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Bildung

Zu Besuch an einer besonderen Schule

Im Pater-Rupert-Mayer-Zentrum bekamen Berufsschüler interessante Einblicke in den Schulalltag von Schülern mit Handicap.
Von Jacqueline W., Natalie N., Lena P., Christina K., Rebecca G. sowie Rebecca S., Klasse Ki11c des Berufsschulzentrums Regensburger Land

Die Kinderpflege-Schülerinnen besuchten auch eine Sportstunde am PRMZ und durften bei den Übungen mitmachen. Foto: Noemi Fischer
Die Kinderpflege-Schülerinnen besuchten auch eine Sportstunde am PRMZ und durften bei den Übungen mitmachen. Foto: Noemi Fischer

Regensburg.Fotos und selbst gemalte Bilder bedecken die Wand, die Flure und Türen sind besonders breit und die ersten Sonnenstrahlen scheinen durch die Fenster direkt in die große Eingangshalle. Ein dunkelhaariger Junge steht vor einem interaktiven Display, das einem überdimensionalen Tablet ähnelt, das an der Wand hängt. Das Kind berührt ein paarmal den Bildschirm und verschwindet dann mit einem breiten Grinsen und strahlenden Augen auf den Fluren. Ein kleines Mädchen rollt mit ihrem Scooter über den Flur direkt in ein Zimmer hinein. Die Menschen, denen man begegnet, lächeln uns an und grüßen freundlich.

Die helle, offene und freundliche Atmosphäre ruft ein warmes Gefühl in einem hervor. Spätestens als um 9.45 Uhr der Gong ertönt und die Schülerinnen und Schüler mit aufgeweckten Gesprächen und strahlenden Gesichtern in die Halle stürmen, fühlt sich auch der Letzte wirklich willkommen. Als sich die Stimmen langsam in den Gängen verlieren und die nächste Stunde anfängt, beginnt auch für uns – die Kinderpflegeklasse Ki11c des Berufsschulzentrums Regensburger Land – der Tag im Pater-Rupert-Mayer Zentrum.

Sozialpädagogin Sarah Paul erklärt den Schülerinnen des Berufsschulzentrums das barrierefreie Informationssystem CABito. Foto: Noemi Fischer
Sozialpädagogin Sarah Paul erklärt den Schülerinnen des Berufsschulzentrums das barrierefreie Informationssystem CABito. Foto: Noemi Fischer

Das Pater-Rupert-Mayer-Zentrum der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e. V. beherbergt rund 430 Schüler und Schülerinnen im Alter zwischen drei und dreiundzwanzig Jahren. Circa 300 Fachkräfte betreuen und fördern die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit körperlichen Handicaps sowie Mehrfachbehinderungen. Unter dem Dach des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums sammeln sich hierzu eine Interdisziplinäre Frühförderstelle, ein integratives Kinderhaus mit Kinderkrippen- und Kindergarten-Gruppen, eine Schulvorbereitende Einrichtung (SVE), die Schule, Tagesstätte, eine Therapieabteilung, ein Fachdienst sowie ein Internat.

Individuelle Förderung mit Herz

Nachdem uns Sarah Paul, eine Sozialpädagogin der Einrichtung, und der Leiter der Abteilung Therapie, Peter Schmitt, über die Entstehungsgeschichte und die aktuelle Organisation des Zentrums informiert haben, beginnt unser Rundgang mit dem Café LILA, das von den älteren Schülern im Rahmen des Unterrichts selbst betrieben wird. An den Flurwänden sind überall Geländer angebracht, an den Seiten der Gänge stehen Rollstühle und Rollatoren bereit. Von den Fluren aus sind ein Fußball- und ein Basketballplatz zu sehen. Pokale von Wettkämpfen aus verschiedenen Sportarten sind in einer Vitrine ausgestellt.

Die Kinderpflege-Schülerinnen besuchten auch eine Sportstunde am PRMZ und durften bei den Übungen mitmachen. Foto: Noemi Fischer
Die Kinderpflege-Schülerinnen besuchten auch eine Sportstunde am PRMZ und durften bei den Übungen mitmachen. Foto: Noemi Fischer

In der Turnhalle angelangt, werden wir von einer Klasse und den Lehrern in ihre Stunde miteingebunden und so balancieren wir Luftballons und bewegen uns zu rhythmischer Musik. Gemeinsam mit den anderen Schülern Sport zu machen verbindet und bereitet uns selbst sehr viel Freude. Was wir ganz klar spüren, ist die Gemeinschaft in der Halle und die Freude an Bewegung, die alle miteinander teilen.

