MyMz

Lesekompetenz

Übungstext: Gäste tragen Dreck ins Bad

Die MZ liefert Texte, mit denen Schüler ihre Lesekompetenz testen können. Dieses Mal geht es um Schmutz im Schwimmbad.

Nur rund 50 Prozent der Regensburger Badegäste duschen, bevor sie ins Becken zum Schwimmen gehen.
Nur rund 50 Prozent der Regensburger Badegäste duschen, bevor sie ins Becken zum Schwimmen gehen. Foto: mt

Regensburg.Lehrkräfte stellen fest, dass junge Leute zunehmend Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Texten haben. Doch über das Lesen werden in Texten gespeicherte Informationen in Wissen umgewandelt. Lesekompetenz ist somit eine wichtige Voraussetzung für das Lernen, den Erfolg im Beruf und die persönliche, gesellschaftliche Teilhabe. Lesekompetenz stellt sich aber nicht von selbst ein, sie muss Schritt für Schritt angebahnt, geübt und gesichert werden. Wer lesekompetent sein will, muss nicht nur fähig sein, Texten selbstständig Informationen zu entnehmen und diese miteinander zu verknüpfen. Er muss zudem über ein Grundlagenwissen zu Texten, deren Inhalten, Strukturen und sozialhistorischer Dimension verfügen und basierend darauf über Texte reflektieren und begründete Schlussfolgerungen ziehen können. Um diese Ziele erreichen zu können, bedarf es gezielter Lesestrategien und Arbeitstechniken, die an Texten schrittweise geübt und dauerhaft gesichert werden sollen. Deshalb bietet die MZ Woche für Woche verschiedene Texte an, an denen die Schüler all das üben können.

Diese Woche geht im Übungstext um Schmutz im Schwimmbad.Hier gibt es die aktuellen Übungsaufgaben dazu.Und die Lösungen gibt es hier zum Herunterladen.

Hälfte der Gäste trägt Dreck ins Westbad

Dreimal täglich messen Bademeister im Westbad per Hand den Chlor-Wert in jedem Becken nach.
Dreimal täglich messen Bademeister im Westbad per Hand den Chlor-Wert in jedem Becken nach. Foto: mt

Wegen der engstirnigen Haltung vieler Dusch-Muffel muss die Anlage im Regensburger Westbad zum Teil ordentlich nachsteuern.

Von Micha Matthes, MZ

Einfach mal kurz ins Becken springen und schon ist man wieder sauber: Diese engstirnige Haltung bereitet den Bädern immer wieder Ärger – dem Chamer Hallenbad genauso wie dem Regensburger Westbad. Denn nur 50 Prozent der Regensburger Badegäste duschen, bevor sie ins Becken gehen, schätzt der stellvertretende RBB-Betriebsleiter Alexander Süß. Erwachsene und ältere Menschen halten sich eher an die Regeln. „Jugendliche denken da wohl nicht so dran“, sagt Süß. Aber auch die „typischen Schwimmer“ seien manchmal Dusch-Muffel.

Fussel, Hautpartikel, Hautfette, Haare, Sand: Eine große Anzahl verschiedenster Stoffe tragen die Gäste so mit ins Bad. Und die Aufbereitungstechnik muss dann alles zersetzen – oder binden und durch Filterung beseitigen. Ein Computerprogramm überwacht dazu kontinuierlich Parameter wie Chlor- und PH-Wert. „Wenn mehrere ungeduschte Personen gleichzeitig in ein kleineres Becken steigen, ist da schon manchmal Land unter“, sagt Süß. Dann muss die Anlage ordentlich nachsteuern.

Chlor ist eigentlich geruchsneutral

Sie mischt dazu den jeweils passenden Cocktail aus drei Chemikalien: Chlor, Schwefelsäure und ein Flockungsmittel sind für die Wasserqualität entscheidend. Das Flockungsmittel reagiert mit feinen Partikeln – bildet daraus eine Art Fluse, die dann herausgefiltert werden kann. Die Schwefelsäure hilft, den PH-Wert zu senken. Und das Chlor tötet Bakterien und Viren ab, die durch Schweiß oder Speichel ins Wasser gelangen. 0,3 bis 0,6 Milligramm Chlor pro Liter sind dem Beckenwasser normalerweise beigemengt. „Bei Hochbetrieb sind Abweichungen auf bis zu 1,2 Milligramm pro Liter möglich“, sagt Süß. Die Grenzwerte seien sehr streng, würden aber immer eingehalten.

