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Lesekompetenz

Übungstext: SPD – zuständig sind andere

Schüler können mit Artikeln unserer Zeitung ihre Lesekompetenz trainieren. Dieses Mal geht es um den Fall Wolbergs.

Landesvorsitzender Florian Pronold ging gestern auf Distanz zu Wolbergs.
Landesvorsitzender Florian Pronold ging gestern auf Distanz zu Wolbergs. Foto: Gabi Schönberger

Regensburg.Unsere Zeitung bietet regelmäßig Übungstexte, mit denen Schüler ihre Lesekompetenz trainieren können. Lehrkräfte stellen fest, dass junge Leute zunehmend Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Texten haben. Doch über das Lesen werden in Texten gespeicherte Informationen in Wissen umgewandelt. Lesekompetenz ist somit eine wichtige Voraussetzung für das Lernen, den Erfolg im Beruf und die persönliche, gesellschaftliche Teilhabe. Lesekompetenz stellt sich aber nicht von selbst ein, sie muss Schritt für Schritt angebahnt, geübt und gesichert werden. Wer lesekompetent sein will, muss nicht nur fähig sein, Texten selbstständig Informationen zu entnehmen und diese miteinander zu verknüpfen. Er muss zudem über ein Grundlagenwissen zu Texten, deren Inhalten, Strukturen und sozialhistorischer Dimension verfügen und basierend darauf über Texte reflektieren und begründete Schlussfolgerungen ziehen können. Um diese Ziele erreichen zu können, bedarf es gezielter Lesestrategien und Arbeitstechniken, die an Texten schrittweise geübt und dauerhaft gesichert werden sollen. Deshalb bietet unsere Zeitung Woche für Woche verschiedene Texte an, an denen die Schüler all das üben können.

Im aktuellen Übungstext geht es um den Fall Wolbergs.Das sind die aktuellen Aufgaben.Und das ist die Lösung.

SPD: Zuständig sind die anderen

Landes- und Stadtverband fühlen sich für die Kontrolle des Ortsvereins Regensburg Süd nicht verantwortlich.

Von Von Julia Ried, MZ

Fast zwei Tage hatte Florian Pronold, Landesvorsitzender der SPD, geschwiegen zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Oberbürgermeister Joachim Wolbergs wegen des Verdachts der Vorteilsannahme. Gestern äußerte er sich erstmals über die Spendenpraxis in Wolbergs’ Ortsverein: „Ich war überrascht. Dass ein einzelner Ortsverein solche Spendenbeträge bekommt, ist ungewöhnlich, weil Wahlkämpfe in der Regel über Stadtverbände abgewickelt werden“, hieß es in der Stellungnahme, die er am Nachmittag unserer Zeitung auf Anfrage über seinen Sprecher zukommen ließ.

Mit dieser Aussage geht er unverkennbar auf Distanz zu Wolbergs, auch wenn er in einer ebenfalls am Donnerstag veröffentlichten Presseemitteilung mitteilt, „für den überaus kompetenten und sehr beliebten Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.“

„Richtige Rückendeckung von der Partei sieht anders aus“, so hatte bereits am Mittwoch Frank Roselieb, Experte für Krisenkommunikation, unserer Zeitung gegenüber das Verhalten der Genossen eingeschätzt. Üblich wäre es etwa, so sagte Roselieb, im Rahmen des Krisenmanagements einen Beitrag zur Aufklärung zu leisten, etwa einem Wirtschaftsprüfer die Protokolle vorzulegen.

Bayern SPD: Keine Prüfungspflicht

In der bayerischen SPD hieß es gestern unisono, die jeweilige Parteigliederung sei dafür nicht zuständig. „Wir haben nach dem Parteiengesetz überhaupt keine Prüfungspflicht“, sagte Pronold im Gespräch. „Wir können bei 1800 Ortsvereinen nicht jeden Rechenschaftsbericht prüfen“, so lautete Pronolds Antwort auf die Frage, ob die Bayern-SPD weggeschaut habe, während im Regensburger Ortsverein Süd eine sechsstellige Spendensumme auflief, die schließlich die Staatsanwaltschaft zu Ermittlungen veranlasste. Die Bundespartei lasse die Finanzen auf kommunaler Ebene „stichprobenartig“ von Wirtschaftsprüfern kontrollieren.

Die Regensburger machten bei anderer Gelegenheit auf sich aufmerksam. „Bei dem Ortsverein in Regensburg, über den die Regensburger SPD den Wahlkampf abgewickelt hat, fiel ein Kredit auf, der nicht ordnungsgemäß genehmigt wurde“, das veröffentlichte die Bayern-SPD gestern. Kredite, die länger als ein Jahr nicht zurückgezahlt werden, müsse der Landesverband genehmigen, das sei in dem Fall unterblieben. „Das ist nicht ungewöhnlich, dass Ortsvereine das nicht wissen“, sagte Pronold.

Einen Kommentar zur Affäre Wolbergs lesen Sie hier:

Kommentar

Spende mit Folgen

Eine boomende und reiche Stadt, ein bei den Bürgern sehr beliebter Oberbürgermeister, tolle Umfragewerte, Hoffnungsträger der Bayern SPD: Der Politiker...

Seiner Erinnerung nach hätten sich daraufhin ein Prüfer der Bundespartei und ein Vertreter der Landesgeschäftsstelle im Februar in Regensburg mit den Vertretern des Ortsvereins Süd getroffen, konkret Oberbürgermeister Joachim Wolbergs und einem weiteren Mitglied. Auch Landesschatzmeister Thomas Goger beschäftigte sich daraufhin mit den Finanzen des Ortsvereins: „Da kam dieser Anfangsverdacht auf.“

Pronold erklärte, er habe diesen Zusammenhang erst gestern öffentlich erklärt, weil ihm vorher der Vorentwurf des Prüfberichts der Bundespartei nicht vorgelegen habe.

Mit seinen Regensburger Genossen hat er derzeit offenbar keinen engen Kontakt. So sagte Pronold über die Regensburger Praxis, die Wahlkampfspenden über den Ortsverein abzuwickeln: „Ich weiß bis heute nicht, warum der Stadtverband diese Entscheidung getroffen hat.“

Stadtverbandsvorsitzende Margit Wild und Fraktionsvorsitzender Norbert Hartl verteidigen die Praktiken des Ortsvereins.
Stadtverbandsvorsitzende Margit Wild und Fraktionsvorsitzender Norbert Hartl verteidigen die Praktiken des Ortsvereins.Foto: MZ-Archiv/Jaedicke

Die Regensburger SPD hatte in ihrer Presseerklärung vom Mittwoch, die Margit Wild für den Stadtverband und Norbert Hartl für die Fraktion unterschrieben, den Entschluss aus dem Jahr 2014 als „rechtlich korrekt“ verteidigt. Dass sie keinerlei Einblick in die Kasse des Ortsvereins Süd hatte, betont Wild seit Tagen. Der habe die „Finanzhoheit“, der Stadtverband sei zudem „keine ordentliche Gliederung“ der Parteiorganisation. „Wenn im Ortsverein eine Unregelmäßigkeit festgestellt wird, würden die mir das gar nicht melden. Diese Information würde wahrscheinlich an den Unterbezirk gehen“, sagt sie. Der Unterbezirk Regensburg hat denselben Vorsitzenden wie der Ortsverein Süd: Joachim Wolbergs.

„Völlig korrekt gehandelt“

Aus einem zweiten Grund hält Wild den Stadtverband für nicht berufen zu eigenen, zusätzlichen Kontrollen. Die Finanzen des Ortsvereins seien regulär gepüft worden. „Die Partei hat da völlig korrekt gehandelt“, sagt sie zweimal. „Wieso sollten wir da noch einen Wirtschaftsprüfer von außen einschalten?“, fragt sie, angesprochen auf die Aussage des Krisenexperten

Der Regensburger Presseerklärung voraus ging eine Fraktionssitzung am Mittwoch ab 18 Uhr, an der auch Oberbürgermeister Joachim Wolbergs teilnahm. Fraktionschef Norbert Hartl will sich zwar auf Nachfrage unserer Zeitung zuerst nachdrücklich nicht über den Umgang des Landesvorstands mit der Krise äußern, sagt dann aber doch: „Ich kann nicht verstehen, dass Leute sagen, sie wären völlig überrascht.“ Sei nun die Rede davon, dass „ungewöhnlich“ hohe Spendensummen über den Ortsverein abgewickelt wurden, so sei das „insofern ein Krampf, weil das ausdrücklich beschlossen worden ist“.

Auch an einer anderen Praxis kann Hartls nichts Ungewöhnliches finden:Auf die Vermutung der Staatsanwaltschaft angesprochen, die Spendensumme sei gestückelt worden, um die Veröffentlichungspflicht zu umgehen, sagte Hartl: „Das ist in erster Linie eine Sache von diesen Firmen.“ Wie dies rechtlich zu bewerten sei, müsse die Staatsanwaltschaft klären, schiebt er hinterher.

Weitere Teile zum Training der Lesekompetenz lesen Sie hier!

Der Ortsverein Süd

  • Internetauftritt:

    Der Ortsverein Regensburg Stadtsüden, wie er sich auf seiner gemeinsamen Internetseite mit dem Ortsverein Kumpfmühl nennt, hat 22 Mitglieder. Vorsitzender ist Oberbürgermeister Joachim Wolbergs.

  • Stellung im Stadtverband:

    Der Ortsverein gehört wie alle anderen in der Stadt zum SPD-Stadtverband Regensburg. Er gibt sich allerdings unauffälliger: Auf der Internetpräsenz des Stadtverbands ist er in der Karte mit den Ortsvereinen nicht vertreten. Stadtverbandsvorsitzende Margit Wild erklärt dies damit, dass in den einzelnen Vereinen die Pflege der Homepage „sehr unterschiedlich“ gehandhabt werde.

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