MyMz

Lesekompetenz

Übungstext: Kritik an Lasertag

Die MZ liefert Schülern regelmäßig Texte, damit sie ihre Lesekompetenz verbessern. Diese Woche geht es um einen Trendsport.

Leiter Volker Madl steht in der Lasertag-Arena in der Bajuwarenstraße. Momentan haben dort Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren Zutritt.
Leiter Volker Madl steht in der Lasertag-Arena in der Bajuwarenstraße. Momentan haben dort Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren Zutritt.Foto: Haala

Regensburg.Lehrkräfte stellen fest, dass junge Leute zunehmend Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Texten haben. Doch über das Lesen werden in Texten gespeicherte Informationen in Wissen umgewandelt. Lesekompetenz ist somit eine wichtige Voraussetzung für das Lernen, den Erfolg im Beruf und die persönliche, gesellschaftliche Teilhabe. Lesekompetenz stellt sich aber nicht von selbst ein, sie muss Schritt für Schritt angebahnt, geübt und gesichert werden. Wer lesekompetent sein will, muss nicht nur fähig sein, Texten selbstständig Informationen zu entnehmen und diese miteinander zu verknüpfen. Er muss zudem über ein Grundlagenwissen zu Texten, deren Inhalten, Strukturen und sozialhistorischer Dimension verfügen und basierend darauf über Texte reflektieren und begründete Schlussfolgerungen ziehen können. Um diese Ziele erreichen zu können, bedarf es gezielter Lesestrategien und Arbeitstechniken, die an Texten schrittweise geübt und dauerhaft gesichert werden sollen. Deshalb bietet die MZ Woche für Woche verschiedene Texte an, an denen die Schüler all das üben können. Das Projekt startet nun im November in eine neue Runde.

Der aktuelle Übungstext

Diese Woche geht es im Übungstext um Lasertag.Hier gibt es die aktuellen Aufgaben.Und hier sind die Lösungen zu finden.

Kampfspiel ruft Jugendamt auf den Plan

Auf diese Weste zielen die Spieler mit dem „Phaser“.
Auf diese Weste zielen die Spieler mit dem „Phaser“. Foto: Haala

In der Lasertag-Arena in Regensburg dürfen Kinder ab zwölf Jahren mit Laserpistolen aufeinander schießen. Experten streiten.

Von Heike Haala, MZ

Das Verb „schießen“ würde Volker Madl am liebsten aus seinem Sprachgebrauch streichen. „Markieren“ dagegen klingt in seinen Ohren schon viel besser. Seit drei Wochen leitet er die Lasertag-Arena in der Bajuwarenstraße. Madl achtet derart akribisch auf seine Wortwahl und die seiner Kunden, weil Lasertag-Arenen bei Erziehungsexperten als kriegs- und kampfverherrlichend und damit als jugendgefährdend in der Kritik stehen. So ist das auch in Regensburg.

Lasertag wurde in Deutschland vor allem durch die HBO-Fernsehserie „How I Met Your Mother“ bekannt. Einer der Protagonisten, Playboy Barney Stinson, liebt diese Art der Freizeitbeschäftigung, die Fans als reine Funsportart betrachten. Jeder Spieler bekommt eine Weste mit Lichtpunkten. Ziel des Spieles ist es, möglichst viele dieser leuchtenden Punkte auf den Westen der Gegner zu deaktivieren – zu „markieren“, wie Madl sagt.

Dazu nutzen die Spieler den „Phaser“. Mit dem Gerät, das optisch einer Handfeuerwaffe nachempfunden ist, zielen die Spieler auf die Lichter der gegnerischen Weste und deaktivieren diese per Infrarot-Signal. Aus dem Phaser strahlt dazu ein Laser – der dient laut Madl rein optischen Zwecken. Auf diese Weise sammeln die Spieler Punkte, derjenige mit den meisten Punkten gewinnt. In diesem Spielvorgehen sehen Kritiker einen kämpferischen oder kriegerischen Aspekt.

Die Gestaltung ist entscheidend

Mit dem Phaser zielen die Spieler auf die Gegner.
Mit dem Phaser zielen die Spieler auf die Gegner. Foto: Haala

Gespielt wird in speziellen Arenen. Madls Arena ist ein dunkel bemalter Raum mit übermannshohen Holzelementen, hinter denen sich die Spieler verstecken können. Im Schwarzlicht leuchten neonfarbene Streifenmuster. Von dieser Art der Gestaltung hängt für Stefan Adler die Altersfreigabe ab. Er ist bei der Stadt für den Jugendschutz zuständig. Da er das Ambiente aus Neonleuchtstreifen und Schwarzlicht eher als futuristisch denn als martialisch empfindet, hat er entschieden, dass Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren in die Arena zum Spielen kommen dürfen – vorerst.

