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Lesekompetenz

Übungstext: Sanierung Steinerne Brücke

Die MZ liefert Artikel, mit denen Schüler Lesekompetenz prüfen können. Dieses Mal geht es um ein Regensburger Wahrzeichen.

Ein Teil des Behelfsstegs wandert neben die Mitte der Brücke.
Ein Teil des Behelfsstegs wandert neben die Mitte der Brücke. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Lehrkräfte stellen fest, dass junge Leute zunehmend Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Texten haben. Doch über das Lesen werden in Texten gespeicherte Informationen in Wissen umgewandelt. Lesekompetenz ist somit eine wichtige Voraussetzung für das Lernen, den Erfolg im Beruf und die persönliche, gesellschaftliche Teilhabe. Lesekompetenz stellt sich aber nicht von selbst ein, sie muss Schritt für Schritt angebahnt, geübt und gesichert werden. Wer lesekompetent sein will, muss nicht nur fähig sein, Texten selbstständig Informationen zu entnehmen und diese miteinander zu verknüpfen. Er muss zudem über ein Grundlagenwissen zu Texten, deren Inhalten, Strukturen und sozialhistorischer Dimension verfügen und basierend darauf über Texte reflektieren und begründete Schlussfolgerungen ziehen können. Um diese Ziele erreichen zu können, bedarf es gezielter Lesestrategien und Arbeitstechniken, die an Texten schrittweise geübt und dauerhaft gesichert werden sollen. Deshalb bietet die MZ Woche für Woche verschiedene Texte an, an denen die Schüler all das üben können. Das Projekt startet nun im November in eine neue Runde.

Der aktuelle Übungstext

Diese Woche geht es im Übungstext um die Versetzung des Behelfsstegs an der Steinernen Brücke in Regensburg.Hier gibt es die aktuellen Aufgaben.Und hier gibt es die Lösungen zum Check.

80 Tonnen Steg zogen in der Nacht um

Ganz vorsichtig wurden die Steg-Elemente von den Türmen bei Stadtamhof abgehoben.
Ganz vorsichtig wurden die Steg-Elemente von den Türmen bei Stadtamhof abgehoben. Foto: altrofoto.de

Bei einer spektakulären Aktion wurden in Regensburg Teilstücke des Behelfsstegs neben der Steinernen Brücke versetzt.

Von Micha, Matthes, MZ

Eigentlich sollte die Steinerne Brücke als Wahrzeichen von Regensburg ja die komplette Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Seit Beginn der Sanierungsarbeiten stiehlt ihr der sogenannte Behelfssteg an der Ostseite aber immer wieder einmal die Show. Gern fotografieren Touristen die offene Konstruktion aus Stahl und Holz. Und in der Nacht zum Freitag rückte der drei Meter breite Steg dann sogar in sattes „Rampenlicht“. In einer aufwendigen Aktion versetzten Arbeiter drei Stegteile aus dem fertiggestellten Bauabschnitt bei Stadtamhof auf bereits vorbereitete Türme neben dem Zentrum der Brücke – mitten in der Nacht, damit es zu möglichst wenigen Behinderungen für Bürger und Touristen kommt, und unter der genauen Aufsicht von Baurat Gregor Walter, Bauleitung der Stadt.

Gleißendes Licht, meterhohe Kräne und röhrende Baumaschinen: Der spektakuläre Einsatz zog trotz Kälte und später Stunde auch die Aufmerksamkeit einiger Zaungäste auf sich. Teilweise sammelten sich die Passanten aber auch unfreiwillig an den Absperrungen. Anders als ursprünglich angekündigt, musste die Brücke für die Arbeiten nämlich total gesperrt werden.

Die Stützen der Autokräne wurden bis an die Brückenbrüstungen ausgefahren, die Fahrbahn wurde dadurch für Radfahrer und Fußgänger unpassierbar. Von den Arbeiten war der gesamte nördliche Abschnitt der Steinernen Brücke betroffen: von Stadtamhof bis zur bestehenden Einhausung.

Zahlreiche Flutlicht-Scheinwerfer waren auf die Behelfsbrücke gerichtet, als zwei Kräne gegen 22.30 Uhr damit begannen, das erste Stahl-Element der ausgedienten Hilfskonstruktion bei Stadtamhof weit über das Niveau der „Steinernen“ anzuheben und es dann punktgenau auf der Ladefläche eines Tiefladers wieder abzusetzen. Auf Synchronizität kam es dabei an: Die 23 Tonnen schwere Last mit viel Fingerspitzengefühl um wenige Zentimeter abheben, auspendeln lassen und sie dann schön langsam und vor allem parallel auf den Anhänger bugsieren. Einer der Arbeiter koordinierte seine beiden Kollegen in den Kranführerhäusern über Funk.

Sobald ein Steg-Element aufgeladen war, rollte der Tieflader mit der 23,5-Tonnen-Last nur wenige Meter bis zur Mitte der Brücke. Dort übernahmen dann wieder die beiden Kräne. Behutsam platzierten sie das Teilstück auf die vorbereiteten rund zwölf Meter hohen Stahltürme neben der Steinernen. Weil diese Türme neben den Brückenpfeilern Nummer sechs, sieben, acht und neun fest auf Streifenfundamenten aus Beton verschraubt sind, bereitet auch ein mögliches Hochwasser Gregor Walter keine Bauchschmerzen. „Die halten wirklich jedem Hochwasser stand“, versichert er.

Steinerne Brücke: Der Behelfssteg zieht um

Von 1135 bis 1146 errichtet, ist die Steinerne Brücke die älteste, teilweise noch in ihrer ursprünglichen Substanz erhaltene Natursteingewölbebrücke Deutschlands. Auf der altehrwürdigen Konstruktion bewegte sich am Freitag mit den zwei Autokränen und dem Tieflader eine kompakte Last von immerhin rund 105 Tonnen. Im Mittelalter hätte man dieses Gewicht wohl mit 200 Pferden verglichen, heute vermittelt ein Passagierflugzeug mittlerer Größe eine bessere Vorstellung.

Noch vor dem morgendlichen „Berufsverkehr“ konnten die Arbeiten am Freitag gegen fünf Uhr abgeschlossen werden. Die Baufahrzeuge rückten von der Brücke ab, so dass die komplette Brückenbreite für Radler und Fußgänger wieder zur Verfügung stand.

Trotz der genau getakteten Aktion kommt der alte Behelfssteg an neuer Stelle aber nicht sofort zum Einsatz. Im dritten Bauabschnitt (Sanierung der Bögen III bis V) läuft voraussichtlich noch bis zum Jahresende die Natursteininstandsetzung des historischen Mauerwerks. Danach wird die Brückenoberfläche mit Fahrbahn, Brüstungen und Beleuchtung hergestellt. Die Freigabe dieses Brückenabschnitts für den Fußgänger- und Fahrradverkehr ist für das Jahr 2016 geplant.

Und erst wenn anschließend der vierte Bauabschnitt (Sanierung der Bögen VI bis IX) beginnt, der 2017 fertiggestellt werden soll, übernimmt das ehemalige Stadtamhof-Teilstück wieder eine Fußgänger-tragende Rolle. Die nicht mehr benötigte Rampe und die Türme bei Stadtamhof werden nun nach und nach in den kommenden Monaten demontiert.

Die Bilder im Video:

Der Behelfssteg an der Steinernen ist umgezogen

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