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Lesekompetenz

Übungstext: Magnet mit Makeln

Die MZ bietet Artikel, mit denen Schüler ihr Textverständnis trainieren können. Nun geht es um die Regensburger Altstadt.

Nicht nur an sonnigen Wintertagen genießen die Menschen das Einkaufen im Zentrum.
Nicht nur an sonnigen Wintertagen genießen die Menschen das Einkaufen im Zentrum. Foto: Lex

Regensburg.Lehrkräfte stellen fest, dass junge Leute zunehmend Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Texten haben. Doch über das Lesen werden in Texten gespeicherte Informationen in Wissen umgewandelt. Lesekompetenz ist somit eine wichtige Voraussetzung für das Lernen, den Erfolg im Beruf und die persönliche, gesellschaftliche Teilhabe. Lesekompetenz stellt sich aber nicht von selbst ein, sie muss Schritt für Schritt angebahnt, geübt und gesichert werden. Wer lesekompetent sein will, muss nicht nur fähig sein, Texten selbstständig Informationen zu entnehmen und diese miteinander zu verknüpfen. Er muss zudem über ein Grundlagenwissen zu Texten, deren Inhalten, Strukturen und sozialhistorischer Dimension verfügen und basierend darauf über Texte reflektieren und begründete Schlussfolgerungen ziehen können. Um diese Ziele erreichen zu können, bedarf es gezielter Lesestrategien und Arbeitstechniken, die an Texten schrittweise geübt und dauerhaft gesichert werden sollen. Deshalb bietet die MZ Woche für Woche verschiedene Texte an, an denen die Schüler all das üben können.

Diese Woche geht es um die Regensburger Altstadt. Hier gibt es den Übungstext zum Herunterladen.Das sind die aktuellen Übungsaufgaben.Hier gibt es die Lösungen zum Herunterladen.

Altstadt: Einkaufsmagnet mit Makeln

Eine neue Befragung sagt: Shoppen in Regensburg lässt fast keine Wünsche offen. In einem Punkt liegen die Verfasser falsch.

Von Marion Koller, MZ

Regensburger kritisieren immer wieder das Einzelhandelsangebot in der Altstadt als zu mager. Bei einer MZ-Umfrage im Dezember etwa äußerte Melanie Wessely auf Facebook: „Mal ein paar gute Geschäfte würden nicht schaden.“ Michaela Niemann stellte fest: Die Neugestaltung der Fußgängerzone nutze nichts, „wenn es keine ordentlichen Einkaufsmöglichkeiten in der Stadt gibt“.

Auch der Arbeitskreis Kultur Regensburger Bürger musste sich diese Kritik vielfach anhören. Zugleich beobachteten die Mitglieder, dass sich an vielen Samstagen und an den Nachmittagen unter der Woche Menschenmassen in der Altstadt drängen. Gästeführer berichteten, dass sich Touristen aus aller Welt erstaunt über das Warenangebot äußern.

Also beschlossen die Mitglieder des Arbeitskreises, der Sache nachzugehen. An mehreren Wintertagen Ende 2015 marschierten sie unter Leitung von Walter Cerull mit Notizblöcken durch die Straßen. Sie listeten die Geschäfte, Kneipen und Leerstände auf.

Walter Cerull vom AK Kultur
Walter Cerull vom AK KulturFoto: Wiedamann

Fazit der Erhebung vom Dezember: In der Kernstadt existiere sehr wohl ein differenziertes, zum Teil hochwertiges und großes Warenangebot, das einer Großstadt wie Regensburg angemessen sei. Der AK Kultur spricht von mehr als 650 Geschäften und Gaststätten in den 13 untersuchten Straßenzügen – vom Arnulfsplatz bis „Unter den Schwibbögen“.

„Überrascht von der Vielfalt“

Insgesamt gibt es im Welterbe laut Altstadtkümmerer Alfred Helbrich von der Verwaltung 560 Geschäfte.

