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Zeitung in der Schule
Samstag, 21. Juli 2018 31° 3

Geschichte

Wer war die Namensgeberin der Schule?

Die 7f der Parsberger Realschule erforschte das Leben von Edith Stein. Das Ergebnis stellte sie den fünften Klassen vor.
Von der 7f der Edith-Stein-Realschule

Warum Edith Stein mit einem Ölzweig in einer Hand gezeigt wird, wurde von der 7f bei der Führung erklärt.Fotos: Piller
Warum Edith Stein mit einem Ölzweig in einer Hand gezeigt wird, wurde von der 7f bei der Führung erklärt.Fotos: Piller

Parsberg.Wer ist Edith Stein, nach der unsere Schule benannt ist? Diese Frage stellten sich die Schüler der fünften Klassen, unsere „Neulinge“, bei einer Führung durch das Schulhaus aus Anlass des jährlich stattfindenden Edith-Stein-Tages. Wir, die Klasse 7f, wollten den fünften Klassen die Namenspatronin unserer Parsberger „Edith-Stein-Realschule“ vorstellen. Denn wer sechs Jahre auf diese Schule geht, sollte schon wissen, was das für eine Frau war. Dazu hatten wir eine Führung durch das Schulhaus geplant mit mehreren Stationen, an denen jeweils eine Infotafel aufgestellt war. Wir eröffneten die Stunde mit Gebet und Gesang. Dann ging es los zur ersten Station. Zu zweit stellten wir uns neben die schön dekorierte Tafel.

Edith Stein ist in Breslau (im heutigen Polen) als Jüngstes unter elf Kindern aufgewachsen. Vier verstarben jedoch früh. Sie war als Wissenschaftlerin in der Philosophie tätig und dann auch als Lehrerin. Ihre Statue stand ursprünglich im Innenhof unserer Schule. Im Zuge der Renovierung der Realschule, die zur Vergrößerung dringend nötig war, ist die Figur von hier weggeschafft worden.

Ihre Mutter war strenggläubige Jüdin. Da Edith Stein am höchsten jüdischen Feiertag geboren ist, an Jom Kippur, war sie das Lieblingskind. Ihr Vater ist früh gestorben. Trotz Verschuldung des elterlichen Holzhandels konnte ihre Mutter den Kindern eine gute Ausbildung bieten. Als Edith 13 Jahre alt war, wurde sie Atheistin. Das heißt: Sie wurde ungläubig, hatte auch keine Lust mehr auf die Schule, worauf sie von der Mutter nach Hamburg zu Ediths Schwester Else geschickt wurde, um auf deren Kinder aufzupassen. Ein Jahr später machte sie trotzdem ein sehr gutes Abitur und studierte in Breslau, Göttingen und Freiburg. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, arbeitete sie als Krankenschwester im Lazarett.

Dann ging es zur zweiten Station, am Haupteingang unserer Schule, vor dem heute die Edith-Stein-Statue ihren Platz gefunden hat. Dort schlossen wir an ihre Lebensstation als Lehrerin an und wiesen darauf hin, dass sie zu jener Zeit auch an einem pädagogischen Institut beschäftigt war. Sie hat dort Vorträge gehalten, junge Lehrer ausgebildet, daneben auch weiter unterrichtet.

Einsatz für Gleichberechtigung

In Station eins ging es um Steins Leben.
In Station eins ging es um Steins Leben.

Vielen, vor allem jungen Frauen, hat sie so den Zugang geöffnet zu einem gelingenden Leben, ihren Weg ins Familien- und Berufsleben bewusst und verantwortlich gehen zu lernen. Sie hat viel für das Schulwesen geleistet, wie auch für die Gleichberechtigung der Frau. Dabei war Edith Stein immer auf der Suche nach der Wahrheit. Als sie einmal bei ihrer Freundin ein Buch im Regal fand, nämlich den Lebenslauf der heiligen Theresa von Avila, las sie es die ganze Nacht hindurch, und in der Frühe wusste sie, dass das die Wahrheit ist.