Die endgültige Entscheidung zur Altersfreigabe wird Adler treffen, wenn er die Anlage in Betrieb gesehen hat. Sollte Adler beim diese Besuch einen anderen Eindruck gewinnen, wird er die Altersfreigabe auf 16 Jahre heraufsetzen. Er zeigt sich im MZ-Gespräch verwundert darüber, dass Arenaleiter Madl nicht auf ihn zugekommen ist. Adler ist zufällig im Internet auf die Arena gestoßen. Das Ordnungsamt aber habe Madl eine Konzession als Sportstätte erteilt.

Bettina Eickhoff vom Bayerischen Landesjugendamt sieht Lasertag-Arenen kritisch. Sie sagt, dass das Spiel Gewalt bagatellisiere. Die Spieler würden trotz aller virtuellen Implikationen möglichst realitätsnah Kriegs- und Kampfhandlungen nachvollziehen. Grundsätzlich seien sie für Jugendliche unter 16 Jahren ungeeignet. Sie empfiehlt den Jugendämtern, entsprechende Altersauflagen zu erlassen. Die Entscheidung selbst liege aber bei den Jugendämtern vor Ort.

Arenaleiter Madl dagegen sieht sich über jeden Verdacht der Kriegsverherrlichung erhaben: Für ihn steht der sportliche Aspekt bei Lasertag im Vordergrund. „Hier kommen selbst trainierte Menschen ins Schwitzen“, sagt er. Teamfähigkeit, Taktik, Kommunikation und Reaktionsvermögen würden ebenfalls trainiert. Auch gebe es in seiner Arena kein Belohnungssystem, bei dem den Kunden nach einer bestimmten Anzahl an Besuchen neben dem normalen Zielmodus etwa auch Granaten oder Dauerfeuer zur Verfügung stehen. Das hätte den Betreiber einer Anlage in Neutraubling in die Kritik gebracht.

Tipps für Eltern

  • Erst ab 16 Jahren:

    Bettina Eickhoff vom Bayerischen Landesjugendamt empfiehlt Eltern, die Altersempfehlung ab 16 Jahren ernst zu nehmen. So könne ein signifikantes Risiko für das gesunde Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen ausgeschlossen werden. Besonders seien Kinder mit einer Affinität zu Waffen und Gewalt in den Blick zu nehmen. Laut Eickhoff können sich gerade bei diesen Kindern Gefährdungsmerkmale durch die Teilnahme an Laserspielen verfestigen. Dieses Verbot werde im Zweifelsfall nicht ohne Streit mit dem Sohn oder der Tochter abgehen. Eickhoff: „Es lohnt sich aber, diesen Konflikt durchzustehen.“

  • Kontrastprogramm:

    Prof. Dr. Peter Fischer vom Institut für Psychologie an der Universität Regensburg rät Eltern, die Minderjährigen das Spiel erlauben, zu sanftem Kontrastprogramm. Etwa durch Malen, Musik oder sozialen Austausch könne der Aggressionspegel der Spieler normalisiert werden. (la)

Viele Teenager spielen in der Arena

In der Ferienwoche sind laut Madl viele 13- bis 15-Jährige zum Spielen gekommen. Bis zu 70 Prozent seiner Besucher seien Frauen, die bei ihren Spielen bisweilen vor Vergnügen kreischen und vor Lachen auf dem Boden liegen. Besucher der Arena bezeichnen das Spiel im MZ-Gespräch als „Räuber und Gendarm für Erwachsene“ oder als „Realität gewordenes Videospiel“. Der Arenaleiter führt auch das Gutachten eines Dr. Christoph Paulus von der Universität des Saarlandes ins Feld. Der Mann wird auf der Universitätshomepage als Experte in Sachen Bildungswissenschaften und Psychologie aufgeführt. In seinem Gutachten kommt Paulus zu dem Schluss, dass Lasertag nicht jugendgefährdend sei und mit großer Wahrscheinlichkeit keine Schäden am sich entwickelnden sozial-ethischen Menschenbild Minderjähriger verursache.

Für Eickhoff vom Bayerischen Landesjugendamt aber liegt der Fokus bei diesem Spiel deutlich auf den konkurrierenden und kämpferischen Aspekten. Das Argument der sportlichen Betätigung wirkt auf sie vorgeschoben, denn die sozialen Aspekte würden in den Hintergrund treten. Auch Johannes Schmitz äußert sich kritisch. Er ist Sozialpädagoge am Jugendzentrum (Juz) im Unterislinger Weg und empfindet das Angebot als pädagogisch schleierhaft. Als Ziel eines Ausflugs des Juz kann er sich die Lasertag-Arena nicht vorstellen.

Was halten Sie vom Trend Lasertag? Stimmen Sie ab!

Umfrage

Würden Sie Ihrem Kind Lasertag erlauben?

Lasertag-Arenen stehen bei Erziehungsexperten als kriegs- und kampfverherrlichend und damit als jugendgefährdend in der Kritik. Auch in Regensburg wird über den Trend diskutiert.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht