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Lesekompetenz

Übungstext: Jungfalke ist ausgeflogen

Schüler können mit Artikeln unserer Zeitung ihre Lesekompetenz trainieren. Dieses Mal geht es um Regensburger Nachwuchs.

  • Dieses Foto des Jungfalken „Falko“ wurde unmittelbar vor seinem ersten Ausflug aufgenommen. Fotos: Thomas Aumer
  • Dieses Foto des Jungfalken „Falko“ wurde unmittelbar vor seinem ersten Ausflug aufgenommen. Fotos: Thomas Aumer

Regensburg.Unsere Zeitung bietet regelmäßig Übungstexte, mit denen Schüler ihre Lesekompetenz trainieren können. Lehrkräfte stellen fest, dass junge Leute zunehmend Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Texten haben. Doch über das Lesen werden in Texten gespeicherte Informationen in Wissen umgewandelt. Lesekompetenz ist somit eine wichtige Voraussetzung für das Lernen, den Erfolg im Beruf und die persönliche, gesellschaftliche Teilhabe. Lesekompetenz stellt sich aber nicht von selbst ein, sie muss Schritt für Schritt angebahnt, geübt und gesichert werden. Wer lesekompetent sein will, muss nicht nur fähig sein, Texten selbstständig Informationen zu entnehmen und diese miteinander zu verknüpfen. Er muss zudem über ein Grundlagenwissen zu Texten, deren Inhalten, Strukturen und sozialhistorischer Dimension verfügen und basierend darauf über Texte reflektieren und begründete Schlussfolgerungen ziehen können. Um diese Ziele erreichen zu können, bedarf es gezielter Lesestrategien und Arbeitstechniken, die an Texten schrittweise geübt und dauerhaft gesichert werden sollen. Deshalb bietet unsere Zeitung Woche für Woche verschiedene Texte an, an denen die Schüler all das üben können.

Im aktuellen Übungstext geht es um die Regensburger Rathausfalken. Hier gibt es den Übungstext als PDF.Das sind die aktuellen Aufgaben dazu.Und hier gibt es die Lösungen.

Regensburger Jungfalke ist ausgeflogen

Die Eltern bringen dem Wanderfalken am Dom die Taubenjagd bei. Unterdessen haben die Leser einen Namen für das Tier gewählt.

Von Micha Matthes, M

Der Nachwuchs aus dem Horst im Rathausturm wird flügge: Am Donnerstagnachmittag wagte der Jungfalke seinen ersten Ausflug. Zahlreiche Vogelfreunde folgten dem kleinen Spektakel per Webcam-Livestream auf der Internetseite www.rathausturm-wanderfalken.de, rund 3400 Nutzer schauten sich die Fotos dazu auf der gleichnamigen Facebookseite an. Die Netzgemeinde und die Leser unserer Zeitung haben sich außerdem für einen Namen für den männlichen Wanderfalken entschieden. In Facebook-Kommentaren, Mails, Zuschriften oder per Anruf: Unsere Zeitung erhielt eine Vielzahl an Vorschlägen. Von „Danubia“, „Ikarus“, „Storm“ bis hin zu „Wolli“ oder „Hans Solo“ reichten die Ideen. Auch der Name „Tweety“ oder als Variation „Tweety Mctweetface“ wurde oft genannt. Am Ende entschied sich die Mehrheit der Leser aber für den sehr naheliegenden Namen „Falko“.

Bei der Namensfindung entstand in den Facebook-Kommentaren eine Diskussion dazu, ob man Wildtieren wie den populären Wanderfalken im Rathausturm überhaupt einen Namen geben darf. „Wildtiere haben keine Namen und brauchen auch keinen – was die brauchen ist Freiheit!“, schrieb dort etwa Nutzer Wolfgang.

