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Lesekompetenz

Übungstext: Lösungen für Becherproblem

Schüler können mit aktuellen Texten ihre Lesekompetenz prüfen. Diese Woche geht es um die Vermeidung von Einwegbechern

Eine Frau lässt sich im 190° Café ihren Kaffee in einen selbst mitgebrachten Mehrwegbecher ausschenken.
Eine Frau lässt sich im 190° Café ihren Kaffee in einen selbst mitgebrachten Mehrwegbecher ausschenken. Foto: Lex

Regensburg.Lehrkräfte stellen fest, dass junge Leute zunehmend Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Texten haben. Doch über das Lesen werden in Texten gespeicherte Informationen in Wissen umgewandelt. Lesekompetenz ist somit eine wichtige Voraussetzung für das Lernen, den Erfolg im Beruf und die persönliche, gesellschaftliche Teilhabe. Lesekompetenz stellt sich aber nicht von selbst ein, sie muss Schritt für Schritt angebahnt, geübt und gesichert werden. Wer lesekompetent sein will, muss nicht nur fähig sein, Texten selbstständig Informationen zu entnehmen und diese miteinander zu verknüpfen. Er muss zudem über ein Grundlagenwissen zu Texten, deren Inhalten, Strukturen und sozialhistorischer Dimension verfügen und basierend darauf über Texte reflektieren und begründete Schlussfolgerungen ziehen können. Um diese Ziele erreichen zu können, bedarf es gezielter Lesestrategien und Arbeitstechniken, die an Texten schrittweise geübt und dauerhaft gesichert werden sollen. Deshalb bietet unsere Zeitung Woche für Woche verschiedene Texte an, an denen die Schüler all das üben können.

Dieses Mal geht es um die Vermeidung von Einwegbechern. Hier gibt es den Übungstext im PDF-Format. Und das sind die Aufgaben. Und hier gibt es die Lösungen zum Herunterladen.

Einwegbecher werde nicht recycelt

Die Mülleimer in der Maximilianstraße quellen über. Auf dem Rand der schmalen Abfalleimer stapeln sich am vergangenen Samstag – wie fast an jedem Wochenende – die Pappbecher, einige sind schon auf den Boden gefallen. Dazu brauche es nicht viel, sagt ein Straßenreiniger: „Ein, zwei Pizzakartons und ein paar Becher, dann ist der Kübel voll.“

Die Stadt leert die Mülleimer täglich. „Es wird immer mehr im Gehen gegessen – und damit wächst der Verpackungsmüll“, sagt eine Sprecherin der Stadt. Wie groß der Anteil von Einwegbechern ist, dazu kann die Stadt keine Angaben machen. Bundesweit werden – laut der Deutschen Umwelthilfe – aber pro Stunde 320 000 Einwegbecher verbraucht. Eine Studenteninitiative und zwölf Regensburger Gastronomen treten diesem Becher-Wahnsinn entgegen. Die Hygienevorschriften stehen dem Ausschank in Mehrwegbecher nur bedingt im Weg, trotzdem befürchten viele Cafébetreiber aber rechtliche Konsequenzen.

Im Recyclingsystem landen die Becher, die meist aus Pappe mit einer Kunststoffbeschichtung bestehen, so gut wie nie. Der Abfall in städtischen Mülleimern wird verbrannt. „Es ist tatsächlich ein Riesenproblem mit der großen Becherzahl“, sagt Rudolf Gruber, Leiter des Umweltamts, das auch für den Bereich Lebensmittelkontrolle zuständig ist. „Deshalb haben wir sicher kein Problem damit, wenn jemand seinen eigenen Becher ins Café mitbringt.“ Das Bayerische Landesamt für Umwelt empfehle zwar in einer Stellungnahme, das aus hygienischen Gründen zu unterlassen. Ein Verbot für die Wiederbefüllung mitgebrachter Mehrwegbecher ist in der Lebensmittelhygieneverordnung aber nicht festgeschrieben.

Wenn die generellen Hygienevorschriften beachtet werden, dürfte es keine Probleme geben, sagt Gruber. Dazu gehört etwa, dass Café-Mitarbeiter bei der Befüllung hinter dem Tresen eine Sichtkontrolle des „fremden“ Bechers vornehmen und beim Ausschank der Abfüllstutzen der Kaffeemaschine nicht berührt wird.

