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Lesekompetenz

Übungstext: Wer erkennt Pilze sicher?

Unsere Zeitung bietet ein Training für die Lesekompetenz. In dieser Woche geht es um das Thema Schwammerl.

  • Als blutiger Anfänger im Schwammerlsuchen mit der Pilz-APP im Wald zu stehen hält Josef Simmel für etwas gewagt. Foto: dpa
  • Professor em. Dr. Andreas Bresinsky (Foto: MZ-Archiv/Wanner)

Regensburg.Unsere Zeitung bietet regelmäßig Übungstexte, mit denen Schüler ihre Lesekompetenz trainieren können. Lehrkräfte stellen fest, dass junge Leute zunehmend Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Texten haben. Doch über das Lesen werden in Texten gespeicherte Informationen in Wissen umgewandelt. Lesekompetenz ist somit eine wichtige Voraussetzung für das Lernen, den Erfolg im Beruf und die persönliche, gesellschaftliche Teilhabe. Lesekompetenz stellt sich aber nicht von selbst ein, sie muss Schritt für Schritt angebahnt, geübt und gesichert werden. Wer lesekompetent sein will, muss nicht nur fähig sein, Texten selbstständig Informationen zu entnehmen und diese miteinander zu verknüpfen. Er muss zudem über ein Grundlagenwissen zu Texten, deren Inhalten, Strukturen und sozialhistorischer Dimension verfügen und basierend darauf über Texte reflektieren und begründete Schlussfolgerungen ziehen können. Um diese Ziele erreichen zu können, bedarf es gezielter Lesestrategien und Arbeitstechniken, die an Texten schrittweise geübt und dauerhaft gesichert werden sollen. Deshalb bietet unsere Zeitung Woche für Woche verschiedene Texte an, an denen die Schüler all das üben können.

In dieser Woche geht es um das Thema Schwammerl. Wer kann in Regensburg noch Pilze erkennen? Das ist der Übungstext als PDF.Hier gibt es die aktuellen Übungsaufgaben für Schüler.Das sind die Lösungen.

Im Notfall: Wer erkennt Pilze sicher?

Die Pilze wachsen. Manchmal wachsen nach einer Pilzmahlzeit auch Zweifel. Jetzt suchten Regensburger Eltern verzweifelt Rat.

Von Heinz Klein, MZ

Der große Schreck wegen eines kleinen Pilzes kam in der der vergangenen Woche: Ein kleiner Klettermaxe fand an einem Baumstamm kleine Schirmpilzchen. Und weil die so putzig aussahen und der Vierjährige für sein Leben gern Schwammerl isst, schluckte er so ein Schirmchen hinunter. Nun bangte plötzlich die Mama um das Leben oder zumindest Wohlergehen ihres kleinen Schwammerliebhabers. Was sind das für Pilze, die der kleine Bub geschluckt hat? Die bange Frage blieb für einige Zeit unbeantwortet.

Die Zeiten, in denen der Apotheker Gerhard Brunn in seiner Mohrenapotheke Schwammerlschaufenster dekorierte und als wandelndes Pilzlexikon jeden Schwammerl identifizieren konnte, sind vorbei. Weder den Apotheker noch seine Apotheke gibt es mehr. Was nun? Kohletabletten essen und Pilz bestimmen lassen, hieß der Rat der Giftnotrufzentrale München.

In seiner Not stürzte sich der Papa ins Internet und stieß auf der Homepage der Universität Regensburg auf das Institut für Botanik und Josef Simmel. Der nette Biologe stellte sich natürlich als Nothelfer zur Verfügung, kam dem Schwammerl im Nu auf die Spur und identifizierte es als Behangenen Faserling oder Behangenen Mürbling. Der ist roh ungenießbar, gut gekocht schmeckt er aber durchaus passabel. Ein Faserling allein könne aber keinen Schaden anrichten, konnte Josef Simmel die Eltern beruhigen. Das Chitin und die großen Proteinmoleküle bereiten höchstens Verdauungsprobleme.

