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Lesekompetenz

Übungstext: Radfahrer wollen freie Bahn

Die MZ bietet Artikel, damit Schüler ihre Lesekompetenz trainieren. Dieses Mal geht es um die Idee einer Radschnellstrecke.

Ein Biker auf der neuen „Fahrrad-Autobahn“ in Mülheim an der Ruhr: Eine Schnellstrecke wie diese wünschen sich die Regensburger Fahrradclubs.
Ein Biker auf der neuen „Fahrrad-Autobahn“ in Mülheim an der Ruhr: Eine Schnellstrecke wie diese wünschen sich die Regensburger Fahrradclubs. Foto: dpa

Regensburg.Lehrkräfte stellen fest, dass junge Leute zunehmend Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Texten haben. Doch über das Lesen werden in Texten gespeicherte Informationen in Wissen umgewandelt. Lesekompetenz ist somit eine wichtige Voraussetzung für das Lernen, den Erfolg im Beruf und die persönliche, gesellschaftliche Teilhabe. Lesekompetenz stellt sich aber nicht von selbst ein, sie muss Schritt für Schritt angebahnt, geübt und gesichert werden. Wer lesekompetent sein will, muss nicht nur fähig sein, Texten selbstständig Informationen zu entnehmen und diese miteinander zu verknüpfen. Er muss zudem über ein Grundlagenwissen zu Texten, deren Inhalten, Strukturen und sozialhistorischer Dimension verfügen und basierend darauf über Texte reflektieren und begründete Schlussfolgerungen ziehen können. Um diese Ziele erreichen zu können, bedarf es gezielter Lesestrategien und Arbeitstechniken, die an Texten schrittweise geübt und dauerhaft gesichert werden sollen. Deshalb bietet die MZ Woche für Woche verschiedene Texte an, an denen die Schüler all das üben können. Das Projekt startet nun im November in eine neue Runde.

Der aktuelle Übungstext

In dieser Woche geht es um die Idee einer Radschnellstrecke an der A3 – von Ziegetsdorf bis Neutraubling. Den Übungstext als PDF gibt es hier.Und hier können die aktuellen Aufgaben heruntergeladen werden.

Radfahrer wollen eine eigene „Autobahn“

Was in anderen Ländern gang und gäbe ist, fordern zwei Clubs für Regensburg: eine Radschnellstrecke bis Neutraubling.

Von Marion Koller, MZ

Jürgen Haidl vom Qualitätsmanagement der Krones AG radelt täglich von der Regensburger Innenstadt nach Neutraubling. Der 36-Jährige denkt ökologisch und will etwas für seine Gesundheit tun. 20 bis 40 Minuten benötigt er für die zehn Kilometer je nach Wetter. Doch birgt die Strecke Hindernisse und Gefahren. „Heute morgen wäre ich fast übersehen worden“, sagt Haidl zur MZ. „Trotz Scheinwerfern und Reflektoren.“ Einen Fahrrad-Highway, auf dem er schnell und sicher fahren könnte, würde er begrüßen. Genau das fordern die beiden Regensburger Fahrradclubs ADFC und VCD.

„Das ist eine einmalige Chance“

Zum Hintergrund: In den nächsten Jahren wird die überlastete A3 zwischen Regensburg und Rosenhof sechsspurig ausgebaut. Die beiden Fahrradclubs VCD und ADFC setzen sich vehement dafür ein, dass bei der Maßnahme auch eine rund zehn Kilometer lange Radschnellstrecke entsteht – und zwar auf den Betriebswegen entlang der A3, zwischen dem Autobahnkreuz Regensburg und Neutraubling. In Einwendungen zur Planfeststellung des A3-Ausbaus haben beide Clubs im Oktober 2014 die Radschnellstrecke ins Spiel gebracht. Jetzt haken sie nach. „Das ist eine einmalige Chance“, betont Dr. Klaus Wörle, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs, Kreisverband Regensburg.

„Es werden ja fast alle Brücken neu gebaut. Wenn wir es im Rahmen dieses Riesenprojekts nicht schaffen, ist die Chance auf ewig vergeben.“

Christian Hammer vom VCD betont, schon jetzt nutzten Radfahrer die Betriebswege. Diese endeten aber vor jeder Brücke und Unterführung. Ein Beispiel sei die Markomannenstraße, die über dem Betriebsweg verläuft. „Man muss hochfahren auf die Markomannenstraße und wieder runter.“ Ähnlich bei der Universitätsstraße.

„Die Radfahrer müssen runter und wieder rauf. Das hält auf“, sagt Hammer. Die Clubs wollen deshalb erreichen, dass die Betriebswege durchgehend verlaufen.

