MyMz

Lesekompetenz

Übungstext: Abrissbagger kommt Samstag

Wir liefern Berichte, mit denen Schüler ihre Lesekompetenz testen können. Das aktuelle Thema: Bauarbeiten in Regensburg.

Die Vorbereitungen zum Abriss laufen schon: Die ehemalige Opitz-Klinik steht nur noch bis zum Wochenende.
Die Vorbereitungen zum Abriss laufen schon: Die ehemalige Opitz-Klinik steht nur noch bis zum Wochenende.Foto: Lex

Regensburg.Lehrkräfte stellen fest, dass junge Leute zunehmend Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Texten haben. Doch über das Lesen werden in Texten gespeicherte Informationen in Wissen umgewandelt. Lesekompetenz ist somit eine wichtige Voraussetzung für das Lernen, den Erfolg im Beruf und die persönliche, gesellschaftliche Teilhabe. Lesekompetenz stellt sich aber nicht von selbst ein, sie muss Schritt für Schritt angebahnt, geübt und gesichert werden. Wer lesekompetent sein will, muss nicht nur fähig sein, Texten selbstständig Informationen zu entnehmen und diese miteinander zu verknüpfen. Er muss zudem über ein Grundlagenwissen zu Texten, deren Inhalten, Strukturen und sozialhistorischer Dimension verfügen und basierend darauf über Texte reflektieren und begründete Schlussfolgerungen ziehen können. Um diese Ziele erreichen zu können, bedarf es gezielter Lesestrategien und Arbeitstechniken, die an Texten schrittweise geübt und dauerhaft gesichert werden sollen. Deshalb bietet unsere Zeitung Woche für Woche verschiedene Texte an, an denen die Schüler all das üben können.

Dieses Mal geht es um die Abrissarbeiten an der ehemaligen Opitz-Klinik in Regensburg. Hier gibt es den Übungstext als PDF.Das sind die neuen Übungsaufgaben.Und das sind die Lösungen.

Der Abrissbagger kommt am Samstag

Die ehemalige Opitz-Klinik in Regensburg ist eine Ruine. Wegen des Abbruchs wird am Wochenende die Straße gesperrt.

Von Julia Ried, MZ

Viele Regensburger kennen das blassgrüne Haus mit dunklem Walmdach in der Luitpoldstraße, weil sie oder ihre Kinder dort geboren sind. Bis in dieses Jahrtausend hinein war die ehemalige „Opitz-Klinik“, davor als „Zeitler-Klinik“ bekannt, eine Einrichtung der Geburtshilfe. An diesem Wochenende beginnt der Abbruch des Hauses, das im Jahr 1900 als Wohngebäude für einen fürstlichen Amtsrichter geplant wurde. Ein Bauträger aus der Region will dort neu bauen. Ein Münchner Investor hatte das Gebäude als Sanierungsruine hinterlassen.

2014 hatten die Gläubiger, die die Münchner Firma offensichtlich nicht mehr bedient hatte, die Zwangsvollstreckung eingeleitet. Bei der Zwangsversteigerung im Amtsgericht Regensburg Anfang Dezember des Jahres 2014 erhielt die Tectum Baubetreuungs GmbH mit Hauptsitz in Roding im Landkreis Cham für 1,9 Millionen Euro den Zuschlag, wie Geschäftsführer Günther Balej und seine Mitarbeiterin Dr. Monika Hoene unserer Zeitung sagten. Sie zeigten uns am Mittwoch, wieso das Haus nicht mehr zu retten ist.

Nur noch das Dach hält das Haus

Im Haupthaus sind kurz vor dem Abriss nur noch das angebaute Treppenhaus und das Erdgeschoss betretbar. Die Ex-Eigentümer, die ihr Projekt in der Luitpoldstraße 2011 als „Schmuckkästchen mit Villencharakter“ angepriesen hatten – die Wohnungen waren zum Teil schon verkauft – entfernten die Decken komplett, ohne sie durch neue zu ersetzen. Die bleibenden Holzbalken waren danach Wind und Wetter ausgesetzt und sind entsprechend marode. „Wenn man die Stützen rausnimmt, kann es sein, dass alles zusammenbricht“, erklärte Balej. Aktuell halte nur noch das Dach das Haus zusammen. Balej fand in dem entkernten Gebäude, in dem auch am Mittwoch das Wasser stand, an den freiliegenden Ziegelwänden allerdings einen nagelneuen Heizkörper und frisch angebrachte Edelstahlrohre vor. „Im Keller war ein ganz großer Solarspeicher eingebaut“, berichtete Hoene.

