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Lesekompetenz

Übungstext: Plenum nicht mehr im Stream

Die MZ bietet Artikel, mit denen Schüler ihre Lesekompetenz fördern können. Diese Woche geht es um Kommunalpolitik.

Die Kameramänner bleiben auch nächstes Jahr im Sitzungssaal. Doch live soll nicht mehr gesendet werden.
Die Kameramänner bleiben auch nächstes Jahr im Sitzungssaal. Doch live soll nicht mehr gesendet werden.Foto: Peter Ferstl/Stadt Regensburg

Regensburg.Lehrkräfte stellen fest, dass junge Leute zunehmend Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Texten haben. Doch über das Lesen werden in Texten gespeicherte Informationen in Wissen umgewandelt. Lesekompetenz ist somit eine wichtige Voraussetzung für das Lernen, den Erfolg im Beruf und die persönliche, gesellschaftliche Teilhabe. Lesekompetenz stellt sich aber nicht von selbst ein, sie muss Schritt für Schritt angebahnt, geübt und gesichert werden. Wer lesekompetent sein will, muss nicht nur fähig sein, Texten selbstständig Informationen zu entnehmen und diese miteinander zu verknüpfen. Er muss zudem über ein Grundlagenwissen zu Texten, deren Inhalten, Strukturen und sozialhistorischer Dimension verfügen und basierend darauf über Texte reflektieren und begründete Schlussfolgerungen ziehen können. Um diese Ziele erreichen zu können, bedarf es gezielter Lesestrategien und Arbeitstechniken, die an Texten schrittweise geübt und dauerhaft gesichert werden sollen. Deshalb bietet die MZ Woche für Woche verschiedene Texte an, an denen die Schüler all das üben können. Das Projekt startet nun im November in eine neue Runde.

Der aktuelle Übungstext

In dieser Woche geht es um den Misserfolg des Livestream aus dem Regensburger Stadtrat. Hier gibt es den Übungstext im PDF-Format.Das sind die aktuellen Aufgaben. Und hier gibt es die Lösungen.

Stadträte nicht mehr live im Netz

Der Regensburger Koalition ist die Resonanz auf den Stream zu gering. Ganz verschwinden soll er aber nicht.

Von Julia Ried, MZ

Sendungen live aus dem Rathaus wird es im neuen Jahr nur noch im Januar geben. Wie die MZ aus dem Stadtrat erfuhr, hat sich die Koalition wegen der aus ihrer Sicht geringen Nutzerzahlen darauf geeinigt, die Live-Übertragung nach Ablauf der einjährigen Probezeit einzustellen. Die Mitschnitte aus dem Kultur- und dem Stadtplanungsausschuss sollen nur noch zeitversetzt in der Mediathek abrufbar sein.

Es handelt sich bei diesem Beschluss von SPD, Grünen, Freien Wählern, der FDP und der Piratin Tina Lorenz um einen Kompromiss. Einige Mitglieder der Koalition waren für einen Schlussstrich. „Wir hätten gesagt, kann man einstellen, bringt nichts“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Norbert Hartl. Anderen liege der Livestream aber am Herzen, von Anfang an setzten sich die Piratin und die FDP dafür ein. „Wir sind den Kollegen insoweit entgegengekommen, indem wir den Versuch mit der Mediathek machen.“ Dafür wird die Probezeit um ein weiteres Jahr verlängert.

Der OB äußert sich nicht

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs war am Donnerstag nicht zu erreichen. Sprecherin Kristina Klement nannte auf Anfrage nur Durchschnittswerte zu den Zuschauerzahlen, um einer Stadtratssitzung nicht vorauszugreifen. Wie die von Klement genannte Zahl von 176 Zugriffen pro Sitzung zwischen Februar und November zustande kommt, zeigt ein Blick auf den Blog der Piratin Tina Lorenz.

Die hat dort – mit Erlaubnis der Stadt – unter anderem folgende Werte veröffentlicht: Am 25. März gab es 80 Einwahlen. Auf der Tagesordnung des Stadtplanungsausschusses standen da der „Hochwasserschutz Österreicher Stadel“, das Gebäude steht an der Donaulände, und die „Innovative Energieregion“. Als es am 24. Februar unter anderem um die Förderung der Altstadt ging, gab es 285 Zugriffe. Klement nennt einen Höchstwert von 436 Nutzern, aber kein Datum dazu. Die Mediathek hat im Schnitt 1090 Nutzer pro Monat.

Weitere Zahlen machen deutlich, wie kurz die, die sich live zuschalten, dabeibleiben: Bei allen Übertragungen zählt die große Mehrheit zur Kategorie „Nutzer mit einer Verweildauer bis zehn Minuten“. Länger waren etwa am 24. Februar nur 34 dabei. Das kann auch daran liegen, dass bei vielen die Übertragung nach kurzer Zeit abbrach. „Viele Leute sagen mir, das ist ja unkuckbar“, berichtet Lorenz. Nach Auskunft der beauftragten Firma Snapshot kann sie das technische Problem nicht lösen, weil wohl in den Verteilknoten oder den Leitungen, die zu den Nutzern führen, lokalisiert.