Radschnellwege ohne Ampeln und Kreuzungen breiten sich zunehmend in Europa aus. Vorreiter sind die Niederlande, die sich seit den 80er Jahren mit dem Thema befassen. Auch die Dänen und Londoner bauen kräftig aus. Deutschland zieht nach. Im nordrhein-westfälischen Mülheim an der Ruhr ist Ende November das erste Teilstück des Radschnellwegs (RS1) nach Essen eröffnet worden. Langfristig wird die Strecke auf 100 Kilometer zwischen Duisburg und Hamm ausgebaut. Die Metropolregionen Nürnberg und München planen Fahrrad-Autobahnen. Der Freistaat finanziert die Nürnberger Machbarkeitsstudie zur Hälfte.

Die Schnellstrecken, die vor allem Pendler nutzen, sind vom übrigen Verkehr getrennt. Keine Ampeln halten die Radfahrer auf. Dadurch können sie eine konstante Geschwindigkeit fahren. Was sagt die Autobahn-Direktion Süd, Dienststelle Regensburg, dazu? „Wir bauen Autobahnen, keine Fahrradwege“, lautet die erste Reaktion des Leiters Christian Unzner. Er verweist auf das bayerische Innenministerium. Dessen Pressesprecherin Kathrin Fändrich teilt mit, der Staat sei nicht zuständig. Die Bauherrin Bundesrepublik Deutschland könne nur dort Betriebswege errichten, wo diese zum Betrieb der Bundesfernstraße auch erforderlich sind. Der Bau eines Radwegs stehe in keinem Zusammenhang mit der A3-Maßnahme, deshalb sei er auch nicht über den Bund machbar.

Ministerium verweist auf die Stadt

Ein neuer Radweg entlang der Autobahn, wie ihn der ADFC und VCD fordern, könne nur in kommunaler Baulast errichtet werden. Die Kosten müsse auch dieser Bauherr tragen. Einer Nutzung der A3-Betriebswege werde sich das Ministerium nicht verschließen.

Die Stadt Regensburg äußert zunächst Bedenken, reagiert aber insgesamt aufgeschlossen. Für eine qualifizierte Beurteilung, ob die Trasse als Radschnellweg geeignet wäre, müsse man sich die Topographie und die möglichen Verknüpfungen genauer ansehen, informiert Katrin Butz von der Pressestelle. Die Verbindung liege auch nur in kurzen Abschnitten, zwischen der Galgenbergstraße und dem Unterislinger Weg und zwischen der Markomannenstraße und Burgweinting West, auf städtischen Flächen. Trotzdem sei die Stadt bereit, sich gemeinsam mit den Verbänden genauer mit dem Thema zu befassen.

Die beiden Fahrradclubs sollten also dranbleiben. Regensburg würde vom Radschnellweg profitieren. Der Anteil des motorisierten Individualverkehr in der Stadt liegt immer noch bei rund 50 Prozent, der Fahrradanteil bei nur 20. Eine Rad-Autobahn könne „der breiten Masse die Entscheidung für das Fahrrad erleichtern“, ist Jürgen Haidl überzeugt. Ähnliche Radschnellwege habe man auch im Ruhrgebiet geschaffen.

Der Streckenverlauf der Rad-Autobahn
Der Streckenverlauf der Rad-Autobahn Grafik: MZ

Die Einwendung: In seiner nach wie vor gültigen Einwendung zum A3-Ausbau schreibt der ADFC: Parallel zur A3 solle ein Radschnellweg errichtet wird. Dafür bestehe zwischen dem Universitätscampus und Neutraubling (Gärtnersiedlung) vordringlicher Bedarf. Durchlässe bei den die A3 querenden Brücken sowie Wege im Seitenraum der Autobahnbrücken oder eigenständige parallele Stege seien vorzusehen. Die Trasse solle westlich der Landshuter Straße nördlich der A3 verlaufen, zwischen Landshuter Straße und Max-Planck-Straße die Autobahn queren und südlich der A3 über die Leibnizstraße oder direkt an der A3 entlang zum Rainstallweg in Neutraubling führen, heißt es in dem ADFC-Schreiben.

Durch vielfältige Anschlüsse an das innerstädtische Straßennetz sollen die Wohnquartiere und Gewerbegebiete sowie die diversen öffentlichen Einrichtungen entlang der Trasse angebunden werden. Dies erscheine auch als Alternative zu hoch belasteten Straßen im Stadtgebiet (Bajuwaren- und Johann-Hösl-Straße) sinnvoll.

Hier gibt es die Lesungen zur Kontrolle.

Vorbilder

  • London:

    Die britische Metropole baut quer durch die Stadt sogenannte Super-Highways für Fahrradfahrer. Außerdem die „Quietways“, Radwege auf Nebenstraßen und an der Themse, die Rad fahren zum Freizeiterlebnis machen, doch an die Schnellstrecken angebunden sind.

  • Deutsche Städte:

    Die Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg verfolgt eine Fahrradstrategie. Lokale Radnetze und ÖPNV wurden und werden verbunden. Die 3 Schnellwege: Wolfenbüttel - Braunschweig; von der Peripherie nach Hannover; quer durch Göttingen.

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