Das Moos an den Mauern zeugt von dem langen Stillstand auf der Baustelle.
Das Moos an den Mauern zeugt von dem langen Stillstand auf der Baustelle. Foto: Lex

Wegen des Zustands des Hauses wird der Abriss schwierig. Der erste Statiker, den sie beauftragt hatten, habe kehrtgemacht, nachdem er das Gebäude gesehen hatte, erzählen Hoene und Balej. Zwei Abbruchunternehmen hätten ihnen abgesagt. Ein drittes übernimmt nun die Aufgabe unter großen Sicherheitsvorkehrungen und Vollsperrung der Luitpoldstraße am Samstag und Sonntag.

Ab Samstagmorgen schütten die Arbeiter die Straße etwa 60 bis 80 Zentimeter hoch mit Sand auf, damit sie keinen Schaden nimmt. Ein Bagger mit Schalungsmaterial in seinem Arm soll das Nachbarhaus zur Linken schützen. Auf der rechten Seite bauen die Arbeiter eine Containerwand auf.

Zur Geschichte des Hauses schreibt Dr. Georg Opitz, der die Klinik 1970 übernahm, im Regensburger Almanach 2003: „Im Jahre 1929, nachdem das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder eröffnet war und die Städtischen Krankenhäuser aufgelöst wurden, hatte der Regensburger Arzt Dr. Franz Zeitler eine private Klinik eingerichtet – die ,Klinik Dr. Zeitler‘, in Regensburg kurzerhand ,Zeitler-Klinik‘ genannt.“ Der Chirurg und Frauenarzt Zeitler stockte sie sogleich um ein Geschoss auf. Sein Schwiegersohn und zwei weitere Nachfolger führten sein Werk nach seinem Tod 1945 weiter, bevor Dr. Opitz hier seine Frauenklinik betrieb. Der ergänzte das Haus um ein weiteres Treppenhaus und einen Anbau. Alle drei Kinder des Fürstenhauses Thurn und Taxis kamen in der Opitz-Klinik zur Welt, wie Opitz 2007 unserer Zeitung sagte. Mit zuletzt 28 Patientenbetten gab es dort pro Jahr durchschnittlich 650 Entbindungen.

Mehr Fotos gibt es in unserer Bildergalerie:

In der Sanierungsruine in der Luitpoldstraße

73 Jahre Krankenhaus-Geschichte

Über die Übernahme durch das Krankenhaus Barmherzige Brüder schrieb er: „Dieses hat im Oktober 2002 die Betten und die gesamte Organisation meines Hauses in die Klinik St. Hedwig überführt, fast alle meine Mitarbeiter übernommen und damit unser Bestehen beendet.“ Damit sei nach 73 Jahren die Krankenhaus-Geschichte in der Luitpoldstraße zu Ende gegangen. Die Barmherzigen Brüder verkauften das Haus in der Straße mit den vielen Gründerzeitbauten dann weiter.

Ab Mai will der Zwei-Personen-Betrieb Tectum, der sich nach eigenen Angaben gern „etwas komplizierte“ Baulücken vornimmt, „wo man als kleine Firma ein bisschen etwas Individuelles schaffen kann“, bis Ende 2017 auf dem Grundstück eine Stadtvilla und ein modernes Gartenhaus errichten. Dieses Konzept des Regensburger Architekten Hans Wittmann, das 19 Wohnungen vom 25-Quadratmeter-Apartment bis zum 225 Quadratmeter-Penthouse auf insgesamt knapp 1500 Quadratmeter Wohnfläche vorsieht, hat der Gestaltungsbeirat der Stadt so abgesegnet. 5,4 Millionen Euro netto sollen die Herstellungskosten betragen, dazu kommen die Nebenkosten, so dass Tectum mit einer Brutto-Investitionssumme von gut 7 Millionen Euro rechnet.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht