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Lesekompetenz

Übungstext: Tribüne fürs „Auge-Stadion“

Mit Artikeln unserer Zeitung können Schüler ihre Lesekompetenz testen. Dieses Mal geht es um 380 Sitze für den SV Donaustauf.

Die spärlich besetzte Vortribüne bei einem der letzten Spiele im alten Jahnstadion gegen den Chemnitzer FC
Die spärlich besetzte Vortribüne bei einem der letzten Spiele im alten Jahnstadion gegen den Chemnitzer FC Foto: MZ-Archiv/Geradtz

Regensburg.Lehrkräfte stellen fest, dass junge Leute zunehmend Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Texten haben. Doch über das Lesen werden in Texten gespeicherte Informationen in Wissen umgewandelt. Lesekompetenz ist somit eine wichtige Voraussetzung für das Lernen, den Erfolg im Beruf und die persönliche, gesellschaftliche Teilhabe. Lesekompetenz stellt sich aber nicht von selbst ein, sie muss Schritt für Schritt angebahnt, geübt und gesichert werden. Wer lesekompetent sein will, muss nicht nur fähig sein, Texten selbstständig Informationen zu entnehmen und diese miteinander zu verknüpfen. Er muss zudem über ein Grundlagenwissen zu Texten, deren Inhalten, Strukturen und sozialhistorischer Dimension verfügen und basierend darauf über Texte reflektieren und begründete Schlussfolgerungen ziehen können. Um diese Ziele erreichen zu können, bedarf es gezielter Lesestrategien und Arbeitstechniken, die an Texten schrittweise geübt und dauerhaft gesichert werden sollen. Deshalb bietet unsere Zeitung Woche für Woche verschiedene Texte an, an denen die Schüler all das üben können.

Dieses Mal geht es um die Tribüne aus dem alten Stadtion des SSV Jahn. Hier gibt es den Übungstext als PDF.Das sind die aktuellen Übungsaufgaben.Das sind die Löungen.

Tribüne wandert ins „Auge-Stadion“

Jetzt liegen die Sitzschalen neben dem Fußballplatz des SV Donaustauf. Ein Sponsor beglückte den Bezirksligisten mit der Anschaffung.
Jetzt liegen die Sitzschalen neben dem Fußballplatz des SV Donaustauf. Ein Sponsor beglückte den Bezirksligisten mit der Anschaffung. Foto: Lex

Von Norbert Lösch, MZ

Der SV Donaustauf hat sich 380 Sitze aus dem Jahnstadion gesichert. Statt für Freude sorgte die Anschaffung aber für Ärger.

Der ambitionierte Fußball-Bezirksligist SV Donaustauf rüstet weiter auf: Nach der spektakulären Verpflichtung von Klaus Augenthaler als neuem Trainer soll das bislang wie ein klassischer Dorf-Sportplatz anmutende Spielgelände des Tabellenführers mit „historischem“ Gestühl ertüchtigt werden. Der SVD hat sich die 380 Sitzplätze umfassende ehemalige Vortribüne aus dem alten Jahnstadion gesichert und will sie am heimischen Rund wieder aufstellen. Die Aktion ist aber erst einmal gestoppt – nach Irritationen um angeblich gefällte Bäume und einer hitzigen Debatte im Donaustaufer Gemeinderat.

Einen „Ladenhüter“ erstanden“

Dabei ist der Vorgang an sich durchaus erfreulich. Die Vortribüne war nämlich ein Ladenhüter, den der Jahn nach dem Umzug in die Continental Arena auch bei einer professionellen Auktion nicht an den Mann bringen konnte. Offenbar war niemand bereit, den im Sommer aufgerufenen Startpreis von 5000 Euro für die 380 Sitzschalen samt kompletter Unterkonstruktion aus Stahl auf den Tisch zu legen. Was der SV Donaustauf jetzt für die Recycling-Tribüne hinblätterte, soll ein Geheimnis bleiben. Denn wieder einmal ist die Anschaffung einem Sponsor zu verdanken, der nicht genannt werden will. Zumindest verrät Fußball-Abteilungsleiter Lothar Rengsberger dessen Namen nicht.

