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Lesekompetenz

Übungstext: Neuer Club scheitert

Jede Woche bietet die MZ einen Text, mit dem Schüler ihre Lesekompetenz testen können. Dieses Mal geht es um eine Disco.

Vor fünf Monaten eröffnete das „Weekend“ in der Adolph-Kolping-Straße. Jetzt zieht der Betreiber die Reißleine.
Vor fünf Monaten eröffnete das „Weekend“ in der Adolph-Kolping-Straße. Jetzt zieht der Betreiber die Reißleine. Foto: Archiv

Regensburg.Lehrkräfte stellen fest, dass junge Leute zunehmend Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Texten haben. Doch über das Lesen werden in Texten gespeicherte Informationen in Wissen umgewandelt. Lesekompetenz ist somit eine wichtige Voraussetzung für das Lernen, den Erfolg im Beruf und die persönliche, gesellschaftliche Teilhabe. Lesekompetenz stellt sich aber nicht von selbst ein, sie muss Schritt für Schritt angebahnt, geübt und gesichert werden. Wer lesekompetent sein will, muss nicht nur fähig sein, Texten selbstständig Informationen zu entnehmen und diese miteinander zu verknüpfen. Er muss zudem über ein Grundlagenwissen zu Texten, deren Inhalten, Strukturen und sozialhistorischer Dimension verfügen und basierend darauf über Texte reflektieren und begründete Schlussfolgerungen ziehen können. Um diese Ziele erreichen zu können, bedarf es gezielter Lesestrategien und Arbeitstechniken, die an Texten schrittweise geübt und dauerhaft gesichert werden sollen. Deshalb bietet die MZ Woche für Woche verschiedene Texte an, an denen die Schüler all das üben können.

Diese Woche geht es um die harte Konkurrenz in der Regensburger Clubszene. Hier gibt es den aktuellen Übungstext zum Herunterladen.Das sind die aktuellen Aufgaben zum Text.Hier gibt es die Lösungen zum Herunterladen.

Harte Konkurrenz: Neuer Club scheitert

Eine neue Nutzung der Räume ist noch nicht in Aussicht.
Eine neue Nutzung der Räume ist noch nicht in Aussicht. Foto: Archiv

In der Regensburger Szene knirscht es. DJ Pierre schließt das „Weekend“. Er fühlt sich machtlos gegen die Petersweg-Discos.

Von Marion Koller, MZ

Man könnte meinen, eine Stadt mit 30 000 Studierenden verträgt sieben Discos. Doch Pierre van Hooven macht nach nur fünf Monaten seinen Club Weekend in der Adolph-Kolping-Straße dicht. Der 33-Jährige zieht die Reißleine, weil ihm die Gäste davonlaufen. Seine Begründung: Es sei schwierig, mit den vier Clubs im Untergrund des Petersweg-Parkhauses zu konkurrieren.

Nachdem alle eröffnet hatten, von der Suite 15 bis zum Gatsby, sei es immer mühsamer geworden, das Partyvolk vom Obermünsterviertel in die östliche Altstadt zu locken. Wem es im Beats nicht gefalle, der ziehe weiter in die benachbarte Suite 15.

„Im Obermünsterviertel sind das Parkhaus und der Burgerladen. Das ist die perfekte Ausgehmeile.“ Auf die Frage, ob das Scheitern nicht auch mit dem Konzept zu tun habe, räumt der DJ ein: „Das spielt auch eine Rolle.“ Pierre van Hooven versuchte zwar, mit Stars und Sternchen wie dem Rapper Kay One und dem Party-Girl Gina-Lisa Lohfink mehr Gäste anzuziehen. An den Veranstaltungstagen gelang das auch. Als der DJ Leshuuk auflegte, drängten solche Massen in den Club, dass der Betreiber einen Einlass-Stopp verhängen musste.

„Das ist die perfekte Ausgehmeile“

Pierre van Hooven
Pierre van Hooven Foto: Archiv

Um das Weekend in der ehemaligen Kapelle zu finanzieren, hätte er aber jeden Samstag und Sonntag 500 Besucher gebraucht. Schließlich müsse er hohe Kosten tragen.

