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Lesekompetenz

Übungstext: Fahrraddiebe in Regensburg

Die MZ liefert Artikel, anhand derer Schüler ihre Lesekompetenz prüfen können. Dieses Mal geht es um Diebstähle in der Stadt.

Zahlen- oder Vorhängeschlösser gelten als nicht besonders sicher: Wenn es Diebe darauf anlegen, bekommen sie aber jedes Schloss geknackt.
Zahlen- oder Vorhängeschlösser gelten als nicht besonders sicher: Wenn es Diebe darauf anlegen, bekommen sie aber jedes Schloss geknackt. Foto: mt

Regensburg.Lehrkräfte stellen fest, dass junge Leute zunehmend Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Texten haben. Doch über das Lesen werden in Texten gespeicherte Informationen in Wissen umgewandelt. Lesekompetenz ist somit eine wichtige Voraussetzung für das Lernen, den Erfolg im Beruf und die persönliche, gesellschaftliche Teilhabe. Lesekompetenz stellt sich aber nicht von selbst ein, sie muss Schritt für Schritt angebahnt, geübt und gesichert werden. Wer lesekompetent sein will, muss nicht nur fähig sein, Texten selbstständig Informationen zu entnehmen und diese miteinander zu verknüpfen. Er muss zudem über ein Grundlagenwissen zu Texten, deren Inhalten, Strukturen und sozialhistorischer Dimension verfügen und basierend darauf über Texte reflektieren und begründete Schlussfolgerungen ziehen können. Um diese Ziele erreichen zu können, bedarf es gezielter Lesestrategien und Arbeitstechniken, die an Texten schrittweise geübt und dauerhaft gesichert werden sollen. Deshalb bietet die MZ Woche für Woche verschiedene Texte an, an denen die Schüler all das üben können.

Der aktuelle Übungstext

Diese Woche geht es im Übungstext um die Fahrraddiebstähle in Regensburg.Hier geht es zu den aktuellen Aufgaben.Und hier geht es zu den Lösungen.

1200 Räder verschwinden pro Jahr

Statistisch gesehen verschwinden in Regensburg an jedem Tag drei Räder.
Statistisch gesehen verschwinden in Regensburg an jedem Tag drei Räder. Foto: mt

Regensburg ist bayerische Hochburg der Fahrraddiebe. Die Radler nervt die Unsicherheit – und die Aufklärungsquote ist gering.

Von Micha Matthes, MZ

Ein kurzer Blickwechsel genügt, dann ergreift der Radler die Flucht und die Polizisten nehmen die Verfolgung auf. In der Brandenburger Straße bremsen die Beamten den Mann schließlich aus. Schnell ist klar: Sein Gefährt ist geklaut. Am Ernst-Reuter-Platz stellt der Ordnungsdienst mitten am Tag einen Dieb, der mit einem Bolzenschneider versucht, ein Radschloss zu knacken. Und auf dem Bismarckplatz erwischt die Polizei nachts um 2 Uhr einen 14-Jährigen, der ein Fahrradschloss mit einem Werkzeug aufzwickt.

Laut einer 100-Städte-Studie des Onlineportals billiger.de verschwanden im vergangenen Jahr fast 340 000 Räder in Deutschland. Oft brauchen die Täter nur wenige Sekunden, um auch hochwertige Schlösser zu knacken. Besonders beliebter Schauplatz des Fahrraddiebstahls: Universitätsstädte. Statistisch gesehen wurden in Regensburg von Januar bis Juni 2015 2,6 Räder pro Tag geklaut. 2014 waren es in Regensburg 1206 Diebstähle – mehr als in Würzburg und Ingolstadt zusammengenommen. Damit gilt Regensburg als „unsicher“ und landet auf dem unrühmlichen letzten Platz der elf mitausgewerteten bayerischen Städte. Auch im Vergleich mit München hinkt Regensburg noch weit hinterher.

Unsicherheit nervt die Bürger

Den Bürgern geht diese Unsicherheit gehörig auf die Nerven. In einer Studie des ADFC zur Fahrradfreundlichkeit in Regensburg straften sie die Stadt bei dem Punkt Diebstahl mit der Schulnote 4,7 ab. „Fahrraddiebstahl ist in Regensburg bekanntermaßen ein stärkeres Problem als anderswo“, sagt Dr. Klaus Wörle, Vorsitzender des ADFC Regensburg. Hunderprozentige Sicherheit gäbe es nicht. „Wenn es Fahrraddiebe darauf anlegen, bekommen sie auch das hochwertigste Markenschloss geknackt.“ Auch Keller sind als Abstellplatz längst nicht mehr sicher. Im Mai brachen Unbekannte ein Abteil in einem Wohnhaus in der Isarstraße auf und klauten dort ein Fahrrad im Wert von 900 Euro.