Rengsberger räumt ein, die Tribünen-Aktion etwas blauäugig angegangen zu sein. „Wir haben alle Fehler gemacht. Vor allem hätten wir unser Vorhaben enger mit der Gemeinde abstimmen müssen“, sagt er. Dabei hatten die SVD-Fußballer schon Grünes Licht für ihren Plan bekommen, die Tribüne an der Ostseite des Spielfelds aufzubauen. 44 Meter breit und fünf Meter tief soll sie werden, die 380 Sitzschalen sollen gestaffelt in zehn Reihen montiert werden. Der Gemeinderat hatte keine Einwände – vorausgesetzt, das alles ordnungsgemäß beantragt wird. Das vorläufige Plazet vom 5. November galt allerdings nur für den Standort an der Ostseite des Sportplatzes.

„Wir haben alle Fehler gemacht. Vor allem hätten wir unser Vorhaben enger mit der Gemeinde abstimmen müssen.“

SVD-Fußballabteilungsleiter Lothar Rengsberger

Den befanden die SVD-Verantwortlichen letztlich aber für untauglich. „Da hätten wir aus Platzgründen auf ein Drittel der Tribüne verzichten müssen“, so der Abteilungsleiter der Fußballer. Wie bei einem Spiel gab es einen spontanen Seitenwechsel: Man entschied sich für die Westseite. Dort standen allerdings drei Bäume im Weg, und vor einigen Tagen schickten sich Helfer des Vereins an, sie zu fällen.

Kaum war die Motorsäge angeworfen, stoppte Bürgermeister Klaus Sommer die Aktion. Bauhof-Mitarbeiter hätten ihn darauf aufmerksam gemacht, berichtete Sommer unlängst in einer Gemeinderatssitzung. Bei einem Ortstermin habe er die Baumfällaktion sofort unterbunden. Damit war auch die Darstellung von Gemeinderat Bernd Kellermann entkräftet, der moniert hatte, am Westrand des Fußballplatzes seien gesunde Bäume gefällt worden.

Die Gemeinde einschließlich des Bürgermeisters waren offenbar nicht oder zumindest nicht ausreichend über die Pläne des Sportvereins informiert worden. Laut Sommer habe der Verein lediglich per E-Mail mitgeteilt, dass die Tribüne nunmehr an der Westseite des Platzes aufgebaut werden soll. Mittlerweile seien die SVD-Verantwortlichen zu einer Aussprache geladen worden, sagte Sommer in der Sitzung. Der SVD werde nun, wie bereits zuvor gefordert, einen Bauantrag stellen.

„Bäume stehen nicht unter Schutz“

Dass die drei Ahornbäume noch stehen, dokumentierte die stellvertretende Bürgermeisterin Brigitte West mit einem Foto, das sie unserer Zeitung schickte. Sie spricht von einer Reihe von „Missverständnissen“. Dabei erlaube das Sondernutzungsrecht für die Sportanlage durchaus, dass auf dem Gelände Bäume gefällt werden. Allerdings müsse der Sportverein auch das beantragen und nachweisen, dass sie weichen müssen. Die Bäume hätten keinen besonderen Schutzstatus, zumal es in Donaustauf keine Baumschutzverordnung gebe. Sie habe, so West, mit den Verantwortlichen allerdings auch schon über das Thema Ersatzpflanzung gesprochen.

„Wir stellen jetzt ganz offiziell einen Bauantrag“, gibt sich Fußballchef Rengsberger etwas kleinlaut. Es sei sein Fehler gewesen, die Gemeinde nicht über die geplante Rodung der Bäume informiert zu haben. Zudem habe der SVD nicht bedacht, dass die vorläufige Genehmigung für den Tribünenbau nicht für den neuen Standort an der Westseite gegolten habe.

In der laufenden Spielzeit, die der SVD als Meister der Bezirksliga Oberpfalz Süd beenden will, werde es wohl nichts mehr mit dem Tribünenbau. Aber wenn Startrainer Klaus Augenthaler im Sommer seine Mission beginnt, „wird sie hoffentlich stehen“.

Der Augenthaler-Effekt

  • Spektakulärer Coup

    Mit der Verpflichtung von Klaus Augenthaler, Fußball-Weltmeister von 1990, war dem SV Donaustauf unlängst ein Coup gelungen, der bundesweit für Schlagzeilen sorgte.

  • Aufstieg angepeilt

    Augenthaler soll ab der kommenden Saison den jetzigen Tabellenführer der Bezirksliga Oberpfalz Süd trainieren – dann möglichst in der Landesliga.

  • Bei Zuschauern viel Luft nach oben

    Der Startrainer wird vermutlich auch für einen bisher ungekannten Zuschaueransturm sorgen. Dazu hat der SVD jetzt zumindest schon eine Tribüne – und viel Luft nach oben: Der aktuelle Zuschauerschnitt liegt bei knapp 200.

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