Der Vertrag läuft Ende Januar aus. Eine Nachfolgelösung gibt es noch nicht.

Peter Artmann, Chef des Beats im Petersweg-Parkhaus und Sprecher der „Altstadtgastronomie Nacht“ kennt die Regensburger Ausgeh-Szene seit Jahrzehnten. Er glaubt nicht, dass sich zu viele Discos in der Altstadt konzentrieren. „Die Anzahl der Clubs passt“, betont er. „Es ist in den letzten Jahren nichts dazugekommen.“ Wo sich das Weekend befinde, sei vorher die Suite 15 gewesen. Suzie Wong und Karma Lounge hätten zugesperrt und seien mit neuen Namen in den Parkhauskeller umgezogen.

„Regensburg hatte schon immer eine hohe Kneipen- und Clubdichte.“

Clubbetreiber Peter Artmann

Nur beim Schimmerlos handelt es sich um eine Neugründung. Die kommentiert Artmann mit einem Satz: „Regensburg hatte schon immer eine hohe Kneipen- und Clubdichte.“

Das Aus fürs Weekend nennt der Gastronomie-Sprecher „eine Magnetgeschichte“ und gibt damit Pierre van Hooven recht. „Wir am Petersweg profitieren eher. Die Gäste kommen von der Suite zu uns und umgekehrt. Das ist ein Austausch.“ Dass DJ Pierre aufhört, will er nicht weiter kommentieren.

Die vom Bauordnungsamt genehmigten Besucherzahlen in den sieben Altstadt-Discos ergeben nicht gerade eine astronomische Summe. Insgesamt sind es 2740. Im Einzelnen: Beats (450), Gatsby (450), Suite 15 (320), Schimmerlos (280), Sudclub (460), Scala (280), Weekend (500).

Würzburg bietet elf Altstadt-Clubs

In Würzburg, das nahezu gleich groß wie die Domstadt ist, feiern die Leute in elf Altstadt-Clubs. Die genehmigten Besucherzahlen kennt Stadt-Pressesprecher Christian Weiß nicht im Detail, aber die Discos dürfen je nach Größe zwischen 200 und 2000 Nachtschwärmer aufnehmen. Insgesamt also wesentlich mehr als in Regensburg.

Trotzdem lastet auch in der Oberpfalz-Metropole ein starker finanzieller Druck auf den Gastronomen. Das zeigt die kurzzeitige Insolvenz der Bulb.Disco.GmbH im Oktober, die das Schimmerlos und die Suite 15 betreibt. Karin Griesbeck von der Filmbühne bestätigte der MZ Ende 2015 den „irrsinnigen Druck“. Es müsse viel Geld bewegt werden, damit etwas übrigbleibt. Griesbeck weilt bis Februar in Kambodscha und teilte über Facebook mit, sie wolle sich während des Urlaubs nicht äußern.

Für Pierre van Hooven ist zwar ein Traum geplatzt, aber er schläft ruhiger als mit der wirtschaftlichen Last vorher. Die zum Teil hämischen Kommentare auf Facebook hat er verdaut.

Nach nur fünf Monaten muss das Weekend-Regensburg von DJ PIERRE VAN HOOVEN schon wieder schließen.

Posted by Mittelbayerische on Mittwoch, 20. Januar 2016

Hauptberuflich legt der gebürtige Münchner von Montag bis Freitag beim Radiosender Gong FM auf und moderiert. Über einen Wiedereinstieg in die Sendung „Sonntags-WG“ verhandelt er.

Für die deutschlandweite „Farbgefühle“-Tour hat der DJ unterschrieben. Am Samstag, 4. Juni, gastiert das Festival im Pürkelgut. „Viele DJ-Anfragen musste ich während der Weekend-Zeit ablehnen, jetzt nehme ich sie wieder an“, erklärt der 33-Jährige. Seine Gastronomie-Pläne hat er nicht aufgegeben.

Zwar wagt sich van Hooven nicht mehr an eine Disco, doch eine Bar könnte er sich vorstellen. „In der Größe wie das Rauschgold in der Obermünsterstraße“, sagt er.

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