Auch ein Schwimmbad steht den Schülern des PRMZ zur Verfügung. Besonders fällt uns hier das Liftsystem auf, welches die Umkleide, die Toilette, die Duschen und die Schwimmhalle verbindet. Dadurch wird auch Rollstuhlfahrern eine Teilnahme an Wasseraktivitäten ermöglicht.

Unser Weg führt uns weiter durch einen gepflegten Innenhof mit behindertengerechten Spielgeräten, geradewegs zur schulvorbereitenden Einrichtung (SVE). An den Fenstern der Gruppenräume kleben bunte Handabdrücke der Kinder. Mädchen und Jungen, die noch nicht schulpflichtig sind und sonderpädagogische Hilfe benötigen, bekommen hier die erforderliche Förderung. Allgemein ist der Gruppenraum auffällig farbenfroh gestaltet und mit vielen Bildimpulsen versehen. Wie in einem Regelkindergarten gibt es auch hier die verschiedenen Bereiche, unter anderem eine Kuschelecke oder ein Podest zum Klettern.

Um die Kinder zu unterstützen, gibt es beispielsweise ein Platz-Set, durch dessen Vorstrukturierung das Kind weiß, wie es den Tisch decken muss. Die positive und ruhige Ausstrahlung der Heilpädagogen wirkt sich spürbar auf die Kinder aus. Trotz der Besucher bleiben die Kleinen entspannt, da ihnen das Personal emotionale Sicherheit und Geborgenheit vermittelt.

Im ersten Stock lernen die jungen Erwachsenen Montagearbeiten kennen. Hierbei erlernen sie viele wichtige Kompetenzen und Bewegungsabläufe, die sie später im Beruf verwenden können: Mengen abmessen, abfüllen oder abzählen und vieles mehr. Was uns nicht nur hier, sondern den ganzen Tag über auffällt, sind die zahlreichen Hilfestellungen wie hier der aufbereitete Dienstplan mit den Bildern der Schüler und Schülerinnen und den Symbolen jener Tätigkeiten, die sie übernehmen sollen und die speziellen, auf die Kinder und Jugendlichen angepassten Unterstützungsangebote der Fachkräfte. Diese sollen Orientierung bieten und den Kindern und Jugendlichen das Lernen ermöglichen.

Jeder braucht etwas anderes

Rebecca darf den speziellen Sitzsack im Ruheraum des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums ausprobieren. Foto: Noemi Fischer
Rebecca darf den speziellen Sitzsack im Ruheraum des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums ausprobieren. Foto: Noemi Fischer

Dabei kommt auch die Freude am und beim Lernen im PRMZ nicht zu kurz, wenn beispielsweise gemeinsam mit den Lehrkräften und den Scootern durch die Flure gefahren wird, um die entsprechenden motorischen Abläufe und das Gleichgewicht zu schulen. Und für Entspannung in stressigen Phasen gibt es einen Ruheraum mit einem speziellen Sitzsack, der einen umhüllt und den wir selbst ausprobieren dürfen.

Somit profitieren die Schüler und Schülerinnen am PRMZ von einer individuellen und ganzheitlichen Förderung. Um die Kinder und Jugendlichen in ihrem Lernen und ihrer Entwicklung bestmöglich zu unterstützen, sind viele verschiedene Professionen im PRMZ versammelt. Hier arbeiten Lehrer, Erzieher, Kinderpfleger, Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten und viele andere eng zusammen, um die Kinder möglichst ganzheitlich und individuell zu fördern. Auch für die Fachkräfte spielt dabei die Individualität beim und die Freude am Lernen eine große Rolle und so antwortet Peter Schmitt auf die Frage, mit welchen Worten er seine Arbeit als Physiotherapeut im PRMZ beschreiben würde, spontan: „,Abwechslungsreich, unvorhersehbar und mit richtig viel Spaß“.

Wieder in der Eingangshalle angelangt sind auch wir uns einig: Wir hatten einen unvorhersehbar abwechslungsreichen Tag mit richtig viel Spaß am Pater-Rupert-Mayer-Zentrum!

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