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Soziales

Streetworker helfen, wo viele wegschauen

Sozialarbeiter Ben Peter hilft Obdachlosen und drogensüchtigen Menschen in Regensburg – direkt auf der Straße.
Von Agnes, Klara, Sebastian und Cassia der Klasse K3 von der Schule für Kranke, Regensburg

Streetworker Ben Peter ist häufig rund um den Regensburger Bahnhof unterwegs.. Foto: K 3
Streetworker Ben Peter ist häufig rund um den Regensburger Bahnhof unterwegs.. Foto: K 3

Regensburg.Bereits von weitem erkennen ihn die Leute an seinen blauen Haaren: Ben Peter. Täglich läuft der Streetworker der Caritas zwei Stunden durch Regensburg und kümmert sich um Menschen, die Hilfe brauchen. Der Sozialarbeiter ist lässig gekleidet, trägt Lederjacke und Jeans.

Viele Hilfebedürftige kennen Ben Peter bereits und hoffen auf seine Hilfe, wenn er in die Szene kommt. Peter geht direkt auf die Menschen zu, meistens am Bahnhof. Zunächst schaut er, ob sie überhaupt Interesse daran haben, seine Hilfe anzunehmen. Viele von ihnen sind Drogenabhängige oder Obdachlose. Er bietet ihnen an, sie zu Behörden, Anwälten oder zum Arbeitsamt zu begleiten. „Mir macht die Arbeit viel Spaß“, sagt der Streetworker. Der Beruf sei sehr abwechslungsreich und biete immer wieder neue Erlebnisse. Zwei Stunden am Tag ist er in der Szene unterwegs, dabei verteilt er auch Essen an die Bedürftigen.

Gute Gespräche

Zurzeit betreut Peter 200 bis 300 Menschen, die Arbeit geht ihm nie aus. „Ich kann den Menschen nicht alles abnehmen, aber ich biete ihnen Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt er. Wie erfolgreich er in seiner Arbeit ist, hängt vom Einzelfall ab. „Wenn ich jemanden an die Suchthilfe vermittle oder einfach ein gutes Gespräch führe, ist es bereits ein Fortschritt“, so der Sozialarbeiter. Teilweise hält er zu Menschen, die seine Hilfe inzwischen nicht mehr benötigen, noch Kontakt über die sozialen Medien.

Es gibt nur sehr wenige Stellen für Streetworker, in Regensburg sind es derzeit nur zwei. Um sich für eine solche Stelle bewerben zu können, muss man ein Studium im sozialen Bereich absolvieren; außerdem sollte man laut Peter flexibel, tolerant, kreativ und kontaktfreudig sein. Streetworker haben keine festen Uhrzeiten für ihren Job, die Arbeitszeit beträgt 39 Stunden in der Woche, wobei sich die Aufgaben im Büro und auf der Straße abwechseln. Ben Peter ist vor allem mittags und nachmittags auf der Straße unterwegs. Wenn er im Büro sitzt, dokumentiert er seine Arbeit, stellt Anträge oder führt speziellere Gespräche mit seinen Klienten. Ben Peter ist für seine Arbeit mit den Obdachlosen von der Caritas angestellt. Seine Arbeit mit den Drogensüchtigen wird von der Stadt Regensburg und auch vom Bezirk finanziert.

Emotionale Distanz

Obwohl er relativ private Gespräche mit seinen Klienten führt, damit diese sich öffnen, muss er darauf achten, dass er trotzdem genug emotionale Distanz zu ihnen hält, da die Fälle nicht immer gut ausgehen. So gab es im vergangenen Jahr 14 Drogentote in der Stadt Regensburg. Für Hilfesuchende kann der Streetworker nach eigenen Aussagen nicht rund um die Uhr erreichbar sein. In Notfällen können sich die Menschen an den Krisendienst wenden. Peter bietet aber Obdachlosen an, Briefe für sie anzunehmen. Teils ist es dann jedoch problematisch, die Briefe an die Adressaten weiterzuleiten, wodurch gelegentlich Fristen verpasst werden, zum Beispiel eine Vorladung zum Gericht. Peter erwartet daher im Gegenzug, dass die Klienten regelmäßig ihre Post bei ihm abholen.

Harte Schicksale

„Wir erleben harte Schicksale“, sagt Peter. Deswegen sei es wichtig, sich untereinander auszutauschen. Gesprächsmöglichkeiten über ihre „Fälle“ gibt es mit anderen Streetworkern und Sozialarbeitern. „In der Regel kommt es nicht zu Gewaltübergriffen durch Klienten“, berichtet er weiter. „Die Menschen wissen, dass ich ihnen nur helfen will.“

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