„Es ist schon ein Mysterium, über welche Kanäle die Räder verkauft werden und wo sie landen“, sagt Wörle. In Regensburg könnte die Wasserstraße einen Effekt haben, mutmaßt er. Schiffe könnten die Räder Richtung Osten transportieren. Aber dort sei der Prozentsatz der Fahrradfahrer sehr gering. Auf Verkaufs-Portalen wie eBay würden viele Fahrradkäufer bei größeren Summen unterdessen einen Kaufnachweis verlangen. Hehler umgehen diese Hürde aber oft, indem sie die Räder zerlegen und nur die Einzelteile zum Verkauf anbieten.

Anfang Juli bezifferte Wolfgang Mache, Leiter der Polizeiinspektion Süd, den wirtschaftlichen Schaden durch Raddiebstähle in Regensburg auf mindestens 500 000 Euro im Jahr.

Die Aufklärungsquote dürfte auf die Kriminellen kaum abschreckende Wirkung haben. Nur jeder zehnte Fahrraddiebstahl in Deutschland wird aufgeklärt. „Mal drüber, mal drunter“, aber im Langzeitdurchschnitt liege wohl auch die Erfolgsquote der Regensburger Polizei ungefähr um diesen Prozentsatz herum, schätzt Karin Paul, Sprecherin der Polizeiinspektion Süd. Im vergangenen Jahr lag sie jedoch nur bei 5,6 Prozent.

Absichern gegen Diebstahl

  • Gute Schlösser:

    Als besonders aufbruchsicher gelten Bügelschlösser. Vor einem Jahr testete die Stiftung Warentest 37 Schlösser aus verschiedenen Kategorien, dabei schnitten Bügelschlösser am besten ab. Leichter zu knacken waren Faltschlösser, die einem Zollstock ähneln, aber auch Panzerkabel- und Kettenschlösser mit Ummantelung. Das heißt aber nicht, dass sie ihren Zweck gar nicht erfüllen.

  • Versicherung:

    Spezielle Diebstahlversicherungen für Fahrräder sind teuer. Eine Hausratpolice reicht laut dem Bund der Versicherten aber meist aus. Sinnvoll sei es, die Hausratversicherung um einen 24-Stunden-Schutz zu erweitern, der auch dann greift, wenn das Rad außerhalb geschlossener Räume entwendet wird. Wichtig zu wissen: Die Versicherer zahlen nur, wenn ein Fahrrad abgeschlossen war.

Seit Jahren hält die hohe Zahl der Diebstähle die Beamten in Atem. „Es gibt viele Faktoren dafür“, sagt Paul. Durch die Infrastruktur von Regensburg und die vielen Studenten in der Stadt, würden besonders oft Räder benutzt. Aktuell liegt der Radanteil laut dem ADFC im innerstädtischen Bereich bei 23 Prozent – das ist hoch, aber kein Spitzenwert. „Was hier alles konkret zusammenkommt, ist schwer zu sagen“, sagt Paul. Jeder Fall sei anders gelagert. Schwerpunkte beim Fahrraddiebstahl sind die Areale rund um Arcaden, Bahnhof, FOS, Universität und die gesamte Altstadt.

Die Täter sind meist junge Männer

Generell ist die Mehrheit der Täter (61 Prozent) in derselben Gemeinde gemeldet, in der sie stiehlt. Im Durchschnitt sind die Fahrraddiebe zwischen 18 und 25 Jahre alt und männlich (91 Prozent). Einen erheblichen Teil der Regensburger Fälle zählt Polizeiinspektionsleiter Mache zur Beschaffungskriminalität. Süchtige verdienten mit dem Verkauf schnelles Geld. Mal ließen sich die Täter spontan verleiten, mal seien es organisierte Banden, die über die Autobahn kämen. Neben dem generellen Anstieg der Straftaten wurde in der Studie von billiger.de auch eine Zunahme der sogenannten „nichtdeutschen Tatverdächtigen“ registriert. In Regensburg lag deren Anteil im Jahr 2014 bei 34 Prozent.

Erst vor kurzem wurde eine größere Menge geklauter Fahrräder im Ausland entdeckt, deren Spur zurück nach Regensburg führt. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Genauere Informationen zum Tathergang will die Polizei noch in dieser Woche bekanntgeben.

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