die Gruppe folgt ihr zum Konferenzraum hoch in den vierten Stock. Der Blick aus dem Fenster lässt einen bereits hier erahnen, was in der Lagerhalle los ist. Dutzende LKWs fahren auf das Gelände oder verlassen es wieder. LKWs stehen an den Laderampen und werden be- oder entladen.

„Schön, dass ihr da seid!“, begrüßt der Abteilungsleiter der Zentrallogistik, Severin Geisenfelder, die Schüler. In einem kurzen Vortrag erfahren die Jugendlichen, dass Netto mit rund 13,1 Milliarden Euro einer der umsatzstärksten Discounter Deutschlands ist. Über 75 000 Mitarbeiter versorgen pro Woche 21 Millionen Kunden in 4200 Filialen in ganz Deutschland mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs. Damit dies funktioniert, werden die Filialen aus insgesamt 20 Distributionszentren mit Waren versorgt. Eines dieser Zentren ist in Ponholz. Von dort aus werden 187 Filialen mit über 50 LKWs beliefert. Rund 350 Mitarbeiter sorgen dafür, dass pro Monat tausende Paletten mit Waren das Zentrallager verlassen.

Ware hin, Leergut zurück

Welche Mengen man sich darunter vorstellen muss, wird den Schülern in der anschließenden Führung durch die große Lagerhalle klar. Die Tür geht auf, man erkennt Regale, die bis unter die Decke reichen, unzählige Paletten mit Mineralwasser, Milch, aber auch Getränkekisten mit Bier und Limonade. Hier im Hochlager werden Waren eingelagert, bis sie wieder für die Auslieferung in die Filialen entnommen werden. Das übernehmen Mitarbeiter, die auf kleinen Staplerfahrzeugen durch die Regalreihen flitzen. Über ein Headset erhalten sie Informationen, welche Waren sie für eine Bestellung einsammeln und zur Warenausgabe bringen müssen. Dort werden die LKW-Ladungen für die Belieferung der einzelnen Filialen zusammengestellt.

In hohen Regalen lagert Ware. Foto: Jessica Stilp
In hohen Regalen lagert Ware. Foto: Jessica Stilp

Damit diese LKWs nicht leer zum Lager zurückfahren, bringen sie Kartonagen, Kunststoffverpackungen und Getränkeleergut aus den Filialen mit. Kartonagen und Kunststoffe werden gesammelt, gepresst und dann an Recyclingfirmen weiterverkauft. Damit leistet Netto einen nachhaltigen Beitrag zum Umweltschutz. Der Weg durch die Halle führt die Gruppe weiter in einen Bereich, in dem es ziemlich laut ist. Es klappert und scheppert überall. Mitarbeiter schieben Paletten mit gestapelten Getränkekisten auf die Förderanlage. „Hier werden die Leergutkästen der einzelnen Brauereien und Getränkehersteller sortiert“, erklärt Severin Geisenfelder. Ein Scanner in der Anlage erkennt Farbe, Logo und Aussehen der Getränkekästen und lässt diese dann über ein Förderband zur Sammelstelle rollen. Dort stapelt ein Mitarbeiter alle gleichen Kästen auf eine Palette. Nebenan sind große Säcke und eine Anlage mit einem großen Trichter zu erkennen. Alles ist mit Gittern und Netzen abgesperrt. Hier werden PET-Pfandflaschen und Pfanddosen auseinandersortiert und gezählt. Dies geschieht, um mit anderen Supermärkten das Pfand abzurechnen.

Netto in Zahlen

  • Handelskette:

    Netto Marken-Discount betreibt in Deutschland rund 4200 Filialen. Das Unternehmen beschäftigt bundesweit über 75 000 Mitarbeiter.

  • Versorgung:

    Eines von bundesweit 20 Distributionszentren von Netto ist in Ponholz. Von dort aus werden 187 Filialen mit über 50 LKWs beliefert. Rund 350 Mitarbeiter arbeiten hier.