Sie ging zu einem Priester und wollte sich taufen lassen. Doch dieser sagte, sie müsse zuerst mehr vom katholischen Glauben kennen. Sie lernte viel und wusste bald alles aus dem Katechismus. Sie stand auch im wörtlichen Sinne vor einer Eingangstür, einer Klosterpforte. Sie hat dort um Einlass gebeten, um als Ordensschwester in den Kölner Karmel eintreten zu dürfen. Hier bedeutete die Schulpforte nicht zuletzt: Edith Stein hat auch dort, im Karmel, viel gewirkt als Lehrerin und Wissenschaftlerin.

Draußen, vor der Statue, fingen wir an zu erklären: In der einen Hand hält die Figur einen Ölzweig, er erinnert an die Geschichte der Arche Noah, aus dem Alten Testament. Am Boden stehen Bücher. Sie sollen uns sagen, dass sie die Wissenschaft als Ziel hinter sich gelassen hat und zum katholischen Glauben konvertiert ist, in dem sie den Sinn ihres Lebens gefunden hatte. Die Kutte zeigt sie als Ordensschwester, und die Ketten symbolisieren Edith Steins letzte Lebensstation als Schwester Teresia Benedicta a Cruce, „vom Kreuz“, dem Thema einer weiteren Infotafel. Weil die Statue einige Zeit im Schulkeller aufbewahrt werden musste, war dieser nun unser nächstes Ziel. Im Keller war es düster. Die dritte und letzte Tafel stand in einem kahlen Raum, was auf Ediths letzten schweren Weg einstimmen sollte.

Ein paar Details über Edith Stein:

Die Brückenbauerin

  • Heiligsprechung:

    Papst Johannes Paul II. sprach Theresia Benedicta vom Kreuz, so ihr Ordensname, am 1. Mai 1987 selig und am 11. Oktober 1998 heilig.

  • Gedenken:

    Sie wurde am 9. August 1942 ermordet. Jeder 9. August ist ihr römisch-katholischer und evangelischer Gedenktag. Sie gilt als Brückenbauerin zwischen Christen und Juden. (lr)

Bereits der Name, den man ihr bei der Einkleidung im Kloster zuteilte, drückte eine Vorahnung aus: die enge Verbindung zu Jesus und seinem Kreuz. Zwar hatten ihre Mitschwestern versucht, sie als Jüdin vor den Nazis zu schützen. Dazu haben sie Stein in ein Karmeliten-Kloster nach Holland gebracht. Doch als auch dort die Judenverfolgung immer ärger wurde, hat sie sich nicht weiter versteckt und sich mit ihrer Schwester in vollem Wissen um das, was auf sie zukommt, ihren Verfolgern gestellt. Sie wurde ins KZ Auschwitz transportiert. Die unheimliche Atmosphäre im Schulkeller konnte uns etwas von ihrem letzten Weg spürbar machen.

In Auschwitz ermordet

Edith Stein wurde Karmeliterin. Auch das war Teil des Vortrags an Station zwei.
Edith Stein wurde Karmeliterin. Auch das war Teil des Vortrags an Station zwei.

Nach der Verhaftung verlor sich ihre Spur. Sicher ist, dass sie zusammen mit anderen jüdischen Leidensgenossen in den Gaskammern von Auschwitz grausam umgebracht worden ist. Doch trotz des vorhersehbaren Todes hat Edith Stein vielen während des Abtransportes geholfen, hat mit den gefangenen Kindern gesungen und gebetet und hat sich bis zuletzt um sie gekümmert. So wird Edith Stein heute als Märtyrerin verehrt, als eine der herausragenden Heiligen des 20. Jahrhunderts.

Ihr Martyrium bedeutet etwas ganz besonderes – gerade für die heutige Welt: Dass sie so am Schicksal Jesu teilhat, weil sie ein wesentliches Geschick beider Religionen, Judentum und Christentum, in ihrer Person vereint. Denn sie ist bewusst als Jüdin mit ihren jüdischen Brüdern und Schwestern in den Tod gegangen. Sie tat das als Christin, als katholische Ordensschwester.

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