Insgesamt findet Lorenz die Zahlen zwar „durchaus ausbaubar“, aber im Grunde „relativ gut“. Es gebe nun immerhin deutlich mehr Zuschauer als die, die direkt in den Sitzungssaal kommen. „Wenn’s fünf sind, ist schon viel Publikum da.“

Für Hartl zeugen sie dagegen von geringem Interesse. „Es schauen nur wenige Leute zu und wenn, dann bleiben sie nur kurz dran“, so fällt seine Bilanz aus. „Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist nicht besonders günstig.“

Regensburg betreibt viel Aufwand

Zu den Kosten lassen sich keine absoluten Zahlen pro Jahr nennen, weil stundenweise abgerechnet wird. Snapshot-Geschäftsführer Michael Geyer sagte jedoch der MZ, in Burglengenfeld habe er pauschal „um die 1000 Euro pro Sitzung“ verlangt, für die nächsten zwei Jahre bekommt die Firma 24 000 Euro. In Regensburg rechne das Unternehmen „in etwa wohl doppelt so viel“ pro Sendung ab, seit der ersten am 20. Januar gab es 20 weitere. Alle zusammen dürften also rund 40 000 Euro gekostet haben.

Der Aufwand in Regensburg ist deutlich höher: Während im Städtedreieck zwei Kameras den Blick in den Saal ermöglichen, sind in Regensburg drei Geräte in Betrieb und vier Menschen an der Arbeit. Jeder Sprecher erscheint in Großaufnahme und einer „Bauchbinde“ mit seinem Namen. Die Mediathek-Lösung würde der Stadt Geyer zufolge keinen großen finanziellen Vorteil bringen. „Wir sparen uns halt den Streaming-Server, den wir monatlich bezahlen. Das sind vielleicht 400 Euro im Monat.“

Die CSU sieht den Beschluss der Koalition auch deshalb kritisch: „Das bedeutet, dass wieder Geld zum Fenster hinausgeworfen wird“, sagt Stadtrat Hermann Vanino, der den Stream von Anfang an kritisch sah. „Wenn die Probephase schlecht läuft, muss man halt die Konsequenzen ziehen.“

Auch Benedikt Suttner von der ÖDP räumt ein: „Die Zugriffszahlen entsprechen nicht den Erwartungen.“ In einem gewissen Rahmen solle sich die Stadt die Partizipationsmöglichkeit für die Bürger aber leisten. „Das könnte ein Mittelweg sein“, sagt er deshalb über den Vorschlag, auf die Livesendung zu verzichten.

So senden andere Städte

  • Passau:

    In Passau befinden sich die Nutzerzahlen des Livestreams aus dem Rathaus nach Angaben der Pressestelle „im unteren zweistelligen Bereich“, je nach Sitzung und behandelten Tagesordnungspunktem schwanke dies. Die laufenden Kosten für den Livestream betragen rund 5000 Euro pro Jahr für den Streamingdienst über einen externen Anbieter. Die Kameraführung und die Einspeisung in das Netz übernehmen eigene Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Übertragen werden alle öffentlichen Sitzungen des Plenums und der Stadtverwaltung.

  • Ingolstadt:

    In Ingolstadt hören im Durchschnitt 500 bis 600 Personen zu, wenn der gesamte Stadtrat tagt: Aus dem Ingolstädter Rathaus sendet nur ein Audiostream. Die Ausschusssitzungen verfolgen durchschnittlich 50 Personen. Zu den Kosten will sich die Stadt nicht äußern.

  • Burglengenfeld:

    Aus dem Städtedreieck heißt es: „Es läuft gut“. Die Zugriffszahlen sind deutlich höher als in den Großstädten, der Spitzenwert wurde am 25. Februar 2015 erreicht: 1107 sahen zu, als es um das Gutachten einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zur Finanzlage der Stadt ging. Es werden nur die Sitzungen des Plenums übertragen und das ausschließlich live, mit zwei Kameras. Für die kommenden beiden Jahre wird die Stadt dem beauftragten Dienstleister 24 000 Euro überweisen.

  • München:

    Aus dem Münchner Rathaus werden mit Hilfe einer Kamera nur die Vollversammlungen des Stadtrats live übertragen. Zwischen 300 und 1500 Nutzer würden zusehen, wobei es sich bei „einem Nutzer“ manchmal auch um mehrere Mitarbeiter einer Firma handle. Die Sendungen bleiben einen Monat in der Mediathek abrufbar, was die Zuschauerzahlen im Schnitt verdopple. Zu den Kosten äußert sich die Stadt nicht.

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