Diskussion über Wildtier-Namen

So etwas sei immer schwierig, weil es vor allem auf Facebook immer sehr konträre Meinungen gebe, sagt Thomas Aumer, der die Falken im Rathaus betreut. „Das Tier gehört natürlich niemandem. Wir wollen ihm den Namen auch nicht auftätowieren.“ Im Herbst wird der Falke nach Süden fliegen. Ob er dann jemals wieder nach Regensburg kommt, bleibt offen. Der Name sei daher ohnehin nur temporär, sagt Aumer. „Ich bin da jedenfalls schmerzfrei und sehe es nicht als Problem an, wenn ein kleiner Kreis von Menschen den Falken während seiner Zeit in Regensburg Falko nennt.“

Aumer hat auch den Livestream eingerichtet, über den Falkenfreunde in den vergangenen Wochen beobachten konnten, wie der Vogel heranwuchs. „Es ging schon sehr schnell“, sagt Aumer. Ursprünglich hatte er damit gerechnet, dass der Jungfalke frühestens in den ersten Juniwochen ausfliegt. „Da wird der Unterschied deutlich, ob die Eltern drei Kinder füttern müssen oder nur eines.“ Der Wanderfalke ist ein sehr seltener Vogel. Bis zu maximal vier Eier legt ein Weibchen. Bisher gab es auch im Rathaus in der Regel zwischen drei und vier Junge pro Jahr. Und auch in diesem Jahr wurden drei Eier gelegt. Letztlich schlüpfte am 18. April dann aber nur ein Küken.

„Falko“ lernt die Taubenjagd

Das einzelne Jungtier sei dafür nun hervorragend versorgt worden und habe sich perfekt entwickelt, sagt Aumer. „Man hat auch gemerkt, dass die Eltern sehr entspannt waren.“ Der Jagddruck war nicht so hoch. „Sie mussten nicht ständig neues Futter heranschaffen und haben dadurch viel Zeit am Horst verbracht – mehr als in den Jahren zuvor.“

Die Flügel von „Falko“ laufen noch nicht so spitz zu wie die seiner Eltern, sie sind eher noch rundlich geformt. Sein Federkleid ist braun. Erst nach der Mauser wird es die für Wanderfalken typischen Grau-, Schwarz- und Weißtöne annehmen. „Die Eltern kommen immer wieder in den Horst und schauen nach, wo der Kleine ist“, sagt Aumer. „Aber der Jungfalke löst sich schon langsam vom Horst.“ Momentan hält er sich vor allem in der Nähe des Doms auf. Er lebt dort überwiegend auf hohen Gebäuden wie dem goldenen Turm im Bewegungsareal zwischen Haidplatz und Dom. „Das ist das klassische Revier, in dem die Regensburger Jungfalken ihre Flugübungen machen und das Jagen erlernen“, sagt Aumer.

Das Tier müsse jetzt seine Geschicklichkeit trainieren. Der Unterricht sieht dabei oft so aus: Die Eltern fangen eine Taube, töten sie und lassen sie aus großer Höhe fallen. Der Jungvogel versucht dann, die Beute in der Luft aufzufangen. Schafft er es nicht, schnappen sich die Eltern die Taube wieder im Sturzflug. „Von der Dachterrasse von Galeria Kaufhof am Neupfarrplatz aus lässt sich gut beobachten, wie die Eltern mit dem Jungfalken immer wieder um die Domspitzen kreisen“, sagt Aumer.

Bis zum Herbst wird „Falko“ noch in Regensburg bleiben. Dann fliegt er – wie es alle Wanderfalken einmal in ihrem Leben tun – in den Süden. Ob er im nächsten Jahr dann in die Region zurückkehrt oder sich vielleicht eine Bleibe in Tschechien oder Österreich sucht, kann niemand sagen. Das Elternpaar bleibt Regensburg aber treu.

Weitere Teile zum Training der Lesekompetenz finden Sie hier!

Pionier mit Webcam

  • Thomas Aumer

    war mit seiner Falken-Webcam im Rathausturm einer der Pioniere. Bis heute haben die Seite www.rathausturm-wanderfalken.de und die gleichnamige Facebook-Seite tausende treue Fans. Das Bild vom ersten Ei sahen in diesem Jahr allein 18 000 Personen. Die Webcam verfolgen im Schnitt 50 Personen.

  • Die Webcam

    ist für Thomas Aumer ein wichtiges Instrument für die Sicherheit der Wanderfalken im Rathaus, die er betreut. Und natürlich hilft sie auch, das Interesse und damit das Bewusstsein für die Tiere zu erhalten. Der Wanderfalke ist der schnellste Vogel der Welt: Ein Vogel der Superlative und ein seltener Vogel.

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