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Lesekompetenz

Übungstext: Der Kampf gegen Crystal

Unsere Zeitung bietet Übungen, mit denen Schüler Lesekompetenz trainieren. Dieses Mal geht es um die Gefahr von Drogen.

Crystal Meth ist mittlerweile in ganz Bayern angekommen.
Crystal Meth ist mittlerweile in ganz Bayern angekommen. Foto: dpa

Regensburg.Lehrkräfte stellen fest, dass junge Leute zunehmend Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Texten haben. Doch über das Lesen werden in Texten gespeicherte Informationen in Wissen umgewandelt. Lesekompetenz ist somit eine wichtige Voraussetzung für das Lernen, den Erfolg im Beruf und die persönliche, gesellschaftliche Teilhabe. Lesekompetenz stellt sich aber nicht von selbst ein, sie muss Schritt für Schritt angebahnt, geübt und gesichert werden. Wer lesekompetent sein will, muss nicht nur fähig sein, Texten selbstständig Informationen zu entnehmen und diese miteinander zu verknüpfen. Er muss zudem über ein Grundlagenwissen zu Texten, deren Inhalten, Strukturen und sozialhistorischer Dimension verfügen und basierend darauf über Texte reflektieren und begründete Schlussfolgerungen ziehen können. Um diese Ziele erreichen zu können, bedarf es gezielter Lesestrategien und Arbeitstechniken, die an Texten schrittweise geübt und dauerhaft gesichert werden sollen. Deshalb bietet unsere Zeitung Woche für Woche verschiedene Texte an, an denen die Schüler all das üben können.

Diese Woche beschäftigt sich unser aktueller Übungstext mit den Gefahren der Droge Crystal Meth. Hier gibt es den Übungstext als PDF.Die Übungsaufgaben zum Artikel finden Sie hier. Und hier gibt es die Lösungen dazu.

Bayern will Crystal stärker bekämpfen

Crystal Meth macht schnell abhängig und hat fatale Folgen. Ostbayern ist ein Brennpunkt des Drogengeschäfts.

Von Dagmar Unrecht, MZ

Es beginnt voller Schwung und Elan: Das Selbstwertgefühl hebt ab, die Leistungsfähigkeit steigt. „Toll“ habe sie sich gefühlt, erzählt eine junge Frau aus dem Landkreis Regensburg, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, von ihren ersten Erfahrungen mit der Droge Crystal Meth. Über Freunde kommt sie an den Stoff, aus Neugier probiert sie. Doch der Absturz folgt jäh: „Innerhalb weniger Wochen ging alles des Bach runter“, sagt sie. Sie investiert ihre gesamten Ersparnisse, später fängt sie an zu lügen und zu betrügen, um Geld für die Droge zusammenzubekommen. Doch sie hat großes Glück: Mit Hilfe ihrer Eltern schafft sie es schließlich, von der Droge wegzukommen. Im Bezirksklinikum Regensburg wird sie erfolgreich behandelt.

Willi Unglaub, Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Zentrum für Suchtmedizin des Bezirksklinikums Regensburg (medbo) , hat täglich mit Drogenkranken zu tun. „Es werden immer mehr Patienten, die wegen Crystal Meth zu uns in die Klinik kommen“, sagt er. Im vergangenen Jahr seien es insgesamt 190 Patienten gewesen, seit Jahresbeginn hätten bereits 50 Menschen deshalb Hilfe gesucht. Die Betroffenen seien meist Männer Mitte zwanzig, die nicht zum ersten Mal auf einer Suchtstation in Behandlung seien.

Besorgte Mütter am Telefon

Der Suchtexperte Felix Domnick vom Regensburger Verein „DrugStop“ ist der Mann an der bayerischen Crystal-Hotline. Foto: DrugStop
Der Suchtexperte Felix Domnick vom Regensburger Verein „DrugStop“ ist der Mann an der bayerischen Crystal-Hotline. Foto: DrugStop

Felix Domnick ist Suchtberater bei der Regensburger Drogenhilfe „DrugStop“ und Experte für Crystal Meth. Er betreut auch die bayernweite Hotline für Crystal Meth (Tel. 0941/569 582 901), die vor zwei Jahren in Regensburg ins Leben gerufen worden ist. „Vor allem rufen Mütter hier an, die sich um ihre Kinder sorgen machen“, erzählt er. Manche hätten ein verdächtiges Päckchen gefunden oder Verhaltensveränderungen bei ihren Kindern festgestellt.

„Rund ein Drittel der Menschen, die zu uns kommen, nimmt Crystal Meth, oft auch in Kombination mit weiteren Drogen“

Suchtexperte Felix Domnick von „DrugStop“

In die Beratungsstelle kämen dagegen vor allem Betroffene: Menschen, die versuchten von der Droge loszukommen, und ehemalige Süchtige, die clean bleiben wollten. Die Ratsuchenden, vor allem Männer zwischen 18 und 35 Jahren, kommen laut Domnick aus allen Schichten, die meisten seien arbeitslos. „Rund ein Drittel der Menschen, die zu uns kommen, nimmt Crystal Meth, oft auch in Kombination mit weiteren Drogen“, berichtet Domnick. Die Zahl der Ratsuchenden hat nach Einschätzung des Suchtexperten in den vergangenen Jahren stark zugenommen. „Im Moment ist der Anstieg moderat.“

Dauerhafte Psychosen drohen

Das Rauschgift Crystal Meth ist gefährlich, weil es schnell süchtig macht. Die synthetische Droge wirkt aufputschend und unterdrückt Hunger, Müdigkeit und Schmerzen. Meist wird Crystal Meth geschnupft, es kann aber auch geraucht, geschluckt oder gespritzt werden. „Das Spritzen scheint sich auszubreiten“, sagt Domnick, er habe zumindest in letzter Zeit mehr mit Konsumenten zu tun, die die Droge spritzen. „In Tschechien ist das üblicher als in Deutschland.“ Der Crystal-Rausch kann mehrere Stunden, in Extremfällen aber auch Tage anhalten. Die Droge macht kurzfristig euphorisch und selbstsicher, führt aber oft zu psychischen Ausfallerscheinungen, warnt Suchtmediziner Unglaub. Die Betroffenen fühlten sich zum Beispiel verfolgt und beobachtet, hörten mitunter Stimmen. „Diese Symptome können zu dauerhaften Psychosen führen.“ Wer einen Entzug durchmache, fühle sich zwei bis drei Wochen völlig kraftlos und depressiv. Dann sei der Suchtdruck sehr groß. Darüber hinaus könne die Droge Nervenzellen schädigen und die Zähne angreifen.

Nach Auskunft des bayerischen Innenministeriums liegen die Crystal-Schwerpunkte in Bayern „weiterhin in den an die Tschechische Republik angrenzenden Bereichen der Polizeipräsidien Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern und der Stadt Nürnberg“. Das teilte das Ministerium am Montag auf MZ-Anfrage mit. Zwischen 2010 und 2015 seien 100 Todesfälle, die mit Crystal Meth in Verbindung stehen, erfasst worden. Im Jahr 2010 wurden laut Ministerium in Bayern 5,6 Kilogramm der Droge sichergestellt, 2015 waren es nach vorläufigen Berechnungen fast 15 Kilogramm.

Mehr Drogenfunde

Auch im Polizeipräsidium Oberpfalz wird die Entwicklung mit großer Sorge betrachtet. „Wir sind beim Thema Crystal alarmiert“, sagt Sprecher Marco Müller. Die Zahlen im gesamten Bereich Rauschgiftkriminalität steigen in der Oberpfalz seit dem Jahr 2009 kontinuierlich an. Das geht aus dem aktuellen Sicherheitsbericht hervor. Gut 16 Prozent der Rauschgiftdelikte betreffen demnach Crystal. 2015 wurden laut Sicherheitsbericht mehr als fünf Kilogramm Crystal in der Oberpfalz sichergestellt. Fünf Jahre zuvor waren es laut Müller nur 0,6 Kilogramm. Auch die Zahl der Drogentoten nimmt zu. Im Jahr 2015 starben im Bereich des Polizeipräsidiums Oberpfalz 30 Menschen (drei Frauen, 27 Männer) an Drogen, vor allem an Heroin. Im Vergleich zum Jahr 2014 ist das eine Steigerung um 25 Prozent. „Allerdings starb keiner der Drogentoten allein durch Crystal“, so Müller weiter.

Die Leiterin des Hauptzollamts Regensburg Margit Brandl, sieht in der Bekämpfung des Drogenschmuggels eine äußerst wichtige Aufgabe des Zolls: „Crystal ist immer noch eines der drängendsten Probleme unserer Zeit.“ Allerdings war die im Jahr 2015 durch den Zoll aufgegriffene Menge Crystal mit etwa drei Kilogramm leicht rückläufig.

„Crystal Meth ist in ganz Bayern auf dem Vormarsch“, meint die bayerische Grünen-Landtagsabgeordnete Katharina Schulze. Sie fordert daher, mehr in Beratungsstellen zu investieren. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml hat das nach Angaben ihres Ministerium auch vor. Präventions- und Beratungsprogramme sollen ausgeweitet werden.

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