Giftnotruf nennt Experten vor Ort

Wer kann in Regensburg im Notfall Pilze exakt bestimmen? Die Giftnotrufzentrale in München hat in ihren Listen pilzkundige Fachleute registriert und gibt im Notfall Anrufern die Telefonnummer nahe gelegener Experten weiter. Auch bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie sind Pilzsachverständige aufgeführt. Namen und Telefonnummern sind auf der Homepage abrufbar.

Einer dieser Pilzsachverständigen ist der emeritiert Professor Dr. Andreas Bresinsky. Der 81-jährige ehemalige Inhaber des Lehrstuhls für Botanik an der Universität Regensburg stellt sein Fachwissen in Notfällen gerne zur Verfügung. Etwa viermal im Jahr muss er den Nothelfer spielen und bittet Anrufer dann, mit Resten der Pilze zu ihm nach Pielenhofen zu kommen. Zur Not gibt er sich aber auch mit einem Foto zufrieden. „Gott sei Dank war noch nie ein tödlich giftiger Pilz dabei.“ Meist sind es Funde, die Magenverstimmungen oder auch psychotrope Phänomene, also Rauschzustände auslösen können.

Welche Pilze auch in der Stadt vorkommen, sehen Sie in unserer Bildergalerie:

Pilze, die auch in der Stadt vorkommen

Man sollte kleinen Kindern auf jeden Fall zeigen, was ein Pilz ist, und ihnen einschärfen, sich nie einen Schwammerln in den Mund zu stecken, rät Bresinsky. Und seine Faustregel Nummer 2 gilt auch für Erwachsene: mit Ausnahme des Kulturchampignons sollte man niemals Pilze roh essen, denn auch essbare Pilze können dem Magen zu schaffen machen. So etwa ein Dutzend Anrufe von verzagten Pilzessern bekommt auch ein Regensburger Pilzsachverständige. Helmut Zitzmann wird im Bedarfsfall ebenfalls über die Giftnotrufzentrale vermittelt. Er löst auch knifflige Fälle. Einmal stand ein Pilzfreund mit einem Topf gekochter Schwammerl vor seiner Tür. Zitzmann identifizierte auch sie. Heuer war sein Rat bereits zweimal gefragt. Kein Wunder, die Pilze wachsen heuer schon früh.

Kinder reagieren sensibler

Falls Kinder betroffen sind, ist die Klinik St. Hedwig eine wichtige Anlaufstelle. „Pilze oder Pilzreste mitbringen“ ist auch hier die Devise. Dr. Thomas Lang, Leitender Oberarzt der Kinderheilkunde, hat etliche Pilzkenner zur Hand, die im Notfall befragt werden können. 10 bis 20 Pilz-Notfälle gibt es etwa pro Jahr. Kohletabletten helfen fürs erste, das Magenauspumpen macht man heute nicht mehr. Es käme ohnehin zu spät, sagt der Arzt. Da Giftmengen in Relation zum Körpergewicht wirken, sind Kinder eher gefährdet. In einem Fall, erinnert sich Dr. Lang, kämpften die Ärzte bei einer Knollenblättervergiftung bis zur Lebertransplantation um das Leben eines Jungen: erfolgreich.

Welche giftigen Pilze können auch in der Stadt vorkommen? Josef Simmel nennt in erster Linie den zierlichen Heubingerling, der jetzt nach dem Mähen der Wiesen wächst.

Hier gibt es weitere Informationen:

Giftnotruf: Tel. (0 89) 19 2 40

Prof. Bresinsky: Tel. (0 94 04) 46 47

Deutsche Gesellschaft für Mykologie: www.dgfm-ev.de

Infos für Pilzfreunde bei Helmut Zitzmann: pilze@t-online.de

Weitere Teile zum Training der Lesekompetenz gibt es hier!

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