Chlor riecht eigentlich nach nichts. Reagiert das Chlor aber mit Harnstoff, entsteht sogenanntes gebundenes Chlor. „Und tatsächlich verursacht erst diese Verbindung den klassischen Schwimmbadgeruch“, sagt Süß. Schon allein aufgrund des Druckunterschieds zwischen Luft und Wasser gebe jeder Badegast automatisch ein bisschen Urin an das Becken ab - Männer noch etwas mehr als Frauen. „Man muss sich dabei aber immer auch die Dimension vorstellen“, sagt Süß. „Bei Beckengrößen mit 2 500 000 Litern Wasser verschwinden diese Mengen im Milliliterbereich völlig.“ Außerdem gelangen Harnstoffe nicht nur über den Urin, sondern beispielsweise auch über den Schweiß in das Wasser.

Zwölf Unterwasser-Kameras

  • Insgesamt zwölf unter Wasser

    angebrachte Kameras unterstützen die Wasseraufsicht im Westbad bei ihrer Arbeit. aufzeichnen, versichert Alexander Süß, stellvertretender Leiter der RBB-Badebetriebe.

  • Die Kameras

    seien auf Ecken und unübersichtliche Beckenbereiche gerichtet, die von der Wasseraufsicht von Außerhalb nur schwer einsehbar sind.

  • Zudem gibt es

    ein kleines Sichtfenster im Schwimmerbecken, das vom Geräteraum unterhalb des Beckens einsehbar ist. „Im täglichen Betrieb werde das Fenster aber eigentlich gar nicht mehr genutzt“, sagt Süß.

Im Westbad ist das Duschen vor dem Baden eigentlich verpflichtend. Allein schon wegen der Regulierung der Körpertemperatur – also aus Rücksicht auf den Kreislauf und die eigene Gesundheit – sollten sich die Badegäste vor dem Schwimmen abbrausen, findet Süß. Früher hätten die Bademeister Dreckspatzen noch zurückgepfiffen. „Heute kämen wir da nicht mehr hinterher“, sagt der Stellvertretende RBB-Betriebsleiter. „Realistisch betrachtet, können wir das einfach nicht kontrollieren. Wir sind daher auf das Verständnis der Leute angewiesen.“ Die einfache Botschaft lautet: Je mehr Leute duschen, umso schöner ist das Bad. Das gehe schon beim Fußboden los, sagt Süß. „Der Schmutzeintrag ist dann einfach geringer.“

Einen Tageszeitpunkt, an dem das Wasser am „saubersten“ oder „dreckigsten“ ist, könne man nicht ausmachen, sagt Süß. Die Wasserqualität sei jedoch umso schwerer hochzuhalten, je mehr ein Becken genutzt werde. Während im Winter durchschnittlich 1500 Badegäste am Tag in den Becken unterwegs sind, ist das Westbad vor allem in den Sommerferien besonders frequentiert. Aber auch zu Spitzenzeiten mit bis zu 5500 Badegästen am Tag würden die Chlor-Grenzwerte immer eingehalten, versichert Süß. Generell werden die Außenbecken seltener genutzt als der Innenbereich. Als tiefstes Becken mit der geringsten Nutzung ist das Springerbecken in puncto Wasserqualität wohl der Spitzenreiter.

30 Liter Frischwasser pro Badegast

Ein Computerprogramm überwacht kontinuierlich Chlor- und PH-Wert.
Ein Computerprogramm überwacht kontinuierlich Chlor- und PH-Wert. Foto: mt

Der Großteil der Wasseraufbereitung bleibt für die Badegäste im Dunkeln. Unter den Becken befinden sich große Umwälzpumpen und verschiedenste Filteranlagen. Teilchen von bis zu 200 Mikrometern nimmt etwa eine sogenannte Ultrafiltrations-Anlage aus dem Wasser. Generell seien die Vorgaben so streng, dass teilweise eine höhere Qualität als beim Trinkwasser erreicht werde, sagt Süß. „Wenn jemand versehentlich mal einen Schluck Wasser nimmt, ist das auf jeden Fall völlig ungefährlich.“

Im Kinderbecken kommt ebenfalls Chlor zum Einsatz. „Das wird wie in den anderen Becken geregelt“, sagt Süß. Wenn ein Kind in das Becken uriniert, merkt das System das und steuert gegen. Passiert mal ein größeres Malheur, wird das Becken ausgelassen, sondergespült und mit einer großen Menge Frischwasser wieder aufgefüllt.

Im normalen Betrieb wird in allen Becken immer wieder Frischwasser zugeführt. 30 Liter pro Badegast sind Vorschrift. „Wir liegen mit teilweise der doppelten Menge deutlich darüber“, sagt Süß.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht