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Lesekompetenz

Übungstexte: Kinder leiden unter Abgasen

Mit Artikeln unserer Zeitung können Schüler Lesekompetenz üben. Dieses Mal handelt der Bericht von belasteter Stadtluft.

Die Schilder für die Umweltzone wurden in Regensburg schon im Jahr 2011 eingekauft. Im nächsten Jahr wird sie nun endlich kommen.
Die Schilder für die Umweltzone wurden in Regensburg schon im Jahr 2011 eingekauft. Im nächsten Jahr wird sie nun endlich kommen.Foto: dpa

Regensburg.Unsere Zeitung bietet regelmäßig Übungstexte, mit denen Schüler ihre Lesekompetenz trainieren können. Lehrkräfte stellen fest, dass junge Leute zunehmend Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Texten haben. Doch über das Lesen werden in Texten gespeicherte Informationen in Wissen umgewandelt. Lesekompetenz ist somit eine wichtige Voraussetzung für das Lernen, den Erfolg im Beruf und die persönliche, gesellschaftliche Teilhabe. Lesekompetenz stellt sich aber nicht von selbst ein, sie muss Schritt für Schritt angebahnt, geübt und gesichert werden. Wer lesekompetent sein will, muss nicht nur fähig sein, Texten selbstständig Informationen zu entnehmen und diese miteinander zu verknüpfen. Er muss zudem über ein Grundlagenwissen zu Texten, deren Inhalten, Strukturen und sozialhistorischer Dimension verfügen und basierend darauf über Texte reflektieren und begründete Schlussfolgerungen ziehen können. Um diese Ziele erreichen zu können, bedarf es gezielter Lesestrategien und Arbeitstechniken, die an Texten schrittweise geübt und dauerhaft gesichert werden sollen. Deshalb bietet unsere Zeitung Woche für Woche verschiedene Texte an, an denen die Schüler all das üben können.

Diese Woche beschäftigt sich unser aktueller Übungstext mit der Abgas-Belastung in Regensburg. Der aktuelle Übungstext kann hier heruntergeladen werden.Die Aufgaben zum Text gibt es hier.Und das sind die Lösungen zur Kontrolle.

Abgase: Vor allem Kinder leiden

Die Stadtluft ist mit viel Stickoxid belastet. Mediziner untersuchen die Auswirkungen. Brauchen wir die blaue Plakette?

Von Heinz Klein, MZ

Man hat ihn öfter in der Nase, besonders, wenn man hinter Dieselfahrzeugen fährt – diesen leicht stechenden Geruch, der die Nasenschleimhäute reizt. Das ist die Wirkung von Stickoxiden. In der Regensburger Stadtluft sind sie neben dem gesundheitsschädlichen Feinstaub leider reichlich enthalten. In den Jahren von 2003 bis 2013 lag die Stadt ständig über dem Jahresmittel-Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft, nur 2014 schlüpfte sie mit 38 Mikrogramm knapp darunter. Nun soll nach der roten, gelben und grünen Plakette die Einführung einer blauen Plakette rund elf Millionen Dieselfahrzeuge aus den Innenstädten ausschließen, denn nur neue Diesel-Pkw können die dann geforderte EURO-6-Norm erreichen. Ob die Plakette kommt, wird in Berlin entschieden. Wann und wie sie eingeführt wird, sollen dann die Kommunen vor Ort entscheiden.

Wie gefährlich sind Stickoxide eigentlich für den Menschen? Als wir dazu den Spezialisten für Kinderpneumologie und Allergologie, Prof. Dr. Michael Kabesch, fragen, registrierte die Messstation am Alten Rathaus gerade einen Wert von 60 Mikrogramm Stickstoffdioxid – 20 Mikrogramm über dem Grenzwert. Und schnell wurde in dem Gespräch klar: Regensburg hat beides – viel zu hohe Stickoxidwerte und ein Studienzentrum für Deutschland, das die Gesundheitsgefahren von Stickoxiden erforscht.

Studie mit tausend Kindern

Rund 800 Kinder aus Regensburg und Umgebung sind in das internationale Forschungsvorhaben eingebunden, tausend sollen es bis Jahresende sein. In der Studie, die auch in Griechenland und den USA läuft, wird die gesundheitliche Entwicklung der Kinder beobachtet. Berücksichtigt wird dabei, wo die Kinder aufwachsen und wie viel Stickoxid dort in der Luft liegt. Prof. Dr. Kabesch, Chefarzt an der Hedwigsklinik und Leiter des Studienzentrums für Deutschland, kündigt erste Ergebnisse bis Ende 2016 an. Sie könnten brisant sein, denn schon jetzt ist klar: Je näher Kinder an Hauptverkehrsadern aufwachsen, um so höher ist das Risiko, Asthma zu bekommen, die Lunge zu schädigen oder Allergien zu entwickeln. Anhand von Satellitenmessungen lässt sich auf Straßenzüge genau ermitteln, wie hoch die Schadstoffbelastung übers Jahr war. Zudem gilt: Je kleiner der Mensch, umso größer die schädliche Wirkung von Stickoxiden.

