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Altenthann.

Überfüllte Klassenzimmer gab es schon in alten Zeiten

Die Altenthanner Schulgeschichte kann man bis ins Mittelalter zurückverfolgen.

  • Alte Strafe: Auf dem Holzscheit knien
  • Gar nicht so einfach, auf der Schiefertafel zu schreiben: Im Heimatmuseum kann man es probieren. Fotos: Kl. 4b

Von der Klasse 4b,Grundschule Mintraching

Holzschuhe, eine Laterne und im Winter eine heiße Kartoffel: Das sind nicht die Requisiten für unser nächstes Theaterstück, sondern die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände für den Schulweg, den Kinder früher zurücklegen mussten. Die Buben klopften sich Nägel in die Holzschuhe, damit sie im Winter auf dem Eis besser rutschen konnten. Vorher ging es oft noch in die Kirche und der Fußweg zur Schule dauerte meist eine Stunde. Die Kinder mussten also sehr früh aufstehen. Im Winter war es noch dunkel und so nahmen sie eine Laterne mit. Die heiße Kartoffel wärmte ihre Finger und wurde in der Pause als Brotzeit verspeist.

Die Klasse 4b der Grundschule Mintraching staunt nicht schlecht, als sie all dies bei einem Besuch des Heimatmuseums Altenthann von Agnes Manske erfährt. Der Schulweg war aber nicht nur beschwerlich, sondern es gab auch eine Menge Möglichkeiten, miteinander zu raufen, sodass manche Schiefertafel dabei zu Bruch ging. Aber die Kinder lernten auf dem Schulweg wie von selbst alle heimischen Obstbäume kennen.

Der Lehrer war früher ein „Alleskönner“: Lehrer, Schulleiter und Hausmeister. Die Dienstbrille lieh er sich von der Schule aus. Übrigens gab es nur ganz wenige Lehrerinnen. Diese durften nicht verheiratet sein. Der Lehrer wohnte im Ort und kannte alle Bewohner. Er war immer zur Stelle.

Die Kinder schrieben mit Griffeln auf Schiefertafeln. Einige Schüler versuchen es und setzen sich dabei auf die Holzbänke, die gleich beim Eintritt ins Museum zum Hinsetzen einladen. Ganz schön unbequem fühlt sich das an. Aber jetzt kommt es noch heftiger. Wenn die Kinder mal nicht brav waren, mussten sie auf dem Holzscheit knien. „Das tut ganz schön weh“, jammern Lea und Maria, die es ausprobieren. Aber auch das „Schmalzfedernrupfen“ war eine häufige Strafe. Dabei zog der Lehrer den Schüler an den kurzen Haaren hinter den Ohren. In der Schule stand nicht nur Lesen, Rechnen und Schreiben auf dem Stundenplan, sondern auch das Feiern. Am Kirchweihmontag fiel der Unterricht aus und am Faschingsdienstag beteiligte sich die Schule am Faschingszug.

Alle Gegenstände, die im Heimatmuseum untergebracht sind, dürfen die Schüler in die Hand anfassen, wie zum Beispiel den alten Schulranzen, den Tommy auf seinen Schultern trägt. Wann es das erste Schulhaus in Altenthann gab, ist unklar. Jedenfalls muss es lange vor 1598 gewesen sein. Wie ein Dokument zeigt, wurde in jenem Jahr der Lehrer Sebastian Sehover von Altenthann weg versetzt, weil er sich mit dem Pfarrer nicht verstand.

Lange herrschte großer Platzmangel im Schulhaus. Bevor es 1845 aufgestockt wurde, hatte Lehrer Gruber gesagt, „Gut, dass nicht immer alle da sind, sie fänden nicht einmal Platz zum Stehen.“ Damals gab es also auch schon überfüllte Klassenzimmer.

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