In Regensburg kämpft eine Initiative von OTH-Studenten seit 2012 gegen die Einwegbecher. 1600 Mehrwegbecher haben die Studenten verkauft. Mit ihnen erhalten die Kunden in zwölf Cafés wie dem Anna liebt Brot und Kaffee oder der Filmbühne Vergünstigungen. Andere Cafés wie das Lila oder das 190° Grad Café geben keinen Rabatt, schenken die Getränke aber in mitgebrachte Gefäße aus. „Wir hätten gerne noch mehr Cafés animiert, sich zu beteiligen“, sagt Carolin Dumler, Mit-Initiatorin der Studenten-Aktion. Vor allem bei Ketten bleibe aber die Hygiene das Hauptargument gegen Mehrwegbecher.

„Wenn ein Kunde einen Becher mitbringt – der vielleicht verunreinigt ist – und er wird krank, können wir verantwortlich gemacht werden“, sagt eine Sprecherin der Kette Black Bean. „Wir finden die Aktion der Studenten sehr gut und hätten gerne mitgemacht, bräuchten aber von jedem Kunden eine Unterschrift, damit wir nicht haftbar gemacht werden können – das ist leider zu aufwendig.“

Auch der Deutsche Kaffeeverband meldet sich in der wachsenden Debatte um die Einwegbecher zu Wort. Die Befüllung eines mitgebrachten Mehrwegbechers kann zu hygienischen Problemen führen, heißt es in einer Stellungnahme. „Ich möchte nicht an Lippenherpes erkranken, nur weil die Bedienung in einem Café kurz zuvor den schlecht gereinigten Mehrwegbecher eines Kunden befüllt hat“, sagte Geschäftsführer Holger Preibisch gegenüber der Allgemeinen Bäckerzeitung. „Außerdem schleppt keiner einen Mehrwegbecher zum Bahnhof oder beim Einkaufen durch die Stadt, weil er sich dort vielleicht einen Coffee to go kaufen will. Das vom Konsumenten zu fordern, ist weltfremd.“

Noch kein Thema für Stadtpolitiker

Während andere Städte bereits eine Abgabe für Einwegbecher diskutieren, spielt das Thema in der Regensburger Stadtpolitik noch keine große Rolle. „Wir haben dieses Problem noch nicht besprochen“, sagt SPD-Fraktionschef Norbert Hartl. „Unsere Umweltspezialisten werden es sich jetzt aber anschauen.“

Natürlich hätten die Grünen die to-go-Becher auf dem Schirm, sagt Stadträtin Margit Kunc. „Eine Abgabe würde aber einen Riesenaufschrei verursachen. Ich befürchte, dass die Geschäfte da nicht mitmachen, weil es den Preiskampf verstärkt.“ Es erst einmal anders versuchen und auf Aufklärung setzen: so lautet daher die Devise der Grünen. Mit den Hygienevorschriften werde in diesem Bereich wohl etwas übertrieben, sagt Kunc.

„Auf ein Schreiben der Umwelthilfe hin, haben wir das Thema vor einem halben Jahr besprochen“, sagt Benedikt Suttner, Stadtrat der ÖDP. „Bei unseren Recherchen sind wir aber auf keine Kommune gestoßen, die es geschafft hat, eine solche Abgabe rechtlich durchzusetzen.“

Die Einwegbecher seien ein Riesenproblem, sagt Hermann Vanino, Fraktionschef der CSU. Viele würden einfach auf Bahnsteigen weggeschmissen, bestenfalls landeten sie in der Mülltonne. „In der Fraktion war es bislang noch kein Thema. Wenn man sie reduzieren könnte, wäre das aber ein nachhaltiger Beitrag zur Verbesserung der Umwelt.“ Eine Infokampagne reiche dazu nicht aus, findet Vanino. Er befürwortet den Weg, Anreize für Verbrauchern zu schaffen. „Man sollte den Bürgern nicht zusätzlich in die Tasche greifen, sondern ein Bonussystem etablieren. In einer Stadt wie Regensburg könnte man sicher auch an Unternehmen herantreten und sie bitten, das im Interesse des Umweltschutzes zu sponsern.“

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