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Lesekompetenz

Übung: Ex-Jahn-Profi erlebte SEK-Einsatz

Jede Woche bietet die MZ einen Text, mit dem Schüler ihre Lesekompetenz testen können. Dieses Mal geht es um einen Einsatz.

  • Kurz vor dem Zugriff versammeln sich am Mittwochabend immer wieder Einsatzkräfte in- und vor dem Geschäft im Erdgeschoss. Foto: mt

Regensburg.Lehrkräfte stellen fest, dass junge Leute zunehmend Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Texten haben. Doch über das Lesen werden in Texten gespeicherte Informationen in Wissen umgewandelt. Lesekompetenz ist somit eine wichtige Voraussetzung für das Lernen, den Erfolg im Beruf und die persönliche, gesellschaftliche Teilhabe. Lesekompetenz stellt sich aber nicht von selbst ein, sie muss Schritt für Schritt angebahnt, geübt und gesichert werden. Wer lesekompetent sein will, muss nicht nur fähig sein, Texten selbstständig Informationen zu entnehmen und diese miteinander zu verknüpfen. Er muss zudem über ein Grundlagenwissen zu Texten, deren Inhalten, Strukturen und sozialhistorischer Dimension verfügen und basierend darauf über Texte reflektieren und begründete Schlussfolgerungen ziehen können. Um diese Ziele erreichen zu können, bedarf es gezielter Lesestrategien und Arbeitstechniken, die an Texten schrittweise geübt und dauerhaft gesichert werden sollen. Deshalb bietet die MZ Woche für Woche verschiedene Texte an, an denen die Schüler all das üben können.

Diese Woche handelt der Übungstext von einem SEK-Einsatz in Regensburg, den ein ehemaliger Jahn-Profi miterlebte.Hier findet ihr die aktuellen Aufgaben zum Text. Und hier gibt es die Lösungen zum Herunterladen.

Ex-Jahn-Profi erlebt SEK-Einsatz hautnah

Das SEK sorgt bei den Anwohnern für Aufsehen.
Das SEK sorgt bei den Anwohnern für Aufsehen. Foto: mt

Im Geschäft von Nico Beigang starteten Spezialkräfte den Zugriff. Auch am Tag danach erscheint ihm die Aktion unwirklich.

Von Micha Matthes, MZ

Rammböcke, Maschinenpistolen, Schutzschilde: Schwer bewaffnet versammeln sich die vermummten Männer gegen 16.30 Uhr in der Salatbar. Einer zählt runter, dann wird die Hintertüre des Geschäfts geöffnet und die Einsatzkräfte rücken ins Treppenhaus vor. Erst in diesem Moment wird es Nico Beigang, dem Inhaber der Salatbar und ehemaligen Stürmer des SSV Jahn, zum ersten Mal so richtig mulmig. Ein Polizist weist ihn an, wieder im Büro Platz zu nehmen und sich nicht mehr zu rühren. 20 lange Minuten vergehen, dann werden Beigang und sein Mitarbeiter plötzlich aufgefordert, ganz schnell das Haus in der Holzgartenstraße zu verlassen. Keine halbe Stunde später ist dann alles vorbei. Das SEK hat im ersten Stock – direkt über der Salatbar – einen 25-jährigen Mann „widerstandslos überwältigt“ und in Gewahrsam genommen. Beigang darf, genau wie alle anderen Bewohner des Hauses, wieder in sein Geschäft zurück.

Männer mit MGs klingelten

Nico Beigang führt die Salatbar, über der sich der Mann verschanzt hatte.
Nico Beigang führt die Salatbar, über der sich der Mann verschanzt hatte. Foto: mt

„Unwirklich“ komme ihm dieser Mittwochnachmittag im Nachhinein vor, sagt Beigang am Donnerstag. „Es hat lange gedauert, bis man so richtig mitbekommen hat, was jetzt eigentlich los ist.“ Zuerst sperrte die Polizei gegen 14 Uhr nur alle umliegenden Straßen. „Als dann auf einmal so viele Polizisten und Sanitäter vor unserer Eingangstüre standen, haben wir uns aber natürlich schon sehr über den Trubel gewundert.“ Trotzdem schnappt Beigang zu diesem Zeitpunkt immer nur Fetzen von den Beamten auf.