Im nächsten Abschnitt der Halle wird es deutlich kühler. Bei zwölf Grad warten hier Obst und Gemüse auf ihre Auslieferung. „Wir legen besonderen Wert auf regionale Produkte. So können die Transportwege möglichst kurz gehalten werden“, erfahren die Schüler von Severin Geisenfelder. Deswegen stammt insbesondere das Gemüse oft von Landwirten aus der Umgebung. Über die Initiative „Ein Herz für Erzeuger“, die Netto 2008 ins Leben gerufen hat, werden alle Produkte dieser Eigenmarke mit zehn Cent Aufschlag verkauft. Diese zehn Cent gehen ohne Abzüge direkt an die Erzeuger. Die Lagerbestände beim Obst und Gemüse werden möglichst gering gehalten und sechs Mal pro Woche nachgeliefert, um immer frische Produkte zur Verfügung zu haben. Bei der Auslieferung werden deshalb auch zuerst die Waren entnommen, welche als erstes eingelagert wurden. Um eine hohe Qualität zu garantieren, werden die frischen Produkte bei der Warenanlieferung und beim Warenausgang genau kontrolliert.

Beim Eintreten in den nächsten Lagerbereich öffnen sich die Rolltore in rasantem Tempo und schließen sich hinter der Gruppe genauso schnell wieder. Das macht Sinn, denn hier stapeln sich Kisten mit Frischfleischprodukten, wie zum Beispiel Hackfleisch bei etwa ein Grad Celsius und die sogenannte Kühlkette darf auf keinen Fall unterbrochen werden. Die Menge insgesamt ist überschaubar. Es werden keine großen Lagerbestände vorgehalten und gegen Abend ist der Lagerbereich leer, denn Hackfleisch ist nicht allzu lange haltbar.

Viele Ausbildungsberufe

Vor dem nächsten Tor fallen dick vermummte Mitarbeiter auf, die zu Fuß oder auf kleinen lautlosen Staplerfahrzeugen unterwegs sind. Nachdem sich das Tor geöffnet und blitzschnell wieder geschlossen hat, wissen die Schüler auch warum. Bei minus 25 Grad Celsius ist jeder froh, der eine warme Jacke an hat und eine Kapuze oder Mütze überziehen kann. Ohne spezielle Kälteschutzkleidung kann man es hier nicht lange aushalten. Das gilt auch für die Mitarbeiter, die im Tiefkühlbereich Waren aus den Regalen einsammeln und in vorgekühlte Thermoboxen verladen. Aus Sicherheitsgründen darf sich hier nie eine Person alleine aufhalten. Wer hier arbeitet, darf auch länger Pause machen, um sich wieder aufzuwärmen. Bereits nach wenigen Minuten verlassen die Schüler schlotternd und mit roten Nasen und Ohren die Halle für Tiefkühlkost.

Katharina Hierl gibt Informationen zur Ausbildung bei Netto. Foto: Jessica Stilp
Katharina Hierl gibt Informationen zur Ausbildung bei Netto. Foto: Jessica Stilp

Kurz darauf haben sie den Ausgangspunkt der Führung wieder erreicht und steigen wieder die Stufen zum Konferenzraum im vierten Stock hoch. Das wärmt. Zum Abschluss gibt Katharina Hierl aus der Personalabteilung, die für die Auszubildenden und Praktikanten bei Netto zuständig ist, einen Überblick über alle Berufe, in denen Netto ausbildet. „Netto bietet allen Auszubildenden bei sehr guten Leistungen eine Übernahmegarantie“, sagt Katharina Hierl. Das ist, im Vergleich zu anderen Ausbildungsbetrieben, keine Selbstverständlichkeit. Da die Schüler der 8a sich gerade in der Berufsorientierung befinden und in naher Zukunft auch die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz ansteht, könnten einige Schüler letztendlich den anfangs erwähnten Werbeslogan wieder wörtlich nehmen: „Dann geh doch zu Netto!“.

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