Der AK Kultur betrachtet die Kaufhäuser als ausreichend. Dazu zählt er die Galeria Kaufhof, das Herrenmodehaus Pohland, H&M, Zara, TK Maax, Müller. Vier gut sortierte Lebensmittelmärkte versorgten das Zentrum. 65 Bekleidungsgeschäfte nennt der AK Kultur, zwei Drittel davon werden von den Inhabern geführt. Die Übrigen gehören internationalen Ketten an. „Wir waren überrascht von der Vielfalt“, sagte Cerull zur MZ. Das einzige, was die Altstadtschützer bemängelten: Das Bekleidungsangebot für die junge Generation zwischen 15 und 25 sei nicht gerade üppig.

Kommentar

Die City schafft es – mit unserer Hilfe

Die Altstadt hat große Chancen, ein Magnet zu bleiben – trotz einiger Schönheitsfehler. Die Besucherfrequenz hat zwar nachgelassen, weil durchschnittlich...

Bei den Leerständen irrt sich der Arbeitskreis. Die Verfasser der Untersuchung erwähnen nur drei in der Maxstraße sowie jeweils einen in der Gesandtenstraße und am Haidplatz. Es sind aber 25 bis 30, sagte Altstadtkümmerer Helbrich. Er freue sich über die Einschätzung des AK Kultur zur Geschäftswelt. Die Leerstände machen Helbrich aber große Sorgen. Zuletzt haben das S. Oliver-Bekleidungshaus in der Maxstraße und zwei Kindermodengeschäfte in der Schäffnerstraße dichtgemacht.

Was vermissen junge Leute in der Regensburger Altstadt? Ein Video zum Thema:

Das vermissen junge Leute in der Altstadt. Video: Kellermeier

Das liege nicht immer an hohen Ladenmieten, die in Regensburger 1a-Lagen bis zu 80 Euro pro Quadratmeter erreichen. Helbrich setzt auf ein Maßnahmenpaket: von der Verschönerung und Möblierung der Fußgängerzone bis zu den modernen Parkhäusern. „Gott sei Dank sind die jetzt fertig!“, ruft er aus.

Ingo Saar, Geschäftsführer von Faszination Altstadt, begrüßt natürlich das positive Ergebnis des AK Kultur. Seiner Meinung nach haben jedoch auch Jugendliche die Qual der Wahl in der Altstadt. Sie kauften ihre Kleidung gerne bei den internationalen Filialisten. Saar kennt noch sechs kleinere Läden, von Titus bis Beatnuts.

Er beurteilt das historische Zentrum genau wie Josef Kellermann, Bezirksgeschäftsführer des Bayerischen Einzelhandelsverbandes, als herausragenden Standort und Einkaufserlebnis. Sicherlich, sagt Kellermann, die Altstadt verfüge nur noch über 18 Prozent Verkaufsfläche. „Aber sie hat sich stabilisiert.“

Gute und schlechte Nachricht

Der Fachmann hat eine schlechte und eine gute Nachricht. Der Onlinehandel werde auf durchschnittlich 25 Prozent steigen, deshalb werde die Kundenfrequenz sinken – in Regensburg aber bei weitem nicht so dramatisch wie in Nachbarstädten mit weniger als 50 000 Einwohnern.

Josef Kellermann, Bezirksgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Bayern
Josef Kellermann, Bezirksgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Bayern Foto: Archiv

Der Grund: Ein Drittel der Besucher kommt nicht zum Einkaufen, sondern wegen des Welterbes, der Kulturveranstaltungen und der Gastronomie.

Kellermann betont: Drei bis vier Voraussetzungen seien unabdingbar für eine gute Zukunft. Magneten wie Galeria Kaufhof, H&M und Zara müssten bleiben. Die Parkplatzsituation müsse sich entspannen und für die ständigen Verkehrsstaus rund um die Stadt müssten Lösungen gesucht werden.

Weitere Teile der Lesekompetenz-Reihe lesen Sie hier!

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