Als er dann etwas von einer Waffe hört und zwei Männer mit Maschinenpistolen im gegenüberliegenden Haus Position beziehen sieht, kann er sich das Ausmaß der Gefahr zusammenreimen und sperrt schnell die Tür zum Treppenhaus ab. Kurze Zeit später lassen sich Spezialisten die Tür zeigen. Und dann gehen eigentlich ständig Einsatzkräfte in dem Geschäft ein- und aus, bis der Zugriff erfolgt.

SEK-Einsatz endet glimpflich. Video: Ratisbona Media

Studenten-WGs, eine junge Frau, ein älterer Herr, ein Mann um die 50: acht ganz unterschiedliche Parteien wohnen in dem mehrgeschossigen Haus in der Holzgartenstraße. Bei dem Mann, der sich am Mittwoch im – nach Angaben von Anwohnern – ersten Stock verschanzt hatte, handelt es sich dem Vernehmen nach nicht um einen Bewohner des Hauses, sondern nur um einen Besucher.

„Wir konnten am Mittwochabend nicht ausschließen, dass Waffen im Spiel sind“, sagt Marco Müller, Pressesprecher der Polizei. „Daher war das eine Situation, in der man das SEK einschalten kann.“ Wie viele Einsatzkräfte jeweils von welcher Einheit vor Ort waren, gibt die Polizei auch am Donnerstag nicht bekannt. „Die Spezialkräfte gehen meist verdeckt vor, daher dürfen wir keine näheren Auskünfte geben“, sagt Müller.

Die Aushilfe in einem Lottogeschäft in der Holzgartenstraße hatte große Angst, als das SEK plötzlich am Mittwochnachmittag vorfuhr. „Zusperren und Licht ausschalten“, hätten die Beamten den Mitarbeitern befohlen. „Das war schon sehr ärgerlich“, sagt die Geschäftsführerin. „Gerade am Mittwoch, wo ja sehr viele Leute Lotto spielen.“

Letztlich sei ja alles nur viel Lärm um Nichts gewesen – viel zu viel Aufwand für eine Person, sagt ein junger Mann am Donnerstag im Lottogeschäft. „Die Polizei hätte ruhig viel früher stürmen können.“ Beim Einsatz selbst hätten sich rund 30 Polizisten mit Schilden dicht an die Wand des gegenüberliegenden Hauses gedrängt. Ein Auto vor dem Haus sei mit einer Schutzmatte abgedeckt worden. Auch einen Scharfschützen habe er gesehen, berichtet der Mann. Als die Inhaberin des benachbarten Schuhgeschäfts am Mittwoch gegen 15.30 Uhr aus der Mittagspause zurückkam, wurde sie schon gar nicht mehr in die Donaustaufer Straße durchgelassen. „Ich bin froh, dass ich nicht da war“, sagt sie am Donnerstag. „Sonst hätte ich mich bestimmt sehr erschrocken.“

25-Jähriger in Fachklinik gebracht

Rettungskräfte stehen in der Donaustaufer Straße bereit.
Rettungskräfte stehen in der Donaustaufer Straße bereit. Foto: mt

Noch in der Nacht zum Donnerstag entscheiden Ärzte, dass der 25-jährige Mann, der sich laut Polizeiangaben in einer psychischen Ausnahmesituation befand, in einer Fachklinik untergebracht wird. Alles weitere müssten nun die Ärzte entscheiden, sagt Müller. Der Mann befinde sich in sogenannter „polizeilicher Unterbringung“. „Es liegt aber in der Hand der medizinischen Experten, wie lange diese aufrecht erhalten wird“, sagt Müller. Natürlich sei der Mann zuvor von der Polizei befragt worden, es werde aber kein Strafverfahren geführt. „Der Grund für den Zwischenfall liegt im privaten Bereich, deshalb werden wir keine näheren Angaben dazu machen“, sagt Müller.

Großeinsatz der Polizei in Regensburg

Speziell geschulte Beamte – die sogenannte Verhandlungsgruppe – hätten am Mittwoch immer wieder versucht, in Kontakt mit dem Mann zu treten. Diese Kollegen seien von Psychologen und Polizeibeamten ausgebildet worden. „Sie versuchen, solche Situationen friedlich und verbal zu lösen. Am Mittwoch hat das zum Glück gut funktioniert“, sagt Polizeisprecher Marco Müller. Die gleiche Gruppe konnte auch am Donnerstag bereits schon wieder einen anderen Vorfall in Weiden entschärfen, bei dem ein Mann unverletzt gerettet werden konnte.

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