20 Prozent der Menschen fehlt ein wichtiges Enzym

Eigentlich müsste es unterschiedliche Grenzwerte für Kinder und für Erwachsene geben. Dazu kommen noch individuelle Unterschiede. Glücklicherweise gibt es Enzyme im Blut, die die aus der Luft aufgenommenen Gifte rasch abbauen, erzählt Prof. Kabesch. Doch etwa 20 Prozent der Menschen in Europa haben diese Enzyme und damit ein Schutzschild gegen diese Umweltgifte aufgrund ihrer genetischen Ausstattung nicht. Und die beeinflussen nicht nur die Lungenfunktion und begünstigen Allergien, sie haben auch Auswirkungen auf Augen und Haut, können Schlafstörungen und ADHS verursachen. Dazu kommen kardiologische Risiken, pflichtet Prof. Dr. Michael Pfeifer, der Chefarzt der Klinik Donaustauf, bei. Im Zusammenwirken mit Feinstäuben sei das Schadstoffgemisch auch mit verantwortlich für Herzinfarkte und Lungenkrebs.

Lesen Sie mehr zum Thema: „Die Stadt schaltet zu langsam und schiebt das Thema Luftverschmutzung nur vor sich her“, schreibt unser Autor Micha Matthes in seinem Kommentar.

Kommentar

Stadt schaltet zu langsam

Die Stadt schaltet zu langsam und schiebt das Thema Luftverschmutzung nur vor sich her. Feinstaub und Stickstoffdioxid sind nicht sichtbar – und ein unsichtbares...

Huber: Erst mal keine Plakette

Wie hoch sollen Grenzwerte für Stickoxid also sein? Grenzwerte seien meist relativ pragmatisch gezogen, meint Prof. Kabesch. Es gehe ja auch um eine Werteabschätzung: Was ist uns hohe Mobilität wert und was die Vermeidung von Gesundheitsrisiken? Eigentlich gehe es dabei um nicht weniger als die Gesundheit der nächsten Generation, gibt der Pneumologe zu bedenken.

„Mein vorrangiges Ziel ist es, die E-Mobilität auf die Straße zu bringen.“

Umweltbürgermeister Jürgen Huber

Bei der Frage nach Grenzwerten und der Einführung einer blauen Plakette holt Umweltbürgermeister Jürgen Huber zunächst weit aus, räumte dann aber ein: „Es ist erst mal nicht unsere Absicht, die blaue Plakette in Regensburg einzuführen.“ Der Bürgermeister der Grünen will „nicht schon bei der ersten Gelegenheit ins Regal der Verbote greifen“. „Mein vorrangiges Ziel ist es, die E-Mobilität auf die Straße zu bringen“, sagt Jürgen Huber. Dass das noch Jahre dauern wird, räumt er ein. Schließlich hat auch die Einführung einer Umweltzone viele Jahre gedauert. Die wird nun 2017 kommen, versicherten Stadt und Regierung auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Kritik, dass die Umweltzone, die nur die Altstadt innerhalb des Alleengürtels umfassen wird, zu klein sei, will sich Huber nicht anschließen.

Unsere Karte zeigt den Verlauf der geplanten Umweltzone:

Das sieht Wolfgang Bogie vom Verkehrsclub VCD Regensburg anders. Zum einen würde er eine rasche Einführung der blauen Plakette begrüßen, zum anderen sollte ihr Wirkungsbereich dann auf Stadtamhof und die beiden Wöhrde erweitert werden. Sogar Georg Stich, Chef der Regensburger Taxi-Genossenschaft, würde eine blaue Plakette nicht prinzipiell ablehnen, wenn genug Übergangsfrist bleibe. Über 90 Prozent der Taxler fahren Diesel-Pkw, wären also von den Restriktionen betroffen. Im Schnitt würden Taxis etwa fünf Jahre lang gefahren. Nach dieser Einsatzzeit könnten neue Pkw angeschafft werden, die die EURO-6-Norm erfüllen.

Stickoxide

  • Belastung

    Die Stickoxidbelastung in den Städten kommt zu etwa 75 Prozent vom Straßenverkehr. Davon gehen laut Umweltbundesamt 71 Prozent auf das Konto der Pkw (67 Prozent auf Diesel-Pkw), 22 Prozent auf Nutzfahrzeuge und fünf Prozent auf Busse.

  • Grenzwert

    Zum Schutz der Gesundheit wurde ein 1-Stunden-Grenzwert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft festgelegt, der nicht öfter als 18 mal im Jahr überschritten werden darf. Der Jahresgrenzwert beträgt 40 Mikrogramm. In Regensburg wurde er in elf Jahren zehnmal überschritten. Der Grenzwert zum Schutz der Vegetation beträgt 30 Mikrogramm.

Ähnlich sieht es bei den Verkehrsbetrieben aus. Derzeit sind alle 106 RVB-Busse auf dem Stand der „Grünen Plakette“, erfüllen also mindestens die EURO4-Norm. „Die neu beschafften Busse erfüllen aber selbstverständlich die EURO6-Norm“, versicherte Stadtwerke-Geschäftsführer Manfred Koller. Schon im Herbst werden 31 Busse (aktuell 20) die neue Norm erfüllen. Zudem fährt die Altstadt-Linie ab Spätherbst emissionsfrei mit Elektrobussen. Eine schnelle Einführung der blauen Plakette würde enorme Investitionen bedeuten, mit einer langfristigen Einführung kämen die Verkehrsbetriebe aber sehr gut zurecht.

Weitere Übungstexte für das Training der Lesekompetenz können Sie hier herunterladen.

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